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| Marc Heiland | Kaffeewelten

GEMILAIGemilai gehört längst nicht mehr zu den unbekannten Namen im Bereich der erschwinglichen Siebträgermaschinen. Während viele Hersteller in dieser Preisklasse vor allem auf einfache Thermoblock-Technik und kompakte Bauformen setzen, verfolgt Gemilai mit der Owl-Serie einen anderen Ansatz: möglichst viele Merkmale höherpreisiger Espressomaschinen in ein bezahlbares Home-Barista-Gerät zu integrieren.

Mit der neuen Gemilai Owl G3006H nimmt der Hersteller nun eine Weiterentwicklung der ursprünglichen G3006 vor und adressiert genau die Punkte, an denen die erste Generation noch Verbesserungspotenzial hatte. Auf den ersten Blick bleibt die Maschine ihrer Linie treu: charakteristisches Design, 58-mm-Siebträger, PID-Steuerung, Druckanzeige und eine an eine E61-Brühgruppe erinnernde Optik.

Unter dem Edelstahlgehäuse hat sich jedoch einiges verändert. Der entscheidende Unterschied liegt im neuen Heizsystem: Die G3006H setzt auf einen Dual-Thermoblock-Aufbau und wird damit schneller in der Aufheizphase und energiesparender.

Die Frage ist deshalb nicht nur, ob die G3006H guten Espresso zubereiten kann – das konnte bereits die Vorgängerin –, sondern ob Gemilai damit den Schritt von einer interessanten Einsteiger-Maschine hin zu einem ernsthaften Werkzeug für anspruchsvollere Home-Baristas geschafft hat.

Design: Eine Espressomaschine mit eigenständigem Charakter

Die Gemilai Owl G3006H fällt auf. Während viele Espressomaschinen bewusst klassische Formen kopieren, verfolgt Gemilai einen eigenen Stil. Die markante Front mit der zentral positionierten Brühgruppe, dem runden Display und dem seitlich angeordneten Manometer erinnert tatsächlich ein wenig an ein Gesicht. Der Name „Owl“ – also Eule – kommt daher nicht von ungefähr.

Ob dieses Design gefällt, ist sicherlich Geschmackssache. Die Maschine wirkt weniger elegant-traditionell als beispielsweise eine klassische E61-Maschine aus Italien, besitzt aber einen hohen Wiedererkennungswert. Gerade in einer modernen Küche oder einem Coffee-Corner-Setup hebt sie sich deutlich von vielen gleichförmigen Geräten ab.

Das Gehäuse besteht überwiegend aus Edelstahl und vermittelt einen überraschend hochwertigen Eindruck für diese Preisklasse. Die Verarbeitung wirkt solide, die Bedienelemente besitzen eine angenehme Haptik und die Maschine macht insgesamt weniger den Eindruck eines typischen Einsteigergerätes. Besonders ins Auge sticht natürlich der Hebel auf der rechten Seite, der zum Dampfbezug genutzt wird.

Bedienung: Viel Kontrolle statt einfacher Knopfdruck-Automatik?

Auf der Oberseite befinden sich insgesamt für Knöpfe. Neben einem Knopf für den Bezug von heißem Wasser und einem mit geminderter Lautstärke, könnt ihr für einen einfachen bzw. doppelten Espresso zwei Knöpfe programmieren. Hier geht es allerdings nicht um eine Drucksteuerung oder eine Flusssteuerung, sondern rein um die Zeit.

Zusätzlich verfügt die Maschine über ein kleines Display, das sowohl zur Temperatureinstellung als auch als Shot-Timer genutzt werden kann. Die PID-Regelung erlaubt eine präzise Anpassung der Brühtemperatur, wodurch unterschiedliche Röstprofile besser berücksichtigt werden können. Helle Röstungen profitieren beispielsweise häufig von etwas höheren Temperaturen, während dunklere Bohnen oft niedrigere Werte bevorzugen.

Der wichtigste Unterschied: Dual-Thermoblock statt klassischem Thermoblock

Die größte technische Neuerung der G3006H gegenüber der ursprünglichen G3006 befindet sich im Inneren.

Die erste Version arbeitete mit einem einzelnen Thermoblock, der sowohl für die Espressozubereitung als auch für die Dampferzeugung zuständig war. Das ist bei vielen kompakten Siebträgermaschinen üblich, bringt aber einen Nachteil mit sich: Nach einem Espresso muss die Maschine zunächst auf Dampftemperatur wechseln, bevor Milch aufgeschäumt werden kann. Der typische Ablauf sieht folgendermaßen aus. Zunächst wird der Espresso bezogen. Dann wird die Temperatur für Dampf erhöht, sodass ihr im dritten Schritt die Milch aufschäumen und danach für einen weiteren Bezug anschließend wieder auf Brühtemperatur zurückkehren könnt. Für einzelne Cappuccino-Zubereitungen ist das problemlos machbar, bei mehreren Getränken hintereinander wird es jedoch unkomfortabel.

Die Gemilai Owl G3006H löst dieses Problem mit zwei getrennten Thermoblöcken - einem Heizsystem für die Espressozubereitung und einem separaten Heizsystem für Dampf. Besonders für Cappuccino-, Flat-White- oder Latte-Liebhaber ist dieser Unterschied im Alltag sofort spürbar. Gerade Nutzer, die täglich Milchgetränke zubereiten, profitieren von einem deutlich flüssigeren Workflow.

Espressoqualität: PID, beheizte Brühgruppe und 58-mm-System

Eine der größten Stärken der Owl-Serie war bereits bei der ersten Generation die Kombination aus 58-mm-Siebträger und beheizter Brühgruppe. Viele günstige Maschinen setzen auf kleinere Siebträgerformate und einfache Brühgruppen. Gemilai geht hier einen professionelleren Weg. Der 58-mm-Standard bietet zahlreiche Vorteile. Da wäre zunächst die große Auswahl an Zubehör zu nennen. Ihr könnt nicht nur kompatible Siebe anderer Anbieter, sondern auch professionelle Tampergrößen nutzen.  Auch bodenlose Siebträger sind da natürlich verfügbar, nebst verschiedenen Präzisionssieben.

Die Brühgruppe ist optisch an eine E61 angelehnt, handelt sich jedoch nicht um eine klassische E61-Brühgruppe. Dennoch verfolgt Gemilai einen ähnlichen Gedanken: Eine thermisch stabilere Einheit aus Brühkopf, Siebträger und Kaffeepuck. Das Ergebnis sind gleichmäßigere Extraktionen und eine bessere Temperaturkonstanz während des gesamten Bezugs. Die PID-Steuerung unterstützt diesen Ansatz zusätzlich. Gerade bei hochwertigen Bohnen macht sich die Möglichkeit bemerkbar, die Temperatur gezielt anzupassen.

In der Tasse liefert die G3006H einen kräftigen, ausgewogenen Espresso mit guter Textur. Besonders mittlere und dunklere Röstungen harmonieren sehr gut mit dem Charakter der Maschine. Mit einer hochwertigen Mühle lässt sich das Potenzial jedoch deutlich stärker ausschöpfen.

Druckkontrolle: Manometer mit echtem Mehrwert

Ein weiteres Highlight ist das integrierte Manometer. Viele günstige Maschinen verzichten komplett auf eine Druckanzeige oder verbauen nur einfache Anzeigen ohne große Aussagekraft. Die G3006H liefert dagegen während der Extraktion eine hilfreiche Rückmeldung. Der optimale Espresso-Bereich liegt typischerweise im Bereich von etwa 8 bis 9 bar. Das Manometer hilft dabei, Fehler beim Mahlgrad oder bei der Vorbereitung des Kaffeepucks schneller zu erkennen. Natürlich ersetzt eine Druckanzeige keine Erfahrung. Sie ist aber ein wertvolles Werkzeug, wenn man seine Extraktionen gezielt verbessern möchte.

Milchaufschäumen: Die große Stärke der neuen Generation

Bei der Vorgängerin war die Dampffunktion bereits ordentlich, allerdings typisch für einen Single-Thermoblock begrenzt. Die G3006H verbessert genau diesen Bereich. Durch den separaten Dampf-Thermoblock steht die benötigte Temperatur schneller zur Verfügung. Die Dampflanze erzeugt ausreichend Leistung, um Milch strukturiert aufzuschäumen und einen stabilen Mikroschaum für Cappuccino oder Flat White herzustellen. Besonders positiv fällt die Kombination aus Kraft und Kontrollierbarkeit auf. Die Dampferzeugung ist stark genug für einen guten Milchstrudel, ohne dass die Milch zu schnell überhitzt. Für Einsteiger bietet die Maschine genügend Reserven, während erfahrene Nutzer präzise arbeiten können.

Preinfusion und Extraktionssteuerung

Gemilai bewirbt die Maschine mit einer Preinfusionsfunktion. Dies funktioniert in Stufen von bis zu 10 Sekunden. Die Funktion dient dazu, den Kaffeepuck kurz anzufeuchten, bevor der eigentliche Bezug beginnt. Einen großen Mehrwert bietet diese  Anfeuchtung je nachdem, mit welcher Röstung ihr arbeitet. Damit bietet die G3006H genügend Kontrolle, um verschiedene Rezepte auszuprobieren. Auch die Tropfschale wurde gegenüber der ersten Generation optimiert und bietet mehr Komfort im täglichen Gebrauch. Der Wassertank fasst etwa 1,7 Liter und reicht für den normalen Heimgebrauch problemlos aus. Einen automatischen Wasserstandssensor besitzt die Maschine allerdings weiterhin nicht. Wer mehrere Getränke zubereitet, sollte deshalb regelmäßig den Füllstand kontrollieren.

Für wen eignet sich die Gemilai Owl G3006H?

Die Maschine richtet sich nicht ausschließlich an Anfänger. Aufgrund der Ausstattung spricht sie auch ambitionierte Nutzer an, die mehr Kontrolle als bei klassischen Einsteigergeräten wünschen, aber nicht unbedingt bereit sind, mehrere tausend Euro zu investieren. In Kombination mit einer guten Mühle wie beispielsweise einem DF64 oder Mahlkönig X64 SD kann die Maschine ihr volles Potenzial entfalten. Weniger interessant ist sie für Nutzer, die ausschließlich eine möglichst einfache One-Touch-Lösung suchen und für Profis. Für diese Zielgruppe bietet die kleine Maschine dann doch nicht genug Möglichkeiten.

Fazit: Die Gemilai Owl G3006H zeigt, dass Hersteller aus dem asiatischen Markt inzwischen sehr genau verstehen, welche Funktionen Home-Baristas wirklich wünschen. Die Maschine kombiniert viele Eigenschaften, die normalerweise deutlich höheren Preisklassen vorbehalten sind. Der größte Fortschritt gegenüber der ursprünglichen G3006 ist eindeutig das neue Heizsystem. Der Wechsel zu zwei getrennten Thermoblöcken macht die Maschine besonders für Milchgetränke deutlich attraktiver und verbessert den gesamten Workflow.

Die Gemilai Owl G3006 bleibt eine interessante Maschine mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Die neue G3006H geht jedoch einen entscheidenden Schritt weiter: Sie richtet sich nicht mehr nur an Einsteiger, sondern an ambitionierte Kaffeeliebhaber, die eine flexible und vielseitige Siebträgermaschine für den täglichen Einsatz suchen. Gerade im wachsenden Segment zwischen einfachen Thermoblock-Maschinen und teuren Dualboiler-Systemen positioniert sich die Gemilai Owl G3006H äußerst spannend. Falls ihr nun Interesse bekommen habt, euch die Siebträgermaschine zu kaufen - den Link zum Shop findet ihr hier. Und mit dem Rabattcode: INNJOY3006H erhaltet ihr 110 € Rabatt auf die OWL G3006H! 

Bild: (c) Gemilai, Text: D. Stappen

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