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| Marc Heiland | Navigation

HumanityAnfang der 1990er-Jahre erschien ein Spiel, welches das Thema „Mythos Massensuizid von Lemmingen“ behandelte. Klingt komisch? War aber so! Natürlich wurde das Spielprinzip, welches auf der damals fehlerhaften Annahme basierte, welche durch den Walt Disney-Film „Weiße Wildnis“ aufgebracht wurde, dass Lemminge ihrem Leittier auf Massenwanderungen in den Tod folgen würden, womit Schwankungen in der Population der Tiere versucht wurden zu erklären, auf unterhaltsame Weise dargestellt.

Ziel des Spiels „Lemmings“ und seiner Nachfolger ist es, eine Gruppe von Lemmingen durch eine Reihe von Hindernissen zu einem durch das Level festgelegten Ausgang zu führen. Damit ein Level gewonnen wurde, besaß das Leittier unterschiedliche Fähigkeiten, seine Herde über oder um die Hindernisse zu führen, da sie ihm stumpf folgten.

Nun werdet ihr euch möglicherweise fragen, warum ich diese Review mit dem Hinweis auf das „Lemmings“-Spiel beginne. Nun. Es liegt daran, dass das im vergangenen Jahr auf der PSVR2 erschienene und aktuell auch für die Meta Quest 3 veröffentlichte Spiel „Humanity“ genau diesem Grundmuster folgt. Zwar handelt es sich hier nicht um willenlose Lemminge. Stattdessen nehmen die Entwickler gleich mal die (scheinbar) gesamte Menschheit, die auf einen Abgrund zusteuert. Und auch das Leittier wird hier durch einen Hund ersetzt. Und genau in diese Rolle schlüpft ihr in „Humanity“. Verantwortlich für dieses außergewöhnliche Spielkonzept zeichnet Enhance Experience.

Das Spiel beginnt zunächst mit einem Tutorial, in welchem ihr lernt, wie euer Shiba-Inu-Hund Befehle erteilt, die Menschen durch die immer komplexer und anspruchsvoller werdenden Level zu steuern. Denn im Gegensatz zu euch machen die Menschen nichts anderes, als durch das Level zu laufen und so unaufhaltsam abzustürzen. Praktischerweise lernt euer Fellfreund im Laufe des Spiels neue Fertigkeiten, die ihr dann auch sofort einsetzen könnt. Warum die Menschen allerdings so scheinbar sinnlos in ihr Verderben laufen, ist in diesem sehr surreal anmutenden VR-Spiel nur schwer zu verstehen. Irgendwie sollen sie auf ein höheres Level gebracht werden, wie die so genannten allmächtigen „Core“ sagen. Apropos Sprache: Das Spiel kommt komplett ohne Sprachausgabe daher. Lediglich Texte werden eingeblendet.

Dass „Humanity“ trotz der gerade einmal vagen Andeutungen und skurrilen Inszenierung dennoch gut unterhalten kann, liegt an den verschiedenen Möglichkeiten, mit denen ihr die Menschen führen könnt, am Wunsch, möglichst viele von ihnen zu retten, der sich bei mir – ähnlich wie damals bei „Lemmings“ immer wieder neu einstellt sowie am einfachen aber immer stärker fordernden Spielprinzip. Denn mit der Zeit werden – wie bereits erwähnt – die Level nicht nur komplexer und die Möglichkeiten, die Menschen unterwegs zu verlieren, weil ihr vielleicht einen Augenblick zu spät Sprungfedern, Ventilatoren, Schilder usw. in den Weg gestellt habt – es gibt auch immer mehr Menschen, die euch in Gestalt des Hundes folgen, sodass auch immer mehr Menschen gerettet werden müssen. Eine zusätzliche Motivation bringen Goldstatuen, die es einzusammeln gilt und die unter anderem das Pausieren und das Vorspulen der Zeit als Fähigkeit freigeben. Ihr seht: „Humanity“ ist durchweg komplex, ohne dabei jedoch den Spielspaß aus den Augen zu verlieren. Spannenderweise gibt es sogar Gegner, die euch von eurer Aufgabe abhalten wollen. Dann werden – ähnlich wie bei den Levels, in denen ihr vor dem Start den Weg vorgeben müsst, was nicht immer ganz so einfach ist, wie es sich anhört – eure Talente und Fähigkeiten voll auf die Probe gestellt. Leider müsst ihr gerade hier häufiger neue Wege ausprobieren, wodurch unnötig Frust entstehen kann, weil die Menschen dann nicht so wollen, wie ihr.

Technisch läuft „Humanity“ auch auf der Meta Quest 3 stabil mit 60fps, sieht aber nicht so scharf aus, wie auf der PSVR2. Der Vorteil ist, dass es in VR eine bessere Übersicht gibt und ihr zu jeder Zeit alles im Blick habt – ganz im Gegenteil zur klassischen „flat“-Spielweise, die es auf der PS5 ebenfalls gibt. Allerdings gibt es in VR kaum einen echten Mehrwert, was sehr schade ist.

Fazit: Wer aus dem ganzen Einerlei an Shootern, Jump’n’run-Titeln und ähnlichem mehr auch einmal etwas vollkommen anderes spielen möchte, dem können wir zu diesem durchaus fordernden, aber stets interessanten und skurrilen Titel raten. Das von „tha“ entwickelte und von Enhance 7Experience veröffentlichte „Humanity“ ist eines dieser Spiele, auf die man sich einlassen muss, dafür aber mit echten Herausforderungen belohnt wird. Zwar ist der schwankende Schwierigkeitsgrad mit einigen Frustmomenten garniert. Dennoch können wir euch den Titel für eure VR-Sammlung durchweg empfehlen.

Die inn-joy Redaktion vergibt 7 von 10 Punkten.

Die inn-joy Redaktion bedankt sich bei Enhance Experience für den zur Verfügung gestellten Testkey.

L. Zimmermann

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