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| Marc Heiland | Kaffeewelten

graycano DripperHeutzutage haben Entwickler immer weniger wirklich spannende und innovative Ideen. Vielmehr geht man bei der Herstellung neuer Produkte lieber auf „Nummer sicher“, um kein finanzielles Debakel zu erleben, um Kunden nicht zu vergraulen oder, um nicht die eigene Komfortzone verlassen zu müssen. Umso begeisterter ist man dann als Verbraucher, wenn sich ein Unternehmen traut, in bekannten Bereichen echte Innovationen und spannende Weiterentwicklungen auf den Markt zu bringen. Und genau hier setzt „graycano“ an. Was dahinter steckt und was ein Kaffeebaum mit einem 83-jährigen Mann zu tun hat, erfahrt ihr in unserem Bericht.

Träume, die Wirklichkeit werden

Manchmal vereint das Schicksal Menschen auf der Welt, die zwar zusammenpassen, auf „normalem“ Weg jedoch nicht zusammenfinden würden. So bei Nicole und Felix, den Gründern von „graycano“ und Paolo, einem Farmer aus Brasilien. Während Nicole und Felix in Deutschland vor rund drei Jahren gemeinsam überlegten, wie sie als Kaffeebegeisterte einen eigenen Beitrag zum Pour Over Filterkaffee leisten könnten und einen Dripper zu entwerfen, der effektiver als andere die Extraktion durchführen kann und sich hieraus der „graycano“ Dripper entwickelte, träumte Paolo im fernen Minas Gerais von einer eigenen Kaffeeplantage.

Und wie es das Schicksal so wollte, erfuhren Nicole und Felix vom Traum des Brasilianers und nahmen sich vor, ihren zukünftigen Kunden die Patenschaft über einen eigenen Kaffeebaum auf der Plantage von Paolo, der Fazenda Jacarezal, anzubieten.

Mittlerweile hat sich aus der Idee ein Unternehmen entwickelt und der „graycano Dripper“ ist fester Bestandteil im Equipment von Profis und Heimbaristas geworden. Den Höhepunkt erlebte „graycano“ durch den zweiten Platz von Savina Giachgia bei den World Coffee Championships 2023 in Athen. Da wird man als Kaffee-Enthusiast natürlich neugierig. Dank der freundlichen Unterstützung von Felix und Nicole ist es uns möglich, euch den „graycano Dripper“ vorzustellen und unsere Eindrücke euch mitteilen zu können.

Beim „graycano Dripper handelt es sich um einen Handfilter aus Aluminium für eine optimale Leitfähigkeit und Keramikbeschichtung mit Kork Sleeve, um den Dripper anfassen zu können. Schaut man sich den Dripper einmal genauer an, sieht man, dass die innere Struktur anders als bei vergleichbaren Drippern ist. Die Rippenstruktur soll – so die Hersteller – für einen gleichmäßigen Wasser- und Luftstrom sorgen, der die Extraktion des Kaffees noch besser werden lässt, was zu einem noch feineren Aroma, das florale und auch fruchtige Noten betonen kann, führen soll. Als Papierfilter empfiehlt „graycano“ den „Abaca Cup 1“. Der Dripper funktioniert aber auch mit dem entsprechenden Hario V60-Filter.

Der „graycano Dripper“ im Praxistest

So viel zur Theorie. Kommen wir jetzt zu unseren persönlichen Erfahrungen, welche wir mit dem Dripper gesammelt haben. Bei unseren Tests haben wir die in einem kleinen Heft zusammengetragenen Brührezepte, die unter anderem von Savina Giachgia und DER deutschen Koryphäe, Nicole Battefeld-Montgomery, stammen, ausprobiert. Schön, dass hier solch kompetente Expertinnen und Experten Pate standen und die Brührezepte sehr einfach umzusetzen sind. So etwas nimmt vor allem Einsteigern ein wenig die möglicherweise aufkommende Angst vor dem Neuen / Unbekannten. Spannend ist dabei zu sehen, wie unterschiedlich die Profis bei der Zubereitung vorgehen. Alle nutzen als Handmühle die „Comandante C40“, nutzen aber verschiedene Mahlgrade. Auch die Zeiten, die sie für den kompletten Aufguss vorgeben, variieren teils deutlich sowie die Grammmenge an Wasser, die sie in den einzelnen Etappen während des Aufgusses hinzugeben. Dies hängt meist von den eigenen Vorlieben, oder natürlich auch von den Bohnen ab, die jeweils zum Einsatz kamen.

Hier kurz eine Zusammenfassung der Brührezepte, wie wir sie für unseren Test übernommen haben: 15 g Espressobohnen. Hierbei haben wir einen Red Honey aus Nicaragua der „Kaffeewelt Eisbrenner“ aus Bielefeld genommen. Der Nicaragua Red Honey ist eine besondere Spezialität der Kooperative UCA im Naturreservat Miraflor. Beim landesweiten Wettbewerb unter allen Kooperativen konnte er den zweiten Platz abräumen. Aufgrund des besonderen Verfahrens entwickelt Red Honey, der Vorort als Melado bezeichnet wird, eine ausgeprägt fruchtige Süße. Er wurde heller geröstet, um seine Eigenschaften herauszustellen. Zu erwarten sind ein voller Körper und Noten von gerösteten Erdnüssen, Pfirsich und Maracuja.

Die Bohnen wurden mit der „Comandante C40 MK3“ bei 25 clicks gemahlen und anschließend mit 250 ml Wasser bei einer Brühtemperatur von 93 Grad und einer Brew Ratio von 1:16.6 zubereitet. Die Laufzeit des Wassers betrug 2 Minuten inklusive 30 Sekunden Blooming. Geschmacklich bestach der Red Honey durch einen sehr runden und intensiven Geschmack mit Betonung der fruchtigen Aromen. Es war sehr spannend zu schmecken, wie klar der Unterschied zum herkömmlichen V60-Aufguss doch ist. Kein Quantensprung, aber eindeutig zu erkennen.

Ein wenig mehr Bohnen hat Nicole Battefeld-Montgomery für ihr Brührezept vorgegeben. Dabei wurden von uns 20 g Bohnen, bei 33 clicks mit der Handmühle gemahlen, anschließend mit 300 ml Wasser bei 93 Grad aufgegossen, um nach 3:20 Minuten mit 60 g Wasser zum Blooming fertig zu sein. Geschmacklich wurden hier die Anklänge von Nuss deutlicher herausgestellt. Insgesamt wirkte der Kaffee noch feiner abgestimmt.

9Fazit: Was soll ich sagen? Mit dem „graycano Dripper“ hat „graycano“ eine faszinierende Variation eines Filterkaffee-Drippers entwickelt, der hält, was über ihn gesagt wird. Außerdem tut ihr mit dem Erwerb dieses Produktes auch noch etwas Gutes und erhaltet euren eigenen Kaffeebaum.

Die inn-joy Redaktion vergibt 9 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der Firma „graycano“ für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.

D. Stappen

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