Espresso mit "Geling-Garantie"? Die "nunc" im Test
Die Welt der Siebträgermaschinen ist für Neueinsteiger oftmals ein Rätsel voller Hürden. Welches ist die richtige Siebträgermaschine für mich? Welche Mühle sollte ich mir kaufen? Und wie viel muss ich eigentlich investieren, um „guten“ Espresso zu machen? Wenn diese beiden Fragen geklärt sind, gilt es, die Maschine und die Mühle bedienen und verstehen zu können. Wie lange benötigt die Maschine, bis sie heiß ist? Wie stelle ich die Mühle so ein, dass der Bezug nicht zu lange dauert, aber auch nicht zu schnell durchläuft? Und was bedeutet das alles überhaupt? Fragen über Fragen.
Vielleicht kennt ihr das und habt es euch auch irgendwie einfacher vorgestellt. Denn bis es soweit ist, dass es so ausschaut, wie im Café um die Ecke oder in den zahleichen YouTube-Videos kann es gerade für Anfänger nicht nur recht lange dauern, sondern unter Umständen auch frustrierend sein, wenn der Espresso nicht schmeckt. Von Latte Art wollen wir da gar nicht erst sprechen. Was hilft? Ein Kurs bei einem Barista, der natürlich ebenfalls mit Kosten und Zeit verbunden ist und möglicherweise trotzdem zuhause nicht zum gewünschten Erfolg führt, da die Maschine vor Ort nicht dem entspricht, was zuhause steht. Schnell wandelt sich die zunächst gespürte Vorfreude vielleicht schnell in Frust um und die Maschine steht schon wieder im Laden zum Verkauf oder bei Kleinanzeigen.
Dem vorbeugen möchte die „nunc“-Siebträgermaschine“, die euch Schritt für Schritt an die Hand nimmt und euch das bieten will, was selbst Profis mit jahrelanger Erfahrung nicht immer gelingt: Mahlgrad, Extraktion, Temperatur und Druck so anpassen, dass der Espresso immer so gut schmeckt, wie im Café vom Profi zubereitet - ohne tiefes Fachwissen zu besitzen und ohne den üblichen Trial-and-Error-Prozess, den man allein schon beim Einstellen neuer Bohnen zwangsweise durchläuft. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Das haben wir auch gedacht, als wir 2025 auf dem Frankfurt Coffee Festival mit der „nunc“ zum ersten Mal in Kontakt kamen. Doch nun durften wir endlich selbst Hand an die Mühle und Maschine legen und klären im Folgenden, was das System „nunc“ kann, wo die Stärken liegen, was aber auch verbesserungswürdig erscheint und wo die Grenzen auszumachen sind – und natürlich auch, ob und für wen sich die Investition von rund 2600 Euro lohnt.
Zwei Geräte – eine Sprache
Im Kern basiert dieses Versprechen auf einem vollständig integrierten Systemansatz. Anders als bei klassischen Setups, bei denen Mühle, Maschine und Bohne unabhängig voneinander betrachtet und manuell aufeinander abgestimmt werden müssen, versteht sich die „nunc“ als geschlossenes Ökosystem. Bohnen, Mühle und Maschine „kommunizieren“ miteinander, analysieren Parameter und treffen automatisiert Entscheidungen. Jede Bohne wird erkannt, jede Variable berechnet, jeder Shot reproduzierbar gemacht. Die Idee dahinter ist ebenso simpel wie radikal: Ihr sollt euch nicht mehr mit der Komplexität beschäftigen müssen – das System übernimmt die Kontrolle über den gesamten Prozess.
Dieser Ansatz beginnt bereits bei den Bohnen. Im hauseigenen Ökosystem sind die zu 100% aus Pappe hergestellten Bohnenbehälter mit sogenannten NFC-Tags ausgestattet, wodurch die Maschine erkennt, welche Sorte verwendet wird, wann sie geröstet wurde und unter welchen Bedingungen sie verarbeitet werden sollte. Insgesamt bietet „nunc“ aktuell (Stand April 2026) - inklusive eines Decaf – sechs verschiedene Sorten mit so geheimnisvollen Namen wie „Glowing Beach“ und „Calm“ an. Die Bohnenbehälter fassen immer 120g, was für einen größeren Haushalt bzw. mehrere Espresso-Fans sehr wenig ist. Das ist auch ein Kritikpunkt, den man „nunc“ berechtigterweise vorhalten kann. 250g-Boxen wären durchaus nutzerfreundlicher. Denn wenn man überlegt, dass eine 120g-Box zwischen 4,10 Euro und 6,90 Euro kostet, ist der Kaffee – im Vergleich mit Tüten vom Röster eures Vertrauens – nicht gerade eine preiswerte Alternative.
Doch wie funktioniert das Ganze nun eigentlich?
Wie bereits erwähnt, sind in den Boxen NFC-Tags verbaut. Aus den Informationen errechnet ein Algorithmus das optimale Rezept. Mahlgrad, Dosis, Temperatur und Druckprofil werden automatisch angepasst. Angeblich sollen auch Einflüsse wie die Raumluftfeuchtigkeit mit gemessen werden. Hier sind wir aufgrund des Setups aber etwas skeptisch.
Die Bohnenschachtel wird nach dem Öffnen in den „Smart Hopper“ eingesetzt und verschlossen. Dann erscheint auf dem Display der Name des Espresso und ihr werdet aufgefordert, den Siebträger in die Mühle einzusetzen. Dies geschieht, indem ihr ihn in eine Vorrichtung setzt und den Siebträger dann nach vorne schiebt. Um zu vermeiden, dass das Kaffeemehl überall landet, nur nicht im Siebträger, liegt im Lieferumfang ein Dosierring mit dabei.
Sobald der Siebträger erkannt wurde, werden die Bohnen exakt abgewogen und so dosiert, wie es einem der jeweiligen Röstung / Bohne passenden Rezept entspricht. In den meisten Fällen lag während unserer Tests die Menge an ausgegebenem Kaffeemehl bei 19g bis 19,6g. Klassische 18g waren da eher selten. Nach dem Mahlvorgang dauert es noch einige Sekunden, bis es weitergeht, da die Mühle nahezu komplett leer gemahlen wird. Zum konstanten Totraum, also dem, was permanent in der Mühle zurückbleibt, können wir nichts sagen, da der Hersteller es nicht im Konzept angedacht hat, dass der Nutzer die Mühle komplett aufschraubt. Insofern müssen wir dem Hersteller Glauben schenken, dass hier ein temporärer Totraum von um die 0,3g vorliegt. Generell versucht „nunc“ den Totraum auch dadurch zu minimalisieren, dass die Schrauben, mit denen die 63er-Edelstahlmahlscheiben befestigt sind, von hinten angesetzt wurden.
So ist es dem System möglich, sich sofort auf neue Bohnen einstellen zu können. Denn wer es schon mal probiert hat, mit einem klassischen Setup seine Bohnen zu wechseln, der weiß, dass es mindestens 2-3 Bezüge benötigt, bis alles so eingerichtet ist, dass die neue Sorte gut läuft. Bei „nunc“ ist es anders: Ihr nehmt den Smart Hopper ab, setzt eine andere Sorte ein und dank der „Geling-Garantie“ habt ihr gleich im nächsten Bezug einen ebenso perfekten Espresso in der Tasse. Wie gut das klappt, dazu später mehr. Generell lässt sich aber sagen, dass die Mühle – aufgrund des Abwiegens und Leermahlens – länger benötigt, als eine klassische Mühle.
Auch in puncto Design und Verarbeitung unterstreicht die Maschine ihren Premium-Anspruch. Das Gehäuse besteht nahezu vollständig aus massivem Metall, das nicht nur robust wirkt, sondern auch im Alltag praktisch ist – Spritzer perlen ab, die Reinigung fällt leicht. Der transparente Wassertank mit seiner aufwendigen Riffelstruktur zeigt, wie viel Aufmerksamkeit selbst in Details geflossen ist. Die Formsprache ist minimalistisch und modern, mit einem runden Touchdisplay als zentrale Steuerungseinheit und lediglich zwei Knöpfen, dem sogenannten „Ritual Button“, mit dem ihr den Bezug von Espresso bzw. Americano oder von Heißwasser bestätigt und einem Button für den Milchschaum. Ergänzt wird das Ganze durch hochwertige Materialien wie Eichenholz am Siebträgergriff, die dem technisch geprägten Gesamtbild eine warme Note verleihen. Mühle und Maschine sind optisch perfekt aufeinander abgestimmt und wirken wie ein zusammengehöriges System, auch wenn sie physisch voneinander getrennt sind.
Die Maschine selbst punktet mit einer schnellen Aufheizzeit von etwa 90 Sekunden. Möglich machen das zwei Dickfilmheizer, die nur dann heizen, wenn ihr sie benötigt. Dies kennen wir aus anderen Maschinen, die ebenso schnell arbeiten, aber nur einen Dickfilmheizer nutzen. Das Doppelgespann ermöglicht es, mit ebenso kurzer Vorwärmzeit den Milchschaum nutzen zu können.
Was wir schade finden ist, dass die Brühgruppe nach dem Einschalten der Maschine nicht sofort aufheizt und richtig heiß wird. Immerhin geht man hier den Weg, direkt vor dem Brühvorgang ganz kurz zu heizen. Erst nach einigen Bezügen wird die Brühgruppe allerdings so richtig heiß. Trotzdem hat das Ganze keinen allzu großen Einfluss auf den Geschmack des Espressos.
Zu kritisieren ist in unseren Augen jedoch die sehr kleine Abtropfschale. Bereits nach drei Bezügen und entsprechendem Milchbezug (der automatisch inklusive anschließender automatischer Reinigung der Lanze) ist die kleine Schale nahezu komplett voll und muss vorsichtig zum Ausleeren getragen werden. Dadurch, dass die Maschine sehr kompakt gebaut ist, hat man sich für diese kleine Abtropfschale entschieden. Aus hygienischen Gründen solltet ihr zwar immer die Abtropfschale nach einem Tag ausleeren. Doch gerade bei mehreren Personen im Haushalt oder Gästen ist das schon etwas nervig. Während unserer Tests ist es einige Male vorgekommen, dass das Wasser beim Transport in die Küche übergeschwappt ist. Dies hängt auch damit zusammen, dass man die Abtropfschale nur mit ein wenig Ziehen aus der Vorrichtung bekommt, was schon zu leichten Erschütterungen führen kann. Hier wäre es besser gewesen, dass man nicht nur den inneren Teil der Abtropfschalte hätte herausnehmen können, sondern das gesamte Fach. Wer sich für die „nunc“ einen Festwasseranschluss wünscht, wird enttäuscht. Andererseits ist der Wassertank der Maschine mit rund drei Litern mehr als ausreichend. Positiv zu erwähnen ist, dass ihr einen Wasserfilter einsetzen könnt.
Geschäumte Milch – ein Highlight
Wie bereits gesagt kann die „nunc“ die Milch automatisch aufschäumen. Dazu stellt ihr zunächst ein, ob ihr normale Kuhmilch, Sojamilch, Hafermilch oder andere Milchalternativen nutzt, legt die Temperatur fest sowie den prozentualen Anteil an Milchschaum. So könnt ihr von einem leichten Schaum, der eher für Cappuccino gedacht ist, bis zu festerem Schaum für Latte Macchiato alles problemlos beziehen. Das Besondere: der eingebaute Temperatursensor überwacht den Aufschäumprozess und dank der Zugabe von Luft imitiert die Maschine perfekt die Zieh- und Rollphase, die ihr für guten Milchschaum und Latte Art benötigt. Nach dem Bezug wird die Dampflanze einfach in ihre ursprüngliche Stellung zurückgekippt. Durch dieses Kippen erkennt die Maschine, dass der Vorgang abgeschlossen ist und beginnt mit der automatischen Reinigung, in dem die Milchlanze durchgepustet wird. Die automatische Reinigung sorgt für Komfort im Alltag.
Ein einfacher Workflow – solange alles funktioniert
Wie bereits erwähnt zeigt sich der Unterschied zu klassischen Siebträgermaschinen im Workflow. Die „nunc“ führt euch Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess. Der Siebträger wird entnommen, in die Mühle eingesetzt, der Mahlvorgang startet automatisch, anschließend wird direkt in der Auflage des Siebträgers in der Mühle getampt, bevor der Bezug gestartet wird. Auch hier denkt „nunc“ mit. Sobald ihr ein „Klick“ hört, wisst ihr, dass ihr mit dem Tamping-Vorgang fertig seid. Auf dem Display wird jeder Schritt visualisiert – von der Preinfusion bis zur fertigen Extraktion, sodass ihr auch ohne Vorwissen einen tollen und vor allem leckeren Espresso zaubern könnt.
Doch bei all den geführten Abläufen, die Fehler nahezu ausschließen, gibt es natürlich auch einige Probleme, die so ein System mit sich bringt: Ihr könnt von euch aus kaum manuell eingreifen. Weder ist es möglich, den Mahlgrad frei festzulegen, noch kann die Länge des Bezugs korrigiert werden.
Nun mag sich der / die eine oder andere unter euch denken: Das ist doch der Sinn eines Systems, das uns als Nutzer die Arbeit vereinfachen und abnehmen soll. Im Prinzip ist das richtig. Doch ab und an sind die Pucks recht feucht, was zeigt, dass der Mahlgrad nicht stimmt und die Extraktion lief ab und an etwas kürzer. Nachgemessen mit der Waage hatten wir bei einigen Extraktionen bei 19g Kaffeepulver eine Extraktionszeit von 23 Sekunden, was recht kurz ist. In einem anderen Fall wurde 40 Sekunden extrahiert. Zwar sind Extraktionszeiten bei hellen und dunklen Röstungen unterschiedlich. Doch man schmeckte in besagten Fällen die Unter- bzw. Überextraktion.
Einstellbar sind per Hand auch lediglich auf der Maschine, ob ihr über ein Durchflussprofil oder ein 9bar-Standardprofil gehen wollt. Alternativen in einer Art „Profi-Modus“ sind aktuell (Stand April 2026) noch nicht möglich. Dies soll sich allerdings ändern, laut „nunc“.
Anfangs passierte es auch, dass zu viel Mehl extrahiert wurde. Dies hat sich allerdings nach einem Softwareupdate auf unserer Maschine verbessert. Zweimal kam es vor, dass der Vorgang des Milchschäumens abbrach und erst ein kompletter Neustart des Aufschäumens sorgte dann wieder für korrekte Ergebnisse. Immerhin: Die Temperatur der Milch stimmt in allen Fällen auf‘s Grad genau!
Wenn die Mühle feststellt, dass zu wenige Bohnen im Behälter sind oder dass sich Bohnen verhaken, meldet sie dies. Aber auch hier lief nicht alles rund. Denn anstatt vor dem Bezug sich zu melden, wurde erst während des Mahlvorgangs gemeldet, dass Bohnen fehlen. Wenn dann der Behälter leer ist, hat man Pech. Auch beim Wasser verhält es sich ähnlich: Habt ihr nicht genug Wasser, bricht die Maschine den Brühvorgang ab und ihr könnt den Kaffeepuck wegwerfen, anstatt dass ihr vorher hingewiesen werdet. Dies sollte allerdings per Software-Update gelöst werden können. Dass diese spontanen Eingriffe, wie sie bei klassischen Maschinen üblich sind, nur sehr begrenzt möglich sind, ist also Fluch und Segen zugleich.
„Anybeans“ – der Röster in deiner Hand
Nun mögt ihr euch fragen: Was mache ich eigentlich, wenn mir die Sorten von „nunc“ nicht zusagen oder ich einfach spontan etwas anderes ausprobieren möchte? Hier hat „nunc“ seit dem 08. April mit „anybeans“ etwas gemacht, dass von den Fans gewünscht wurde und mit dem sich das System öffnet. Denn nun ist es möglich, dass ihr jeden Espresso, den es auf dem Markt gibt, mit der „nunc“ nutzen könnt. Dafür hat „nunc“ ein seiner App einen weiteren Bereich eingefügt, der wie folgt funktioniert: Ihr fügt einen neuen Espresso hinzu, indem ihr die Vorder- und Rückseite der Bohnenverpackung fotografiert. Die Informationen werden dann von der Software der App verarbeitet und euch angezeigt. In einer Übersicht seht ihr dann, welche Bohnen in welchem Mischungsverhältnis vorliegen, ob es sich um eine eher dunkle oder helle Röstung handelt, welche Varietäten die Röstung beinhaltet und wie der Kaffee aufbereitet wurde. Auch das Röstdatum wird angezeigt sowie der aktuelle Tag als Tag, an dem ihr die Verpackung zum ersten Mal öffnet. All diese Angaben – insofern sie auf der Verpackung stehen – werden wurden bei uns in fast allen Versuchen mühelos erkannt. Leider sind noch nicht alle Herkunftsländer in der App zu finden. In diesem Fall gibt die Software „unbekannt“ an.
Im nächsten Schritt füllt ihr die Bohnen in eine der Pappboxen, die ihr bestellen könnt und verbindet via NFC-Chip des Smartphones bzw. Tag auf der Verpackung die Software mit Mühle und Maschine. In der Praxis dauerte es einige Male, bis die eigenen Bohnen mit dem Tag verbunden waren. Doch dann konnte das System miteinander kommunizieren.
Der Rest läuft wie bei den „nunc“-Bohnen ab. Ein „Kalibrierungsshot“ der eigenen Bohnen, den das System immer ziehen muss, schmeckte bereits überraschend gut. Zwischen diesem allerersten Bezug und weiteren Bezügen benötigt das System – laut „nunc“ in etwa 15min. bis alles ins Netzwerk übernommen und eingestellt bzw. mit anderen Röstungen zwecks Optimierung abgestimmt wurde. Nach einigen Zügen konnten wir feststellen, dass der Geschmack der Espressi, die durch die „nunc“ liefen, immer besser und die Pucks trockener wurden. Der Mahlgrad variierte in den meisten Fällen zwischen 19,6g und 19,0g. Hier werden – so „nunc“, diverse Werte zum Raumklima und Alter der Bohnen, mit in den Bezug eingeplant. Die einzelnen Bohnenprofile kommen klar zur Geltung, die Extraktionen verlaufen stabil und nachvollziehbar. Besonders bemerkenswert ist dabei die Reproduzierbarkeit. Und auch der Wechsel von einem eher floralen oder süßen Espresso hin zu einem klassisch-schokoladigen funktioniert ausgesprochen gut – wie auch natürlich bei den von „nunc“ kuratierten Bohnen. Es zeigt sich also, dass das System eine gewisse Einlernphase benötigt, dann aber durchgehend zuverlässig gute Ergebnisse abliefert.
Einen Haken bringt aber auch das neue „anybeans“ mit: Denn wenn ihr das volle Potenzial des „offenen“ Systems nutzen möchtet, das bedeutet die Analyse der eigenen Bohnen und das Generieren von Rezepten, geht dies künftig nur über ein Abo-Modell, das bis zu 8,90 Euro pro Monat kosten soll, wodurch „nunc“ an jedem Shot mitverdient. Klar: Hinter dem „neuronalen Netzwerk“, mit dem das System arbeitet und besser werden will, stecken eine Menge Aufwand und Kosten und das Team muss natürlich ebenfalls bezahlt werden. Doch Nutzer ein Abo aufzuzwingen (ähnlich wie beim Kauf der „nunc“-Bohnen), erinnert an den „Thermomix“ von „Vorwerk“ und seine Rezeptdatenbank. Die „Geling-Garantie“ gibt es natürlich auch nicht bei euren Bohnen, was allerdings klar ist.
Fazit: So innovativ das System „nunc“ auch ist, so klar zeigen sich auch seine Grenzen. Die größte Stärke – die Automatisierung – ist gleichzeitig die größte Schwäche. Sobald das System nicht optimal arbeitet, sind die Eingriffsmöglichkeiten begrenzt. Während ihr bei einer klassischen Maschine einfach den Mahlgrad anpasst, seid ihr hier auf die Lernfähigkeit der Software angewiesen. Hinzu kommt die starke Abhängigkeit von Software-Updates, die einerseits schnelle Verbesserungen ermöglichen, andererseits aber auch dazu führen, dass sich Funktionen und Verhalten kontinuierlich verändern können. Auch die Geschwindigkeit ist ein Faktor: Durch das präzise Abwiegen und Kalibrieren dauert die Zubereitung länger als bei vielen klassischen Setups, was insbesondere bei mehreren Getränken hintereinander auffällt. Und wenn die Software aussetzt, oder kein WLAN vorhanden ist (oder man kein Abo abschließen will) hat man als Nutzer dann „nur“ eine normale Siebträgermaschine vor sich, die einfach nicht dasselbe ist, wie als Gesamtpaket. Dessen solltet ihr euch vor dem Kauf bewusst sein.
Für 2699 Euro erhaltet ihr rein von der Hardware betrachtet jedoch eine sehr gute Gegenleistung für euer Geld, da eine sehr gute Mühle und Maschine ihren Preis haben. Ergänzt wird das Angebot durch eine 100-tägige Testphase, die das Risiko für Käufer deutlich reduziert.
Am Ende bleibt ein klares, wenn auch differenziertes Fazit: Die „nunc“ ist kein Ersatz für eine klassische Siebträgermaschine, sondern eine Alternative mit einem völlig anderen Ansatz. Sie richtet sich nicht an Enthusiasten, die jeden Parameter selbst kontrollieren wollen, sondern an Nutzer, die ohne großen Aufwand konstant guten Kaffee genießen möchten. In dieser Zielgruppe funktioniert das Konzept erstaunlich gut. Die Maschine bietet euch hochwertigen Espresso und macht ihn für Menschen zugänglich, die sich sonst nie mit der Komplexität klassischer Systeme
auseinandersetzen würden und so eher beim Vollautomaten oder Komplettmaschinen wie denen von Sage und Co. bleiben würden.
Wer bereit ist, Kontrolle gegen Komfort einzutauschen und sich auf ein softwaregetriebenes Ökosystem einzulassen, bekommt dafür eines der spannendsten Kaffeesysteme der letzten Jahre, das mit Sicherheit seine Community finden wird.
Wir werden mit Interesse und Neugierde den Weg der „nunc“ aktiv weiter verfolgen und halten euch auf dem Laufenden, was sich in den kommenden Monaten (und Jahren) bei „nunc“ tun wird.
Abschließend bedanken wir uns bei „nunc“ für das zur Verfügung gestellte Testmuster.
M. Heiland, D. Stappen
