Zum Hauptinhalt springen
| Marc Heiland | Kaffeewelten

StoneEspressoBild1normalWer sich mit Siebträgermaschinen beschäftigt, der kommt um den Namen „Rocket Espresso“ nicht herum. Das italienische Unternehmen ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Kaffee-Szene und bietet vom Einsteiger mit der Rocket Appartamento über die Rocket Mozzafiato bis hin zur Rocket R Nine One für jeden Home-Barista genau das Richtige. Unter dem Namen „Stone Espresso“ hat Rocket eine Submarke erschaffen, die sich in erster Linie an Einsteiger und diejenigen richtet, die ihre Fähigkeiten verbessern, sich aber nicht mit extrem hochpreisigen Maschinen auseinandersetzen möchten. Neben der „Stone“ gibt es auch die leicht abgespeckte „Stone Espresso Lite“, die wir für euch testen konnten. Unsere Erfahrungen möchten wir im Folgenden mit euch teilen.

 

Unsere ersten Eindrücke mit der „Stone Lite“

Die erste Begegnung mit der Stone Light von Stone Espresso fühlt sich ein wenig so an, als würde man ein Designobjekt aus einer modernen Architekturzeitschrift auspacken – nur dass es hier nicht beim Anschauen bleibt. Man erkennt ganz klar, dass die „Stone Lite“ anders ist, als die Maschinen von „Rocke Espresso“-Marke. Denn bereits optisch erkennt man, dass sie zugänglicher, kompakter und auch stilistisch mutiger ist. Das Gehäuse wirkt wie aus einem Guss. In der „normalen“ Version der „Stone“ gibt es noch zusätzlich als optisches Update individuell gestaltbare Seitenpaneelen, die magnetisch befestigt sind und sich ohne Werkzeug austauschen lassen. Ob minimalistisches Schwarz, strukturierte Steinoptik oder warme Holzlamellen – hier wird Personalisierung nicht nur versprochen, sondern tatsächlich gelebt. Diese Flexibilität hebt die Stone deutlich von vielen klassischen Siebträgern ab, die sich designtechnisch oft im immer gleichen Edelstahl-Look bewegen. Aber auch bei der „Lite“-Version hat man sich für einen optisch ansprechenden Look entschieden, nur eben ohne die Seitenpaneelen.

Mit einer Breite von knapp über 22 Zentimetern gehört sie zu den kompaktesten Zweikreiser-Maschinen auf dem Markt. In kleinen Küchen – und davon gibt es nicht wenige – ist das ein echtes Argument. Trotz der reduzierten Stellfläche bringt die Maschine ein beachtliches Gewicht auf die Waage, was ihr eine angenehme Standfestigkeit verleiht. Beim Einspannen des Siebträgers verrutscht nichts, alles wirkt stabil und durchdacht. Allerdings zeigt sich bereits hier ein erstes Spannungsfeld: Außen überzeugt die Verarbeitung, im Detail offenbaren sich kleinere Schwächen.

Ein Beispiel dafür ist die Tropfschale. Sie wirkt auf den ersten Blick großzügig dimensioniert, entpuppt sich im Alltag jedoch als überraschend klein. Wer mehrere Bezüge hintereinander zubereitet, muss sie regelmäßig leeren, um ein Überlaufen zu vermeiden. Das ist kein dramatischer Makel, aber im täglichen Gebrauch spürbar. Schön ist, dass hier ein kleiner Schwimmer eingebaut wurde, um euch als Nutzer zu zeigen, wann die Tropfschale geleert werden muss. Ähnlich verhält es sich mit einzelnen Kunststoffelementen, insbesondere bei Bedienelementen wie dem Brühregler oder dem Dampfventil. Diese stehen in einem gewissen Kontrast zur ansonsten hochwertigen Materialanmutung. Was uns im Test störte, ist die Tatsache, dass sich die Dampfdüse und der entsprechende Regler im Wege stehen und so die Dampflanze nicht ganz frei nutzbar ist. Was uns hingegen gefällt ist, dass hier weder auf klassische Kippventile bzw. Schalter oder Drehräder gesetzt wird. Stattdessen wird der Regler, der sich oberhalb der hauseigenen Brühgruppe befindet, gedreht, sodass er mit der Spitze zu euch zeigt, wenn das Ventil geöffnet ist. Das sieht schick aus und ist mal was anderes. In der Praxis dauert es jedoch ein wenig länger als bei den klassischen Bedienelementen wie Kippschalter, sodass ihr früh genug während der Extraktion den Regler drehen müsst, um nicht über die Zeit zu kommen. Der Wassertank ist nach oben hin herausnehmbar. Allerdings ist auch dieser aus Kunststoff und kann über zwei querliegende Stäbe herausgenommen werden. Zwar ist dies nicht die allerbeste Lösung, aber für den Preis können wir damit durchaus leben.

StoneEspressoBild2normalEigene Wege gehen

Auch technisch geht die Stone Espresso Lite eigene Wege. Statt der klassischen E61-Brühgruppe kommt eine eigens entwickelte, elektrisch beheizte Brühgruppe zum Einsatz. Diese Konstruktion bringt einen entscheidenden Vorteil mit sich: Die Maschine ist deutlich schneller einsatzbereit. In der Praxis liegt die Aufheizzeit bei etwa fünfzehn Minuten – ein Wert, von dem viele traditionelle Zweikreiser nur träumen können. Gerade im Alltag macht das einen erheblichen Unterschied, wenn der Espresso nicht erst nach einer Viertelstunde Wartezeit verfügbar sein soll. Nach 15 Minuten ist der erste Bezug gut zu trinken. Wir empfehlen euch, vor dem Bezug einmal kurz zu flushen, und nach 17-18 Minuten passt dann alles.

Im Betrieb zeigt sich, dass die Maschine auf den Heimgebrauch optimiert wurde. Die Temperaturstabilität ist im typischen Nutzungsszenario – also ein bis wenige Espressi hintereinander – absolut überzeugend. Die Extraktion gelingt reproduzierbar, die Crema ist dicht und stabil, und geschmacklich liefert die Stone Lite genau das, was man sich von einer Maschine dieser Klasse erhofft: volle, balancierte Shots mit sauberer Struktur. Besonders klassische, etwas dunkler geröstete Espressomischungen harmonieren hervorragend mit dem Charakter der Maschine.

Wollt ihr allerdings für eine größere Feierlichkeit oder sogar auf einem Fest Espresso und Milchgetränke servieren, ist die „Lite“ nicht unbedingt die erste Wahl, da die Temperatur hier nicht konstant genug gehalten werden kann, da sie dann zu stark steigt und auch mit einem Flush nicht dauerhaft im optimalen Bereich eingepegelt werden kann.

Beim Milchaufschäumen zeigt sich der typische Charakter eines Zweikreisers. Die gleichzeitige Zubereitung von Espresso und Milchschaum ist problemlos möglich – ein klarer Vorteil gegenüber Einkreisern oder Thermoblock-Maschinen. Die Dampflanze liefert ausreichend Druck, um cremigen, feinporigen Milchschaum zu erzeugen, benötigt dafür aber etwas Zeit (!) und Übung. Wer Latte Art beherrscht oder erlernen möchte, findet hier ein solides Werkzeug, auch wenn die Power nicht ganz an größere Maschinen heranreicht. Besonders bei größeren Milchmengen fällt auf, dass der Dampfdruck leicht nachlässt. Gerade Anfänger profitieren von dem nicht übertrieben starken Dampf.

Fazit: Im Alltag hat uns die  „Stone Lite“ vor allem durch ihre Zugänglichkeit überzeugt. Sie richtet sich nicht ausschließlich an erfahrene Baristas, sondern auch an ambitionierte Einsteiger. Der Einstieg gelingt vergleichsweise schnell, da die Maschine keine komplexen Menüs oder versteckten Parameter mitbringt. Gleichzeitig verzichtet sie bewusst auf Features wie PID-Steuerung oder volumetrische Programmierung. Das kann man als Einschränkung sehen – oder als bewusste Rückbesinnung auf das Wesentliche. Wir empfehlen bei allen Bezügen daher den Einsatz einer Waage.

Auch beim Energieverbrauch zeigt sich das typische Verhalten eines Zweikreisers. Der relativ große Boiler muss konstant auf Temperatur gehalten werden, was sich im Strombedarf bemerkbar macht. Im Vergleich zu modernen Thermoblock-Systemen ist die Maschine weniger effizient, bewegt sich aber im üblichen Rahmen dieser Bauart.

Unterm Strich ist die Stone Lite eine Maschine mit klarer Identität. Sie kombiniert ein eigenständiges Design mit durchdachter Technik und richtet sich gezielt an Nutzer, die Wert auf 8Kompaktheit, Stil und solide Espressoqualität legen. Perfekt ist sie nicht: Die kleine Tropfschale, die Kunststoff-Bedienelemente und kleinere ergonomische Schwächen verhindern den ganz großen Wurf. Doch im Gesamtbild ergibt sich eine stimmige, charakterstarke Espressomaschine, die sich bewusst von der Masse abhebt.

Wer eine klassische E61-Maschine mit maximaler Kontrolle sucht, wird hier vielleicht nicht vollständig glücklich. Wer jedoch eine kompakte, optisch außergewöhnliche und im Alltag überzeugende Siebträgermaschine sucht, findet in der Stone Lite eine bemerkenswert eigenständige Alternative zu den zahlreichen Maschinen auf dem Markt, zumal sie für knapp 900 Euro ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis darstellt.

Wir bedanken uns bei Stone Espresso / Rocket Espresso für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.

D. Stappen

Impressum - Datenschutz

Copyright 2016 © Inn-Joy.de All Rights Reserved. 

Joomla! © name is used under a limited license from Open Source Matters in the United States and other countries.