Vorstellung und ausgewählte Sorten im Test: Tarzzani aus Essen
Das Ruhrgebiet hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum Geheimtipp von und für Kaffeefans gemausert. Neben Dortmund, Bochum oder auch Gelsenkirchen, hat sich vor allem Essen als das heimliche „Kaffeezentrum“ des Potts herausgestellt. Hier finden sich zahlreiche Kaffeeröstereien, von denen wir euch bereits einige vorgestellt haben. Heute steht die Kaffeerösterei „Tarzzani“, die im Essener Stadtteil Bergerhausen beheimatet ist, im Fokus. Hier röstet Inhaber Fabrizio Caterisano hochwertigen Rohkaffee, den er zu spannenden Espressi veredelt. Wir haben das kleine Sortiment für euch getestet.
Hierbei liegen uns Transparenz und die Zufriedenheit unserer Kunden genauso am Herzen, wie die sorgfältige Auswahl unserer Rohkaffees und die daraus entstehenden Röstkaffees.“ Klar, dass wir da neugierig geworden sind. Wie uns der Filterkaffee und Espresso der „Antagonist Coffee“ Rösterei geschmeckt hat, erfahrt ihr im Test.
Nachhaltigkeit wird großgeschrieben
Heutzutage sind Qualität und Nachhaltigkeit wichtiger denn je. Deswegen setzt man bei Tarzzani nicht nur auf hochwertige Bohnen, sondern auch um Nachhaltigkeit. Seit einigen Jahren arbeitet Fabrizio Caterisano mit der NGO von „One Tree Planted“ zusammen, die sich intensiv mit der Wiederaufforstung, dem Schutz der Biodiversität und der Unterstützung lokaler Gemeinschaften befasst. Auch wenn man nicht zu den Großen der Kaffeeszene gehört, gehört es zu den Grundpfeilern der Kaffeerösterei, sich um Nachhaltigkeit zu kümmern und einen Teil der Einnahmen an „One Tree Planted“ zu geben.
Auch bei der Verpackung geht man diesen Weg und setzt auf komplett kompostierbare Verpackungen, was heutzutage leider noch immer nicht bei allen Kolleginnen und Kollegen seiner Zunft an der Tagesordnung ist.
Übersicht über das Sortiment
Aktuell (Stand 1/25) hat die Rösterei sechs Espresso-Sorten im Sortiment. Im Online-Shop könnt ihr jede Sorte in den Packungsgrößen zu 100 g, 250 g, 1000 g als ganze Bohne, Moka und für die Espressomaschine bestellen. Ein Abo mit 10% Rabatt wird ebenfalls angeboten. Zu den unterschiedlichen Sorten gibt es auf der Homepage des Unternehmens umfassende Informationen zur genauen Herkunft des Rohkaffees, zur Anbauhöhe, zum Kaffeebauern, zur vorliegenden Varietät, und auch zur Aufbereitungsmethode des Rohkaffees. Dieser wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen Farmern und Kooperativen importiert, wodurch man auf Zwischenhändler verzichtet und selbst Einfluss auf die Qualität des eingekauften und damit veredelten Kaffees hat.
Geröstet wird der Espresso bei Tarzzani recht hell, was in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Trend geworden ist. Weg von den klassisch dunklen, in gewissen Regionen Italiens sogar schon fast verbrannten Röstungen, hin zur helleren Röstung, die vor allem die in der Bohne vorkommenden Aromen betont und hierdurch spannende Bouquets eröffnen. Dabei solltet ihr – gerade wenn ihr neu in die Welt des Espressos einsteigt – mit der Brühtemperatur ein wenig stärker experimentieren und auch beim Mahlgrad euch ausprobieren. Nicht jede (Single Dose) Mühle kann mit helleren Röstungen gleich umgehen. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird diese Art des Röstens schnell bevorzugen.
Die Sorten in der Vorstellung und im Geschmackstest
Für unseren Test haben wir von der Kaffeerösterei 5 Sorten zugeschickt bekommen. Damit haben wir (mit einer Ausnahme) das komplette Sortiment im Test.
Schauen wir uns – wie immer – zunächst einmal die Beutel an, in denen der Kaffee verpackt wird: Hierbei handelt es sich um komplett kompostierbare Standbeutel mit Zip-Verschluss. Diese sind wiederverschließbar, um so die Aromen länger zu erhalten. Auf der Vorderseite der Beutel finden wir den Namen des Kaffees bzw. Espressos, das Logo der Kaffeerösterei, eine stichpunktartige Beschreibung des Geschmacks des Kaffees (Leitnoten), einen Hinweis, dass es sich um beispielsweise 100% Arabica oder einen Blend handelt, sowie Angaben zum Röstgrad (in den Stufen 1-5), der Intensität und der Säure, die ebenfalls in den Stufen1-5 angegeben sind. Die Informationen zu den Herkunftsländern bzw. der genauen Region, die Varietäten, die Aufbereitungsarten des Rohkaffees, die Anbauhöhe und Zubereitungsvorschläge sind ebenfalls vorhanden. Drehen wir die Verpackung um, so finden wir Angaben zur Füllmenge, die Kontaktdaten und das Röstdatum. So sind alle relevanten Informationen auf einen Blick zu erkennen.
Zubereitung
Für den Test haben wir den Espresso im Siebträger getestet mit 18g in und 36-42g out bei ca. 30 Sekunden Laufzeit. Ein Wort zum Bohnenbild, dass die Qualität des Kaffees bzw. der Röstung rein optisch bereits vor der Verkostung darstellt: Dieses ist sehr gut; Defekte sind nahezu keine zu erkennen. Auch das Röstbild ist sehr homogen.
New Jade – Geschliffen wie ein Edelstein
Der erste Espresso, den wir bei uns im Test hatten, ist ein Blend mit Rohkaffee aus Kolumbien und Brasilien. Der kolumbianische Anteil im Blend stammt aus der Region Quimbaya, Quindío mitten in den Anden, wo der Rohkaffee von der Mineralienvielfalt des vulkanischen Bodens profitiert. Er wird durchgehend unter Schattenbäumen, wie Bananen und anderen Obstbäumen kultiviert und in der überwiegenden Mehrheit in den Varietäten Castillo, Colombia und Catimor in Höhenlagen von 1.600 – 1.900 m angebaut. Der handgepflückte Rohkaffee wird gewaschen aufbereitet.
Unser Eindruck: Der „New Jade“ besticht durch sein interessantes Aromenbouquet. Bereits beim Öffnen der Verpackung lassen sich Noten von Schokolade, Beeren und eine gewisse florale Note, die sich beim Brühvorgang verstärken. Trotz der verschiedenen Herkunftsländer ergänzen sich die Kaffees sehr gut zu einer äußerst leckeren Kombination. Der vollmundige Espresso ist sehr angenehm im Mund und hat einen recht langen Abgang. Die Nussschokolade bleibt eine gewisse Zeit im Mund stehen. Sowohl mit als auch ohne Milch schmeckt der Espresso sehr gut.
Spinello Cobalto – Balance mit Tiefgang
Manchmal braucht es keinen Koffein-Paukenschlag, sondern einen Espresso, der Ruhe ausstrahlt und dennoch Charakter besitzt. Der Spinello Cobalto ist genau so eine Komposition: eine koffeinreduzierte 100 % Arabica-Cuvée, die drei Kontinente geschmacklich vereint und dabei bemerkenswert harmonisch bleibt.
Indonesien, Kolumbien und Brasilien liefern hier jeweils ihre markanten Eigenschaften – zusammengeführt zu einem Blend mit mittlerer Intensität (3/5), der Würze, Nussigkeit und eine feine Kräuterfrische elegant miteinander verschmelzen lässt. Der Körper zeigt sich rund und ausgewogen, ohne Schwere, mit einer angenehmen Struktur, die sowohl pur als auch mit Milch hervorragend funktioniert.
Sumatra – Gunung Suci
Aus den vulkanisch geprägten Höhenlagen Sumatras stammt eine Arabica-Varietät, die durch das traditionelle „Wet-Hulling“-Verfahren ihren unverwechselbaren Charakter erhält. Erdige Tiefe trifft hier auf würzige Kräuternoten – eine aromatische Signatur, die dem Blend Struktur und eine gewisse Exotik verleiht.
Kolumbien – Supremo-Qualität
Die kolumbianische Komponente bringt Klarheit ins Tassenbild. Gewachsen in höheren Andenlagen, sorgt sie für eine feine, dezente Säure, elegante Nussanklänge und einen Hauch von Kakao. Sie fungiert als aromatische Brücke zwischen Kraft und Finesse.
Brasilien – Cerrado Mineiro
Aus dem Cerrado stammt die geschmackliche Basis: weich, leicht süßlich und mit harmonischen Nussnoten. Diese Bohnen geben dem Espresso Fundament und Balance – sie erden die würzigen und floralen Elemente der anderen Komponenten.
Geschmacklich dominieren Kräuterwürze, geröstete Nüsse, eine leichte Erdigkeit und milde Milchschokolade.
Ametrino – Kraft in Reinform
Wer Espresso als Energiespender versteht, wird am Ametrino nicht vorbeikommen. Diese 100 % Robusta-Röstung bringt deutlich mehr Koffein in die Tasse als klassische Arabica-Mischungen – und präsentiert sich entsprechend selbstbewusst.
Mit einer Intensität von 5/5 liefert er ein kräftiges, dichtes Geschmacksbild. Dunkle Schokolade dominiert, begleitet von einer kernigen Struktur und beeindruckend stabiler Crema. Der Körper ist massiv, fast sirupartig – ein Espresso mit physischer Präsenz.
Herkunft: Uganda – Wakiso
Nahe des Viktoriasees gedeihen die Bohnen auf rund 1.250 Metern Höhe. Vulkanische Böden und konstante Niederschläge schaffen ideale Bedingungen für eine Robusta mit erstaunlicher Qualitätstiefe. Nach der Handernte und sorgfältiger Aufbereitung folgt eine langsame Trommelröstung zwischen American und City Roast – ausreichend, um Bitterkeit zu zähmen, ohne die Kraft zu verlieren.
Sensorik: Dunkle Schokolade, geröstete Mandeln, ein Hauch von Karamell.
Im Abgang lang und intensiv, mit einer feinen, überraschend angenehmen Süße.
Spannend wird es im Milchgetränk: Als Cappuccino oder Latte Macchiato bleibt der Ametrino präsent und durchsetzungsfähig – kein Verschwinden hinter Milchschaum, sondern aromatische Stabilität bis zum letzten Schluck. Ein Espresso für Puristen. Und für alle, die morgens keine Kompromisse machen.
Diaspro Rosso – Zwei Welten, ein Statement
Der Diaspro Rosso lebt vom Kontrast – und von dessen perfekter Balance. 50 % Arabica treffen auf 50 % Robusta. Das Ergebnis ist ein Espresso mit Tiefe, Struktur und bemerkenswerter Crema-Qualität.
Mit Intensität 4/5 positioniert er sich kraftvoll, aber nicht dominant. Geschmacklich entfalten sich Karamell, leichte Erdigkeit und würzige Nuancen, getragen von einem vollen, dichten Körper.
Brasilien – Cerrado Mineiro
Die Arabica-Bohnen aus Minas Gerais liefern Süße und Klarheit. Tropisches Klima, mineralreiche Böden und kontrollierte Anbaubedingungen sorgen für ein sauberes, nussig-klar strukturiertes Profil mit eleganter Balance.
Indien – Hochland Robusta
Aus südindischen Höhenlagen stammt die gewaschene Robusta-Komponente. Sie bringt Würze, Körper und eine bemerkenswert stabile Crema in den Blend. Die nasse Aufbereitung sorgt für mehr Klarheit und weniger rustikale Bitterkeit.
Geröstet wird im Bereich Full City bis Vienna Roast – dunkler als beim Spinello, mit entsprechend karamellisierten Zuckerstrukturen. Das verleiht dem Espresso Tiefe und eine satte Textur.
Mit Milch: sehr harmonisch, mit ausgeprägter Süße und stabiler Aromapräsenz. Ein Blend für Liebhaber klassischer italienischer Stilistik – jedoch mit moderner Rohkaffee-Qualität.
Topazio Imperiale – Entkoffeiniert mit Charakter
Entkoffeinierter Kaffee wird oft unterschätzt. Der Topazio Imperiale widerlegt jedes Vorurteil eindrucksvoll. Diese 100 % Arabica-Komposition aus Kolumbien beweist, dass auch ohne Koffein Tiefe, Struktur und aromatische Vielschichtigkeit möglich sind.
Dank des schonenden CO₂-Verfahrens bleiben ätherische Öle und Aromastoffe weitgehend erhalten. Das Ergebnis ist ein Espresso mit mittlerer Intensität (3/5), der würzige Kräuternoten, eine runde Textur und ein harmonisches Gesamtbild zeigt.
Die Bohnen stammen aus Direkthandel, werden sorgfältig selektiert und langsam im Trommelröster auf City Roast veredelt. Das sorgt für Eleganz statt Schwere – und für einen besonders klaren Tassencharakter.
Sensorik: Kräuterwürze, dezente Süße, feiner Körper.
Abgang: weich, ausgewogen, angenehm lang.
Im Siebträger zeigt er saubere Extraktion mit stabiler Crema. Im Vollautomaten überzeugt er als Espresso ebenso wie als Caffè Crema oder Cappuccino. Ein Kaffee für alle, die abends genießen möchten – oder bewusst auf Koffein verzichten, aber nicht auf Qualität.
Fazit: Die von uns getesteten Sorten konnten uns auf hohem Niveau überzeugen. In Sachen Nachhaltigkeit und Fairness könnte es noch mehr Informationen geben. So bleibt beispielsweise offen, wie die Bauern vor Ort unterstützt werden, welche sozialen Projekte auf den Farmen angestoßen und intensiviert werden oder welche Beträge bei den Kaffeefarmern ankommen etc. Die Qualität des Kaffees ist auf hohem Niveau und in puncto Transparenz überzeugt uns „Tarzzani“ ebenfalls weitgehend. Insgesamt können wir euch eine Kaufempfehlung geben.
Zusammensetzung der Gesamtbewertung:
Qualität: 9 von 10 Punkten
Fairness und Nachhaltigkeit: 9 von 10 Punkten
Geschmack: 8,5 von 10 Punkten
Transparenz: 9 von 10 Punkten
Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei der Kaffeerösterei „Tarzzani“ für die zur Verfügung gestellten Testexemplare.
D. Stappen, M. Heiland
