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| Marc Heiland | Konsolen

ASUSXBOXStellt euch vor: Eine mobile Konsole, die nicht nur wie ein Gamepad in der Hand liegt, sondern intern die komplette Power eines Windows-11-PCs mitbringt. Genau das verspricht die Asus ROG Xbox Ally X. In einer Zeit, in der Handheld-Gaming zunehmend mit Kompromissen verbunden ist, wagt dieses Gerät einen ambitionierten Spagat: Es soll portabel sein – und gleichzeitig rechenstark, flexibel und voll in das Microsoft-Ökosystem integriert. Aber gelingt dieser Spagat? In diesem Test schaue ich mir jeden Aspekt der Ally X genau an – vom Lieferumfang über die Hardware bis hin zur Alltagstauglichkeit.

Der Lieferumfang – Mehr Schein als Sein

Beim Auspacken der Ally X war ich zunächst enttäuscht: Im Karton lag weder ein Netzteil noch ein Ladekabel – ganz zu schweigen von einer Schutztasche. Für ein Gerät in dieser Preisklasse ist das ungewöhnlich. Viele Smartphones verzichten mittlerweile auf Netzteile, aber bei einem Handheld war ich überrascht, dass Asus hier spart. Tatsächlich erwartet das Gerät ein 65-Watt-Netzteil – etwas, das viele Nutzer wohl nicht zu Hause herumliegen haben. Selbst ein USB-C-Kabel war nicht beigelegt.

Im Lieferumfang gibt es lediglich einen Pappständer, das übliche Garantie- und Schnellstartpapierzeug – aber keinerlei Tasche, wie man sie von anderen Handheld-PCs kennt (beispielsweise vom Lenovo Legion Go oder dem Steam Deck OLED). Für ein Premium-Gerät wie dieses fühlt sich das enttäuschend knapp an. Ich finde: Bei fast 900 Euro hätte Asus zumindest ein Lade-Set beilegen können.

Ergonomie & Verarbeitung – Ein Xbox-Controller im Handheld-Gewand

Haltung & Komfort
Die Ally X unterscheidet sich optisch deutlich von vielen anderen PC-Handhelds. Statt eckiger Form oder schlichter Griffe besitzt sie echte Gamepad-ähnliche „Haltehörner“, wie man sie von klassischen Xbox-Controllern kennt. Dieses Design zahlt sich aus: In meinen Händen vermittelt das Gerät das Gefühl, einen großen Xbox-Controller zu halten – das sorgt für sehr angenehmen Halt. Einziger Unterschied: Die Hörner sind bei der Ally X etwas weniger stark abgeschrägt als bei herkömmlichen Pads, was man zwar spürt, aber nicht als störend empfindet.

Mit einem Gewicht von 715 Gramm ist die Ally X nicht federleicht, aber die Masse ist gut verteilt. Dennoch: Nach mehreren Stunden intensiven Spielens (z. B. auf der Couch) spürte ich die Belastung in den Oberarmen.

Controller-Bedienelemente
Die Schultertasten und Trigger sind großzügig dimensioniert. Besonders schön: Die Trigger setzen auf magnetische Hall-Effekt-Sensoren, was nicht nur für ein solides Feedback sorgt, sondern auch die Abnutzung verringert. Rumble-Motoren tragen zu einem kräftigen Vibrationsgefühl bei. Ein Wunsch bleibt allerdings offen: Physische Trigger-Stops fehlen. Gerade bei schnellen Shootern hätten sie den Aktivierungsweg verkürzt und das Gameplay noch direkter gemacht.

Auf der Rückseite gibt es zwei Makro-Tasten – erreichbar mit dem Mittelfinger, ohne dass man versehentlich andere Eingaben auslöst. Das ist sehr gelungen und bietet zusätzlichen Spielraum für individuelle Steuerung.

Die Analog-Sticks fühlen sich vertraut an – sie entsprechen denen des Xbox Wireless Controllers in Größe und Form. Ein Kritikpunkt ist jedoch, dass es sich nicht um Hall-Effekt-Sticks handelt, die langlebiger und drift-resistenter wären. Glücklicherweise lassen sich die Sticks ohne Löten auswechseln, was Reparaturen oder Upgrades erleichtert. Ein weiteres Manko: Es gibt keine Glättungsringe (wie bei früheren ROG-Devices), was langfristig zu einem etwas raueren Gefühl führen könnte.

Das D-Pad ist tellerförmig, nicht klassisch kreuzförmig. Solche Designs sind oft weniger präzise, aber in meinem Test konnte ich damit sogar komplexe Combos in Tekken 8 oder schnelle Bewegungen in Celeste ohne Probleme ausführen – sehr positiv überraschend! Die ABXY-Buttons fühlen sich genau so an, wie man es vom Xbox-Controller kennt. Ein kleiner Wermutstropfen: Sie sind mono­chrom und nicht farblich kodiert – etwas, das einige Nutzer bei intensiven Spielsessions vermissen könnten.

Was jedoch komplett fehlt: Trackpads, wie man sie etwa beim Steam Deck oder der Zotac Zone findet. Das heißt, Maussteuerung via Analog-Stick (Mausemulation) ist zwar möglich, aber nicht so komfortabel wie mit echten Trackpads, was bei Strategie- oder Point-&-Click-Spielen spürbar ist.

Der Bildschirm – Solide, aber nicht spektakulär

Die Ally X ist mit einem 7-Zoll-IPS-Touchscreen ausgestattet, der in Full-HD (1.920 × 1.080) auflöst. Die Wiederholrate beträgt 120 Hz, und das Panel unterstützt VRR (variable Refresh Rate). Die maximale Helligkeit liegt bei etwa 500 Nits – genug, um auch draußen zu spielen, solange die Sonne nicht direkt auf den Bildschirm scheint.

Was das Display angeht, bleibt es solide: Inhalte wirken scharf, Bewegungen flüssig, aber das visuelle Erlebnis ist kein Wow-Moment. Im Vergleich zur Konkurrenz kann man das spüren: Es gibt größere oder qualitativ hochwertigere Displays, zum Beispiel OLED-Bildschirme im Steam Deck OLED oder beim Lenovo Legion Go 2. Dennoch ist das IPS-Panel der Ally X zweckmäßig und performant, besonders mit dem VRR-Feature, das Tearing reduziert, indem es die Bildrate dynamisch mit dem Spiel synchronisiert.

Die Performance – Mehr Effizienz, moderater Gewinn

Chip und Leistung
Die Ally X setzt auf den modernen AMD Ryzen Z2 Extreme, der effizienter arbeitet als frühere Generationen. Interessanterweise liefert der Prozessor bei nur 17 Watt bereits die Leistung, die die vorherige Z1-Generation bei 30 Watt brachte. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Akkulaufzeit aus, sondern auch auf die Lüfterlautstärke – weniger Energieverbrauch bedeutet weniger Abwärme.

In Praxistests zeigte sich: Der Unterschied zu Handhelds der ersten Generation ist spürbar, aber nicht bahnbrechend. Zum Beispiel in Monster Hunter Wilds erreichte ich 37 fps bei der alten Ally, während die neue Variante in meinem Test bei 41 fps lag – der Unterschied ist vorhanden, aber nicht gravierend. Für eine stabile Mobilspielerfahrung habe ich die Bildwiederholrate oft auf 30 fps begrenzt. Dort glänzt die Ally X durch eine etwas konstantere Performance.

Wenn man die TDP auf 35 Watt hebt (im sogenannten Turbo-Modus), steigt die Leistung nur leicht: Die Unterschiede zwischen 30 W- und 35 W-Profilen sind marginal. Bei Titeln wie Returnal oder Civilization 6 merkt man zwar einen kleinen Boost, aber nicht, als hätte man einen komplett anderen Handheld vor sich.

Lüfter & Kühlung

Die Ally X verwendet zwei Lüfter, wodurch sie im Betrieb recht leise bleibt. Da die Last auf zwei Lüfter verteilt ist, müssen sie nicht so stark drehen, was das Geräuschniveau angenehm hält. Allerdings wird die CPU bei intensiven Sessions schon recht heiß – gemessen wurden etwa 80 Grad.

Ein praktischer Hinweis: Legt den Handheld nicht mit den Lüfterschlitzen verdeckt auf weiche Unterlagen (z. B. ein Kissen auf dem Schoß), denn das behindert die Kühlung und kann die Temperatur unnötig in die Höhe treiben. Für gutes Temperaturmanagement im Handheld-Modus ist also die freie Luftzirkulation entscheidend.

ASUSSoftware & Benutzererlebnis – Windows trifft Xbox

Xbox-Vollbild-Erfahrung
Trotz Windows 11 bootet die Ally X direkt in eine optimierte Xbox-Oberfläche, die für die Bedienung mit Controller ausgelegt ist – ähnlich wie Steam Big Picture auf dem Steam Deck. Sobald ihr die Xbox-Oberfläche nutzt, wirkt das System konsolenähnlicher, und ihr tippt nicht ständig ins klassische Windows.

Navigationsprobleme
Allerdings fühlt sich die Benutzerführung bisweilen etwas umständlich an. Menüstrukturen sind nicht immer intuitiv für Controller-Navigation adaptierbar: Um zwischen Kategorien zu wechseln, verwendet man das D-Pad oder den Stick, aber um eine Auswahl zu treffen, muss man den Cursor positionieren und mit A klicken – ein Überbleibsel aus der Maus-Welt. Insgesamt wirkt das Interface, als wäre es primär für Maus ausgelegt, was zu kleinen Reibungen im Alltag führt.

Multitasking
Sehr positiv ist eine neue Funktion: Wenn man die Xbox-Taste kurz gedrückt hält, öffnet sich eine Multitasking-Ansicht, die an das einhändige Wechseln auf dem Smartphone erinnert. Damit kann man schnell zwischen Spielen, Launchern oder dem klassischen Windows-Desktop wechseln. Ich habe das oft genutzt, um z. B. zwischen der Xbox-App und Steam zu wechseln.

Game Bar & Schnellzugriffe
Die Xbox-Taste ruft außerdem eine Game-Bar auf, mit der ihr direkt auf viele wichtige Funktionen zugreifen könnt:

  • Leistungsprofile (TDP) ändern
  • Steuerungsprofile anpassen
  • Hardware-Metriken einblenden
  • Lautstärke, Helligkeit, WLAN-Einstellungen steuern
  • Xbox-Freundesliste und Chat
  • Screenshots, Bildschirmaufnahmen
  • Audiomixer für einzelne Apps
    Zusätzlich könnt ihr Widgets für weitere Funktionen wie Spotify einrichten oder eure Bibliothek direkt öffnen – eine eigene Taste für die Bibliothek gibt es ebenfalls.

Armoury Crate
Neben der Xbox UI ist auch die Armoury-Crate-App von Asus vorinstalliert. Damit regelt ihr Feinheiten wie Leistungsmodi, LED-Effekte, Profilsteuerung und Systemmetriken. Auch ein Echtzeit-Komponentenmonitor ist integriert (Temperatur, Verbrauch, FPS etc.). Für Hardware-Enthusiasten ist das ein starker Punkt. Aber: Manchmal konkurrieren die Ebenen (Windows, Xbox-UI, Armoury Crate) miteinander, was die Bedienung kompliziert machen kann.

Stabilität & Updates
Beim Einrichten des Systems hatte ich teilweise mit Bugs zu kämpfen (z. B. bei Windows-Updates oder beim Anpassen von Launcher-Verknüpfungen). Das System wirkt nicht immer völlig rund, aber mit jedem Update wurde es tatsächlich besser – Microsoft und Asus scheinen aktiv an Verbesserungen zu arbeiten. Für ein Gerät, das an der Schnittstelle von Konsole und PC steht, ist das fast zu erwarten.

Anschlüsse & Multimedia

Schnittstellen
Oben am Gerät befinden sich zwei USB-C-Anschlüsse: einer mit USB 3.2 Gen 2, der andere mit USB 4 – damit habt ihr genug Bandbreite für schnelle externe SSDs oder sogar externe Grafiklösungen. Sehr zukunftsorientiert.

Außerdem ist ein Micro-SD-Slot vorhanden, mit dem ihr den Speicher erweitern könnt. Allerdings unterstützt das Gerät keine microSD-Express-Karten, was schade ist, weil diese deutlich höhere Übertragungsraten bieten.

Sicherheit & Anmeldung
Ein kleiner, aber feiner Bonus: In der Power-Taste ist ein Fingerabdrucksensor integriert, mit dem ihr euch blitzschnell in Windows anmelden könnt. In meinem Test funktionierte das sehr zuverlässig.

Audio
Die Lautsprecher sind nach vorne ausgerichtet – das ist nicht immer selbstverständlich bei Handhelds. Der Klang ist überraschend kräftig und klar, selbst bei voller Lautstärke. Wenn ihr lieber ganz eintauchen wollt, könnt ihr ein Headset per 3,5-mm-Klinke anschließen, was gut funktioniert.

Reparatur & Wartung

Ein echter Pluspunkt: Das Gehäuse ist mit acht Schrauben (fünf auf der Rückseite, drei unten) gesichert. Beim Öffnen ist zwar Vorsicht geboten (etwa bei den Flachbandkabeln der Makro-Tasten), aber insgesamt ist der Innenaufbau recht nutzerfreundlich. Viele Komponenten lassen sich ohne Lötarbeit tauschen: Akku, Analog-Sticks und sogar die M.2-NVMe-SSD sind einfach zugänglich. Außerdem finden sich Laschen an den Steckverbindungen, was das Ab- und Aufbauen deutlich erleichtert.

Ein besonders schönes Detail: Die Lüfteröffnungen sind mit Staubfiltern ausgestattet – etwas, was man bei anderen Handhelds oft vermisst.

Akku & Mobilität

Mit einem 80-Wh-Akku ausgestattet, liefert die Ally X im mobilen Einsatz beachtliche Ausdauer. Bei meinem Test, in dem ich Control mit 80 % Displayhelligkeit und 60 % Lautstärke spielte, hielt das Gerät etwa 150 Minuten, wenn ich einen energiesparenden Modus (17 Watt) nutzte. Im Turbo-Modus (35 Watt) sank die Laufzeit auf ungefähr 76 Minuten.

Wenn der Akku fast leer ist, ladet ihr ihn mit dem erwähnten 65-Watt-Netzteil (das ihr extra kaufen müsst). Das Ladeerlebnis ist insgesamt solide, aber nicht ideal, weil das passende Netzteil vorausgesetzt wird.

Für unterwegs ist das aber eine starke Leistung: Der große Akku plus effiziente Hardware machen längere Spielesessions ohne Steckdose sehr realistisch.

Fazit – Für wen lohnt sich die Ally X?

Die Asus ROG Xbox Ally X ist ein sehr interessantes Gerät: Sie vereint die Flexibilität eines Windows-PCs mit dem Komfort eines klassischen Controllers, und das in einem tragbaren Format. Für viele wird das genau das sein, was sie sich von einem modernen Handheld wünschen: leistungsstark, vielseitig und in das Microsoft-Ökosystem integriert.

Stärken:

  • Fantastische Ergonomie dank Xbox-Controller-Design
  • Leistungsstarker, effizienter Chip mit guter Akkulaufzeit
  • Gleichzeitige Nutzung von Windows, Steam, Game Pass & Co.
  • Gute Anschlussmöglichkeiten (USB 4, Micro-SD)
  • Reparaturfreundlich und wartbar

Schwächen:

  • Kein Netzteil, kein Kabel, keine Tasche im Lieferumfang
  • Software-Ebenen (Windows, Xbox UI, Armoury Crate) können sich überschneiden und verwirrend sein
  • Display ist solide, aber kein OLED – Konkurrenz bietet mehr
  • Kein Hall-Stick, kein Trackpad

Empfehlung:
Ich würde die Ally X besonders empfehlen für:

  • Gamer, die viel unterwegs spielen wollen, aber dennoch nicht auf die Flexibilität eines PCs verzichten möchten.
  • Windows-Nutzer mit großer Bibliothek, die Spiele von verschiedensten Plattformen (Steam, Xbox, Epic…) verwalten.
  • Leute, die Bereitschaft und Geduld für Software-Updates mitbringen und nicht unbedingt „Plug & Play wie bei einer Switch“ erwarten.

8Wenn ihr hingegen schon ein Steam Deck habt, ist der Leistungsgewinn interessant, aber nicht zwangsläufig ein Must-Have. Wer sehr viel Wert auf ein brillantes Display legt, könnte bei OLED-Handhelds wie dem Steam Deck OLED oder dem Legion Go 2 mehr Freude haben.

Fazit: Die Ally X ist kein perfektes Gerät – aber ein sehr kluger, ambitionierter Schritt in eine neue Richtung des mobilen Gamings. Wenn Asus und Microsoft die Software weiter verfeinern, könnte sie sich zu einem handfesten Meilenstein entwickeln.

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