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| Marc Heiland | Fachliteratur

WirverlierenNicht die Dauer der digitalen Medien-Nutzung ist das Problem, sondern die Inhalte, die Kinder konsumieren. Schon Grundschüler sind Bildern von Gewalt, Pornographie und Rassismus ausgesetzt. Eine Schulleiterin schlägt Alarm!

“Wissen Sie, was Ihr Kind auf seinem Smartphone sieht?” Diese Frage stellt Silke Müller ahnungslosen Eltern auf Infoveranstaltungen ihrer Schule. Die Fotos, Sticker und Videos, die sie dann zeigt, sind so verstörend, dass kaum jemand hinsehen kann.

Die meisten Eltern gehen davon aus, Medien-Erziehung bedeutet, die Bildschirmzeit zu begrenzen - und haben keine Ahnung, dass schon Kinder Bilder bestialischer Tierquälereien, Kriegsverbrechen und sexueller Gewalt sehen. Verschickt im Klassenchat. Mit dramatischen Auswirkungen auf ihre Psyche.

In diesem wichtigen Debattenbuch klärt Silke Müller auf über die digitalen Bedrohungen, denen Kinder ausgesetzt sind, wenn sie Zugang zu Smartphones haben. Sie appelliert an Eltern, Lehrer*innen und die Politik, nicht länger wegzusehen, sondern endlich die Grundlagen zu schaffen für eine zeitgemäße, an Werten orientierte Medien-Erziehung. Der Anstoß einer Debatte, die längst hätte geführt werden müssen. Mit wertvollen Informationen und praktischen Tipps, mit welchen technischen und pädagogischen Mitteln wir unsere Kinder schützen können.

Sehr emotional

Dass Kinder den Eltern in vielen Dingen einen Schritt voraus sind, gilt schon seit vielen Jahren. Doch mittlerweile reicht vor allem im Digitalen das Wissen der Kinder und Jugendlichen häufig deutlich über das vieler Eltern hinaus. Damit einher gehen aber auch viele Risiken. Denn nie war die Nutzung digitaler Medien und Inhalte derart einfach, wie es derzeit der Fall ist. Nur ein Klick, ein Wischen über den Bildschirm – und schon tun sich Welten auf, die uns Erwachsenen häufig wenig bekannt oder unbekannt sind, vor denen wir aber möglicherweise auch oft die Augen verschließen, weil wir mit unseren Problemen schon genug zu tun haben, diese Inhalte herunterspielen („Mein Sohn / meine Tochter schaut so etwas nicht / macht bei so etwas nicht mit / ist gut erzogen…“ (beliebiger andere Argumente können eingefügt werden) Und selbst diejenigen, die digital noch nicht so erfahren sind, werden durch Schulkameraden, deren Freunde oder Geschwister möglicherweise mit Dingen konfrontiert, die sie nicht sehen wollen, nicht einordnen können und die sie (nachhaltig) seelisch be- und überlasten.

Das Ganze hat natürlich dann auch Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, da sie mit Gefühlen wie Angst und Sorge konfrontiert werden, möglicherweise mit Scham und Schuld und nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen.

Auch die Schulen stehen den digitalen Medien häufig recht ratlos und überfordert gegenüber. Viele Lehrer*innen wissen nicht, wie sie mit dem, was Schülerinnen und Schüler tun, sehen, hören etc. umgehen sollen, ob sie besser sanktionieren, mit den Lernenden reden oder gleich die Eltern konfrontieren oder verstehen das Verhalten der Schülerinnen und Schüler nicht mehr, da sie auf einmal „so anders“ sind.

Wer sich „Wir verlieren unsere Kinder!“ von Silke Müller durchliest, der wird mit der „harten Wahrheit“, die bei vielen Kindern beinahe zum Alltag gehört, konfrontiert. Denn das, was sie an konkreten Beispielen aufzeigt, spielt sich nicht nur tagtäglich auf Pausenhöfen, in Klassenzimmern und in der Freizeit von Kindern und Jugendlichen in so genannten „Problembezirken“ ab, sondern ist in jeder Schule zu finden.

Die Lektüre des Buches fühlt sich manchmal an, wie ein Schlag in die Magengegend. Das als real anzusehen und zu erkennen, dass man dem, was Schülerinnen und Schüler tagtäglich ausgesetzt sind / werden, kaum nachkommt, ist harter Tobak. Doch Silke Müller versucht, mit Tipps und Ratschlägen zu helfen, wenngleich sie natürlich oftmals nur allgemein bleiben kann, da jede Schule anders betroffen ist. Das Grundproblem bleibt jedoch: Die „sozialen“ Netzwerke sind schon lange nicht mehr sozial und der Umgang mit ihnen muss eingeübt werden, es muss auch von den Eltern her eine Begleitung stattfinden und es muss Kontaktpersonen geben, die auffangen können, denen sich Betroffene anvertrauen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Nur dann kann etwas bewegt werden!

Fazit: „Wir verlieren unsere Kinder!“ ist ein wichtiges Buch für alle, die sich mit den alltäglichen Problemen im Bereich Schule und Erziehung befassen und absolut empfehlenswert, wenngleich es keine „leichte“ Lektüre ist und auch von der emotionalen Seite her nicht unbedingt in einem Rutsch durchgelesen werden sollte! 

Titel: Wir verlieren unsere Kinder!: Gewalt, Missbrauch, Rassismus – Der verstörende Alltag im Klassen-Chat

Autorin: Silke Müller

Verlag: Droemer HC; 6. Auflage (2. Mai 2023)

ISBN-10 ‏ : ‎ 3426278960

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426278963

Die inn-joy Redaktion bedankt sich beim Verlag Droemer für das zur Verfügung gestellte Exemplar.

L. Zimmermann

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