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| Marc Heiland | Kaffeewelten

Ich sage es, wie ich es empfinde: Die Entscheidung des Crema Magazins, die Melitta Kaffeemanufaktur zum „Röster des Jahres“ zu machen, ist kein Ausrutscher mehr – es ist ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Und für viele in der Specialty-Coffee-Szene wirkt es wie ein Schlag ins Gesicht.

Denn was hier als „Auszeichnung“ verkauft wird, fühlt sich für mich wie eine völlige Entkopplung von der Realität der deutschen Rösterszene an. Während unzählige unabhängige Röstereien Tag für Tag mit handwerklichem Anspruch, sensorischer Präzision, Transparenz und echter Leidenschaft arbeiten, wird der bedeutendste Titel der Branche aus meiner Sicht an ein Konstrukt vergeben, das vor allem durch Größe, Reichweite und Markenmacht definiert ist.

Und genau da kippt etwas. Denn ein Fachmagazin sollte eigentlich eines tun: unterscheiden können zwischen industrieller Strahlkraft und handwerklicher Exzellenz. Es sollte die Szene schärfen, nicht verwässern. Es sollte die sichtbar machen, die Kaffee wirklich voranbringen – nicht die, die ohnehin schon maximale Sichtbarkeit haben.

Stattdessen entsteht bei mir der Eindruck, dass hier ein Preis vergeben wurde, der seinen eigenen Anspruch nicht mehr ernst nimmt. „Röster des Jahres“ klingt nach handwerklicher Spitze, nach kompromissloser Qualität, nach Innovationskraft im Kaffeehandwerk. Aber wenn dieser Titel dann genau dort landet, wo er landet, dann stellt sich zwangsläufig die Frage, ob diese Kriterien überhaupt noch eine Rolle gespielt haben – oder ob am Ende ganz andere Faktoren entscheidend waren, die mit Specialty Coffee nur noch am Rand zu tun haben.

Und ja: Das ist der Punkt, an dem ein Fachmedium seine Glaubwürdigkeit verspielt. Nicht leise, nicht schleichend – sondern mit einer Entscheidung, die in der Szene zwangsläufig Irritation, Kopfschütteln und Frust auslöst. Denn sie ignoriert genau die Betriebe, die die deutsche Kaffeekultur in den letzten Jahren überhaupt erst dorthin gebracht haben, wo sie heute steht.

Ich spreche Melitta nicht pauschal Qualität ab. Das wäre zu einfach und auch nicht der Punkt. Der Punkt ist: Was bedeutet ein solcher Preis überhaupt noch, wenn er offensichtlich nicht mehr klar an handwerkliche Spitzenleistung gebunden ist? Wenn Kriterien verschwimmen, wenn Maßstäbe unscharf werden und wenn am Ende eine Entscheidung steht, die sich für viele in der Szene nicht mehr nachvollziehbar erklären lässt?

Dann wird aus einer Auszeichnung ein Symbolproblem. Und genau das ist passiert.

Die deutsche Rösterszene besteht aus einer Vielzahl außergewöhnlicher Betriebe – kleine, unabhängige Röstereien, die mit enormem Risiko, viel Herzblut und echtem Qualitätsanspruch arbeiten. Menschen, die Kaffee nicht als Produkt von Marketingabteilungen verstehen, sondern als handwerkliches Kulturgut. Und genau diese Szene schaut auf solche Entscheidungen – und fühlt sich im besten Fall übersehen, im schlimmsten Fall entwertet.

Wenn ein Fachmagazin all das sieht und sich trotzdem für eine solche Wahl entscheidet, dann ist das kein neutrales Ergebnis mehr. Dann ist es ein Statement. Und ehrlich gesagt ein ziemlich schlechtes.

Für mich hat das Crema Magazin damit nicht nur einen fragwürdigen Preis vergeben. Es hat vor allem gezeigt, wie weit man sich von der eigenen Szene entfernen kann, wenn man die Bedeutung eines solchen Titels nicht mehr ernst genug nimmt.

Und das ist der eigentliche Schaden: Nicht ein einzelner Gewinner. Sondern der Verlust von Vertrauen in die Einordnung.

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