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| Marc Heiland | PC-Games

TheBusBild1Es gibt Computerspiele, die uns innerhalb weniger Sekunden mit Explosionen, schnellen Autos oder spektakulären Missionen beschäftigen wollen. Und dann gibt es The Bus. Hier ist bereits eine pünktlich erreichte Haltestelle ein kleines Erfolgserlebnis. Die von TML-Studios entwickelte und von Aerosoft veröffentlichte Simulation widmet sich einem auf den ersten Blick unspektakulären Thema: dem öffentlichen Busverkehr. Statt hinter einem Rennwagen zu sitzen, übernehmen wir das Steuer eines Linienbusses und müssen uns mit Fahrplan, Straßenverkehr, Fahrgästen und der Technik unseres Fahrzeugs auseinandersetzen.

Das klingt zunächst nach einem ziemlich speziellen Konzept – und genau das ist The Bus auch. Die Simulation versucht gar nicht erst, möglichst viele unterschiedliche Spielertypen anzusprechen. Wer schnelle Action und permanente Abwechslung sucht, dürfte mit dem Titel wenig anfangen können. Wer dagegen Freude daran hat, Fahrzeuge möglichst realistisch zu bedienen und sich in einen alltäglichen Arbeitsablauf hineinzuversetzen, findet hier eine bemerkenswert detaillierte Simulation.
The Bus befindet sich weiterhin im Early Access, hat inzwischen aber einen Umfang erreicht, der deutlich über einen bloßen Technik-Prototypen hinausgeht. Mit dem neu erschienenen Hamburg-DLC kommt nun neben Berlin eine zweite große deutsche Stadt hinzu – und gerade dieser Neuzugang ist für Fans der Simulation besonders interessant.

Das Spielprinzip: Der ganz normale Wahnsinn des Linienverkehrs
Das grundlegende Spielprinzip ist schnell erklärt. Wir suchen uns eine Linie aus, steigen in den gewünschten Bus und fahren die vorgegebene Strecke ab. Haltestelle für Haltestelle arbeiten wir uns durch die Stadt, lassen Fahrgäste ein- und aussteigen und versuchen gleichzeitig, den Verkehr, den Fahrplan und die technischen Abläufe unter einen Hut zu bekommen.
Das klingt simpel, entwickelt aber erstaunlich schnell seinen eigenen Reiz.

Denn The Bus lebt nicht von großen Ereignissen. Die Motivation entsteht vielmehr daraus, eine Strecke immer besser kennenzulernen und die verschiedenen Abläufe zunehmend souverän zu beherrschen. Wo befindet sich die nächste Haltestelle? Wie eng ist die kommende Kurve? Wann muss gebremst werden? Wie verhält sich der Gelenkbus beim Abbiegen? Und wie viel Verspätung haben wir uns gerade durch den dichten Stadtverkehr eingefangen?
Mit zunehmender Spielzeit werden solche Fragen automatisch Teil des Spielerlebnisses. Aus einer zunächst fremden Strecke wird eine vertraute Route, auf der wir irgendwann auch ohne ständig auf die Navigation zu schauen wissen, was als Nächstes kommt. Genau hier liegt eine der größten Stärken von The Bus: Das Spiel belohnt Aufmerksamkeit und Routine.

Die Busse sind mehr als bloße Transportmittel
Im Mittelpunkt steht natürlich der Fuhrpark. The Bus bietet mehrere lizenzierte Busmodelle, unter anderem von MAN, Scania, VDL, Mercedes-Benz und Solaris. Dabei unterscheiden sich die Fahrzeuge nicht nur hinsichtlich ihrer Optik.
Auch die Bedienung und das Fahrverhalten vermitteln den Eindruck, tatsächlich unterschiedliche Fahrzeuge zu steuern. Besonders deutlich wird das bei den Gelenkbussen. Ihre Länge, ihr Gewicht und die zusätzliche Gelenkachse verlangen deutlich mehr Vorausplanung als ein kompakter Solobus.
Das Spiel vermittelt dabei überzeugend, dass ein Bus eben kein kleines Auto ist. Beschleunigung und Bremsvorgänge wirken entsprechend schwerfällig, enge Kurven wollen sauber vorbereitet werden und beim Rangieren müssen wir die Dimensionen unseres Fahrzeugs permanent im Hinterkopf behalten.
Zum Simulationsanspruch passen die detaillierten Fahrerarbeitsplätze. Instrumente, Anzeigen, Türsteuerung, Matrix und Bordrechner sind nicht bloß Dekoration, sondern Bestandteil des Bedienkonzepts. Wer sich zum ersten Mal in das Cockpit setzt, wird deshalb mitunter etwas ratlos auf die zahlreichen Schalter und Anzeigen schauen. Das gehört allerdings zum Konzept.

Eine Simulation, die uns nicht permanent an die Hand nimmt
Ein großer Pluspunkt ist für uns, dass The Bus nicht jeden einzelnen Arbeitsschritt künstlich vereinfacht. Wer sich auf die Simulation einlässt, muss sich mit den Funktionen seines Fahrzeugs auseinandersetzen und lernen, wie der Linienbetrieb funktioniert. Das kann am Anfang durchaus fordernd sein. Gerade der Umgang mit dem Bordrechner und einigen technischen Funktionen ist nicht unbedingt selbsterklärend. Ein ausführlicheres Tutorial könnte den Einstieg deutlich angenehmer gestalten. Gleichzeitig würde eine zu starke Vereinfachung dem Spiel aber auch einen Teil seiner Identität nehmen. The Bus möchte schließlich keine Busfahrer-Fantasie im Arcade-Stil sein, sondern möglichst nah an den tatsächlichen Abläufen bleiben. Und wer möchte, darf die Simulation ohnehin großzügig auslegen. Die Freiheit, mit dem Bus auch einmal deutlich schneller unterwegs zu sein, als es einem verantwortungsvollen Linienfahrer zu empfehlen wäre, bleibt bestehen.

TheBusBild2Berlin als riesige Spielwiese
Der ursprüngliche Schauplatz Berlin ist eine der großen Stärken des Spiels. Die Stadt wurde nicht auf eine Ansammlung von austauschbaren Straßen reduziert. Stattdessen begegnen uns bekannte Orte, charakteristische Stadtviertel und zahlreiche reale Gebäude. Wer beispielsweise am Brandenburger Tor vorbeifährt, Richtung Reichstag unterwegs ist oder den Berliner Hauptbahnhof passiert, erkennt schnell, wo man sich befindet.
Besonders überzeugend ist dabei, dass nicht ausschließlich die großen Sehenswürdigkeiten im Mittelpunkt stehen. Ein großer Teil der Atmosphäre entsteht gerade durch die alltäglichen Bereiche der Stadt. Wohnviertel, Geschäfte, Gewerbegebiete und Nebenstraßen sorgen dafür, dass Berlin nicht wie eine touristische Kulisse wirkt, sondern wie eine Stadt, in der tatsächlich Menschen leben und arbeiten.
Zusätzliche Dynamik bringen Wetter und Tageszeit ins Spiel. Eine bekannte Strecke kann bei Sonnenschein am Nachmittag völlig anders wirken als während einer nächtlichen Fahrt bei schlechtem Wetter.

Und jetzt kommt Hamburg
Mit dem Hamburg-DLC erweitert The Bus sein Konzept um eine zweite deutsche Großstadt. Und die Wahl Hamburgs passt hervorragend zum Spiel. Denn auch Hamburg besitzt eine sehr charakteristische Mischung aus Innenstadt, Wohnvierteln, Gewerbegebieten, Hochhaussiedlungen und bekannten Wahrzeichen. Genau diese Unterschiede nutzt die Erweiterung, um die einzelnen Linien voneinander abzugrenzen.
Fünf reguläre Linien stehen zur Verfügung: 6, 7, 17, 218 und 277. Dazu kommt eine Nachtbusverbindung. Insgesamt umfasst das Erweiterungspaket mehr als 55 Haltestellen und über 120 Haltepositionen. Je nach Strecke können einzelne Fahrten bis zu rund 66 Minuten dauern. Damit handelt es sich keineswegs nur um eine kleine zusätzliche Karte.

Fünf Linien, fünf unterschiedliche Gesichter Hamburgs
Besonders gelungen ist die Streckenführung. Die Linie 6 verbindet die Speicherstadt mit dem Bereich rund um den Stadtpark und den U-Bahnhof Borgweg. Auf der Linie 17 geht es von der Feldstraße über Winterhude und Barmbek bis nach Bramfeld. Die Linie 7 führt von Barmbek nach Steilshoop, während die 277 weitere Bereiche von Steilshoop erschließt. Mit der Linie 218 kommt schließlich eine Strecke hinzu, die vom S-Bahnhof Rübenkamp durch Steilshoop bis in den Osten Bramfelds führt. Damit entsteht eine angenehme Mischung aus unterschiedlichen Stadtbildern.
In der Innenstadt sind enge Straßen, historische Gebäude und dichter Verkehr angesagt. Weiter nördlich verändert sich das Bild. Wohnsiedlungen, größere Verkehrsachsen, Gewerbegebiete und Hochhäuser bestimmen nun die Umgebung.
Gerade für eine Simulation ist diese Abwechslung wichtig. Denn auch wenn das grundlegende Gameplay immer dasselbe bleibt, fühlt sich eine Fahrt durch unterschiedliche Stadtteile dadurch deutlich weniger monoton an.

Hamburg steckt voller Details
Was beim Hamburg-DLC besonders auffällt, ist die Liebe zum Detail. Die Speicherstadt mit ihren Backsteinfassaden ist ebenso vertreten wie der Hamburger Hauptbahnhof, St. Pauli und das Heiligengeistfeld. Rund um die Feldstraße führt die Strecke am markanten Hochbunker vorbei, während im Bereich des Millerntor-Stadions und der Reeperbahn weitere bekannte Hamburger Orte auftauchen.
Auch die Skyline wurde nicht vergessen. Unter anderem lassen sich die Elbphilharmonie, der Fernsehturm und weitere markante Gebäude erkennen.
Noch wichtiger sind allerdings die vielen kleinen Elemente, die abseits der großen Wahrzeichen für Atmosphäre sorgen. Haltestellen besitzen eigene Wartehäuschen und Fahrgastinformationen, auf den Straßen finden sich typische Hamburger Details und auch Brücken gehören zum Stadtbild. Mehr als 300 eigens erstellte Objekte sowie über 450 angepasste Gebäude und weitere Elemente aus dem Hausbau-System sollen dabei für die charakteristische Optik sorgen. Insgesamt kommt das DLC damit auf mehr als 750 individuelle beziehungsweise speziell angepasste Objekte. Das ist eine Größenordnung, die man der Erweiterung auch anmerkt.

TheBusBild3Hamburg ist nicht nur Kulisse
Besonders interessant ist, dass sich die neue Stadt nicht wie eine statische Kulisse anfühlt. U-Bahnen kreuzen unsere Wege, S-Bahnen fahren durch die Stadt und am Hauptbahnhof begegnen uns Regional- und Fernzüge. Auch der maritime Charakter Hamburgs wird berücksichtigt. Barkassen und Ausflugsschiffe sind auf den Fleeten und Kanälen unterwegs.
Damit entsteht genau das, was eine gute Stadtsimulation braucht: Bewegung auf mehreren Ebenen. Wir fahren nicht einfach durch eine hübsch dekorierte Stadt, sondern haben den Eindruck, dass um uns herum tatsächlichöffentlicher Verkehr stattfindet. Auch Baustellen tragen dazu bei. Bereiche an der Alster oder an der Hebebrandstraße können den Verkehrsfluss beeinflussen und verlangen vom Fahrer entsprechend mehr Aufmerksamkeit.

Der Betriebshof: Mehr als ein Startpunkt
Zum Hamburg-Paket gehören außerdem Betriebshöfe. Besonders interessant ist der Betriebshof Alsterdorf im Tessenowweg. Für den Wirtschaftsmodus gibt es zusätzlich einen eigenen Hof an der Bramfelder Chaussee Süd.
Das ist vor allem für Spieler interessant, die nicht nur einzelne Linien abfahren möchten, sondern sich stärker mit dem wirtschaftlichen Teil von The Bus beschäftigen wollen.
Denn neben dem klassischen Linienbetrieb bietet die Simulation auch die Möglichkeit, ein eigenes Busunternehmen aufzubauen. Fahrzeuge auswählen, Linien organisieren und den eigenen Betrieb weiterentwickeln – damit erhält das Spiel eine zusätzliche Ebene, die über das reine Fahren hinausgeht.

Realismus durch Verkehr, Wetter und Tageszeit
Eine Simulation steht und fällt mit ihrer Atmosphäre. The Bus kann hier viele Punkte für sich verbuchen. Der Wechsel zwischen Tag und Nacht sorgt dafür, dass bekannte Strecken immer wieder anders wirken. Dazu kommen unterschiedliche Wetterlagen und wechselnde Lichtstimmungen. Noch wichtiger ist jedoch der Verkehr. Gerade in einer Großstadt wie Hamburg entsteht ein großer Teil der Immersion dadurch, dass wir nicht einfach freie Straßen vorfinden. Andere Fahrzeuge, Baustellen, Fahrgäste und der öffentliche Verkehr machen jede Fahrt zu einer kleinen Aufgabe.
Natürlich funktioniert die künstliche Intelligenz nicht immer perfekt. Gelegentliche Aussetzer bei anderen Verkehrsteilnehmern oder Fahrgästen können vorkommen. Auch kleinere technische Probleme wie flackernde Schatten oder sporadische Framerate-Einbrüche gehören zum aktuellen Entwicklungsstand. Sie verhindern allerdings nur selten, dass wir in die Simulation eintauchen.

Sound: Motor, Türen und Radio
Auch akustisch verfolgt The Bus einen konsequenten Simulationsansatz. Motor, Bremsen, Türen und weitere Fahrzeuggeräusche vermitteln den Eindruck, tatsächlich hinter dem Steuer eines großen Stadtbusses zu sitzen.
Hinzu kommen Umgebungsgeräusche und Radioprogramme. Eine interessante Ergänzung ist dabei Flashbass.FM, das nicht nur Musik liefert, sondern auch Nachrichten und Verkehrsinformationen einbindet. Dadurch entsteht während längerer Fahrten zusätzliche akustische Abwechslung. Wer mehrere Stunden am Stück durch eine Stadt fährt, weiß solche Details durchaus zu schätzen.

Multiplayer und Modding verlängern das Leben
Ein weiterer Vorteil der PC-Version ist die aktive Modding-Szene. Die Community hat bereits zusätzliche Busse, neue Gebiete und weitere Anpassungen hervorgebracht. Damit muss die im Spiel vorhandene Welt nicht zwangsläufig das Ende der Fahnenstange darstellen. Wer sich intensiver mit The Bus beschäftigt, kann das Spielerlebnis durch Community-Inhalte erweitern.
Auch gemeinsames Fahren mit anderen Spielern ist möglich. Gerade bei einer Simulation, deren grundlegendes Spielprinzip auf Routine und langen Fahrten basiert, kann der Multiplayer eine interessante zusätzliche Motivation darstellen.

Nicht perfekt - und daher weiterhin spannend
So überzeugend der Simulationsansatz ist, ganz ohne Schwächen kommt The Bus nicht aus.
Die größte Hürde ist vermutlich die Einstiegsschwelle. Wer bisher kaum Erfahrung mit Fahrzeugsimulationen gesammelt hat, wird sich zunächst mit zahlreichen Funktionen und Abläufen auseinandersetzen müssen. Wenn man dann als Anfänger die Hälfte der Autos auf einer Straße mitnimmt, nicht weiß, welchen Weg man nehmen muss und irgendwie alles recht komplex wirkt, dann kann das schon mal zu Frustmomenten führen. 
Hinzu kommen die erwähnten kleineren technischen Fehler. Die gelegentlichen KI-Probleme, optischen Fehler und Framerate-Schwankungen erinnern daran, dass wir es weiterhin mit einem Spiel im Early Access zu tun haben. Das sollte man vor dem Kauf wissen.
Gleichzeitig ist genau dieser Entwicklungsstand auch interessant. Denn das Fundament stimmt. Das Spiel besitzt eine klare Identität, eine große und detaillierte Spielwelt und ein Simulationskonzept, das konsequent verfolgt wird. Mit neuen Funktionen und Erweiterungen kann daraus langfristig ein noch umfangreicheres Gesamtpaket entstehen.

Unser Fazit: The Bus ist eine Simulation für Menschen mit Geduld
The Bus ist kein Spiel, das uns alle paar Minuten mit einem neuen Erfolgserlebnis belohnt. Seine Faszination funktioniert anders.
Wir steigen ein, stellen den Bus bereit, fahren los, halten an, öffnen die Türen, lassen Fahrgäste einsteigen, achten auf den Verkehr und arbeiten uns Kilometer für Kilometer durch die Stadt. Und irgendwann merken wir, dass genau diese Routine Spaß macht.
8Berlin bildet dafür eine hervorragende Grundlage. Hamburg erweitert das Konzept nun um eine zweite Stadt, die aufgrund ihrer sehr unterschiedlichen Viertel, ihrer markanten Architektur und ihrer zahlreichen Verkehrssysteme hervorragend zum Spiel passt. Gerade das Hamburg-DLC macht dabei einen überzeugenden Eindruck. Die fünf Linien unterscheiden sich ausreichend voneinander, die Stadt wurde mit zahlreichen individuellen Details umgesetzt und bekannte Orte wurden ebenso berücksichtigt wie unspektakuläre Wohn- und Gewerbegebiete. Dadurch fühlt sich Hamburg nicht wie eine dekorative Zusatzkarte an, sondern wie eine echte Erweiterung der Simulation.
Wer Bus-Simulationen mag, bekommt mit The Bus ein ausgesprochen detailverliebtes Gesamtpaket. Wer dagegen Action, kurze Spielsessions und schnelle Belohnungen sucht, sollte sich bewusst sein, worauf er sich einlässt.
Für uns ist The Bus deshalb vor allem eines: eine Simulation, die ihre Nische gefunden hat und sie konsequent bedient. Das Hamburg-DLC zeigt dabei eindrucksvoll, welches Potenzial in diesem Konzept steckt.

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