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| Marc Heiland | Kaffeewelten

EurekaCostanzaRDie „Eureka Constanza R“ markiert einen bemerkenswerten Schritt eines Herstellers, der bislang vor allem für seine präzisen Kaffeemühlen bekannt war. Mit dieser Maschine, sowie dem Schwestermodelle „Costanza“ und den etwas darunter angesiedelten Maschinen „Pura R“ und „Pura“, wagt sich Eureka bewusst in ein Segment vor, das von etablierten Größen wie Rocket Espresso, LaMarzocco oder Sage Appliances geprägt ist. Dabei verfolgt das Unternehmen eine klare Strategie: ein perfekt aufeinander abgestimmtes System aus Mühle und Espressomaschine zu schaffen. Doch jenseits dieses Systemgedankens stellt sich die entscheidende Frage, ob die Constanza R auch für sich genommen überzeugen kann.

Unsere erste Begegnung

Schon beim ersten Eindruck wird deutlich, dass Eureka hier keinen halbherzigen Einstieg gewählt hat. Die Maschine wirkt kompakt, fast schon ungewöhnlich klein für ein Modell mit klassischer E61 Brühgruppe, und gleichzeitig ausgesprochen hochwertig verarbeitet. Die massiven Stahlseiten, die schweren Siebträger und die ebenso solide Tropfschale vermitteln ein klares Premiumgefühl. Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit, die Seitenpaneele farblich zu tauschen. Dieses Detail ist nicht nur ein optisches Gimmick, sondern unterstreicht den modularen Ansatz, den Eureka mit seiner neuen Produktlinie verfolgt. Die Maschine fügt sich damit nahtlos in bestehende Setups ein, insbesondere in Kombination mit den hauseigenen Mühlen. Neben dem Standardmodell in Edelstahl können die Seitenteile der „Costanza R“ in in Mattschwarz, Weiß, Ferrari Rot, Nussbaum, Olivenholz und natürliche Eiche bestellt werden.

Trotz dieser hochwertigen Anmutung zeigt sich bei der Bedienung ein kleiner Bruch zwischen klassischer Bauweise und modernen Erwartungen. Die Drehventile für Dampf und Heißwasser sind zwar präzise und wertig, wirken im direkten Vergleich mit klassischen Rädern oder Hebellösungen weniger intuitiv und auch ein wenig klapprig. Gerade im Alltag, wenn es schnell gehen muss, wäre hier eine modernere Lösung wünschenswert gewesen.

Technisch setzt die Constanza R auf ein bewährtes Konzept: eine Wärmetauschermaschine mit 1,5-Liter-Kessel, kombiniert mit einer Rotationspumpe. Letztere gehört zweifellos zu den größten Stärken des Geräts. Im Betrieb arbeitet sie so leise, dass das Geräusch des extrahierenden Espressos oft präsenter ist als das der Pumpe selbst. Diese Laufruhe hebt die Maschine deutlich von vielen Konkurrenzmodellen mit Vibrationspumpe ab und sorgt für ein insgesamt sehr angenehmes Nutzungserlebnis.

Eine interessante Modernisierung stellt der integrierte PID-Regler dar, der in dieser Form bei Wärmetauschermaschinen noch nicht flächendeckend etabliert ist. Über drei Temperaturstufen lässt sich die Maschine an unterschiedliche Röstprofile anpassen. Dennoch sollte man die Erwartungen realistisch halten: Auch mit PID bleibt das System physikalisch ein Wärmetauscher. Die Temperaturkontrolle erfolgt indirekt und erreicht nicht die Präzision eines Dualboilers. Der Zugewinn an Stabilität ist spürbar, aber nicht EurekaCostanzaRBild2revolutionär. Wenngleich Eureka bei der Aufheizzeit von 10-15min. spricht, mussten wir im Test feststellen, dass es schon eher 20min. sind, was ok ist, mit modernen Systemen wie Dickfilmheizern aber natürlich nicht im Ansatz mithalten kann. Dafür ist die Temperatur recht stabil, wodurch sich die „Costanza R“ (nicht zuletzt durch ihren 2 Liter fassenden Wassertank) auch für größere Feiern oder kleinen Büros eignet. Ein gutes Feature sind die Präinfusion sowie der Shottimer.

Im praktischen Einsatz überzeugt die Constanza R vor allem durch ihre konstante und leise Espressoextraktion. Die klassische Mechanik der E61-Brühgruppe liefert verlässliche Ergebnisse, ohne jedoch moderne Features wie eine integrierte Flow-Control anzubieten. Hier bleibt die Maschine bewusst traditionell, was Puristen gefallen dürfte, experimentierfreudige Nutzer aber möglicherweise einschränkt.

Eine der größten Überraschungen zeigt sich bei der Dampfleistung. Diese ist nicht nur gut, sondern recht stark für eine Maschine im Heimbereich. Milch lässt sich in wenigen Sekunden aufschäumen, wobei ein trockener, fein strukturierter Dampf entsteht, der exzellente Mikrotextur ermöglicht. Gleichzeitig bringt genau diese Stärke auch eine Herausforderung mit sich: Anfänger könnten von der Geschwindigkeit überfordert sein, da kaum Zeit bleibt, die richtige Technik zu korrigieren.

In puncto Ausstattung bietet die Constanza R einige durchdachte Features, die den Alltag erleichtern. Das LCD-Display mit Shot-Timer, die programmierbare Ein- und Ausschaltfunktion mit Wochenplan sowie der Standby-Modus zeigen, dass Eureka moderne Nutzergewohnheiten verstanden hat. Besonders der Standby-Modus ist sinnvoll umgesetzt, da er den Kesseldruck reduziert, ohne die Maschine vollständig herunterzufahren. So bleibt sie schneller einsatzbereit und spart dennoch Energie. Ebenfalls schön ist, dass die Maschine für den Boiler und Druck ein Manometer mitbringt.

Der Systemgedanke, den Eureka verfolgt, zeigt sich besonders deutlich in der Kombination mit Mühlen wie der Eureka Mignon Libra. Optisch und funktional entsteht hier ein stimmiges Gesamtbild, das vor allem designorientierte Nutzer anspricht. Gleichzeitig bedeutet dieser Ansatz aber auch, dass die Maschine weniger als offene Plattform für individuelle Setups gedacht ist, sondern stärker auf ein harmonisches Gesamtsystem abzielt.

Fazit: Unterm Strich ist die Constanza R eine bemerkenswert ausgereifte erste Espressomaschine eines Herstellers, der bislang aus einem anderen Segment kommt. Sie überzeugt durch ihre hervorragende Verarbeitung, ihre leise Arbeitsweise und ihre starke Dampfleistung, kombiniert mit sinnvollen modernen Features. Eine Schwäche bringt die Zweikreisermaschine von Haus mit: Eureka setzt hier auf eine eigentlich veraltete Technik mit dem E61 Wärmetauschersystem anstatt auf modernere und stromsparendere Technik, wie sie mittlerweile in vielen Maschinen verbaut wird.

Damit richtet sich die Maschine vor allem an Nutzer, die ein stilistisch abgestimmtes, hochwertiges Setup suchen und die klassische E61-Technik schätzen, ohne auf gewisse Komfortfunktionen verzichten zu wollen. Wer hingegen maximale Kontrolle, kürzere Aufheizzeiten oder die Präzision eines Dualboilers erwartet, wird sich möglicherweise anderweitig umsehen. Ebenfalls ein wenig enttäuschend ist, wie sparsam man bei Eureka in Sachen beigelegtem Zubehör umgeht. Statt eines hochwertigen Edelstahltampers gibt 8es einen Plastiktamper. Auf ein Milchkännchen, eine Tampingstation, einen Leveler etc. muss man trotz des hohen Anschaffungspreises von um die 2000 Euro verzichten.

Die „Constanza R“ ist damit keine Revolution, aber ein ernstzunehmender und in vielen Bereichen überzeugender Einstieg von Eureka in die Welt der Espressomaschinen – mit einem klar erkennbaren Profil und ebenso klar definierten Kompromissen.

Wir bedanken uns bei der Firma Eureka für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.

D. Stappen, M. Heiland

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