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| Marc Heiland | Konsolen

WreckIch trete aufs Gaspedal, und sofort explodiert die Action: Mein Sportwagen katapultiert sich in hohem Bogen über eine Sprungschanze, landet punktgenau auf dem Dach eines Kontrahenten und wirbelt ihn durch die Luft – Funken sprühen, die Karosserie knirscht, die Kamera fährt in Slow Motion mit. Es ist dieses Chaos, das Arcade-Racer wie Burnout Paradise unvergesslich gemacht hat, und Wreckreation holt genau dieses Gefühl zurück. Jeder Takedown, jedes Risiko in Kurven oder bei Sprüngen vermittelt diesen Adrenalinrausch, der einen zugleich nervös und euphorisch macht.

Die ersten Minuten sind überwältigend: Über 400 Quadratkilometer riesige Spielwelt liegen vor mir – größer als Paradise City oder Forza Horizon 5. Anfangs wirkte die Karte gigantisch und beinahe einschüchternd, aber beim ersten Rennen verfliegt die Skepsis sofort. Sobald ich den Boost-Knopf drücke, dröhnt der Motor, der Wagen schreit auf, und plötzlich bin ich mitten im klassischen Arcade-Flow: rasante Kurven, riskante Überholmanöver und die Verlockung, jede Rampe mitzunehmen, die ich sehe.

Geschwindigkeit, Chaos und Road Rage

Wreckreation bietet ein besonders befriedigendes Geschwindigkeitsgefühl. Der Wagen liegt schwer auf der Straße, jede Drift fühlt sich mächtig an, aber nie unkontrollierbar. Im Road Rage-Modus wird die ganze Magie sichtbar: Ich fixiere mein nächstes Ziel, ein gegnerisches Auto, und alles andere verschwimmt in einem Blur aus Asphalt und Landschaft. Jeder Treffer ist ein Triumph, jeder Crash ein visuelles Spektakel – und mit jedem weiteren Boost steigt die Euphorie ins Unermessliche.

Die Crashes sind nicht nur inszeniert, sondern interaktiv: Aftertouch erlaubt es, selbst im Flug noch Gegner zu beeinflussen und kombinierte Takedowns zu erzeugen. Ich habe etwa einen Truck von der Straße gerammt, der durch die Luft wirbelte, Teile verlor und beim Aufprall auf einen zweiten Wagen fiel – ein Moment, der pure Zerstörungsfreude mit technischem Feedback verbindet.

MixWorld – die Sandbox des Wahnsinns

Die offene Welt von Wreckreation ist zunächst leer und unbändig weit. Auf den ersten Blick wirkt sie steril: endlose Highways, vereinzelte Flughäfen und kleine Landstraßen. Doch nach ein paar Stunden offenbart sich das Konzept dahinter: Die MixWorld ist eine gestaltbare Sandbox. Jede Rampe, jeder Loop, jede Sprungschanze kann selbst gebaut werden. Ich habe zum Beispiel eine Serie von Rampen errichtet, die mich über mehrere Kilometer hinweg auf ein Dach führten – und es fühlt sich jedes Mal wie ein kleiner Triumph an, wenn ich heil lande.

Der LiveMix-Modus ist hier das Herzstück: Ich platziere Rampen, Loops und Hindernisse in Echtzeit, während andere Spieler gerade über meine Strecken rasen. Beim Test habe ich einen Looping mitten auf einer Landstraße gesetzt, und meine Freunde mussten in Echtzeit reagieren. Der Jubel und die Lachanfälle in unserem Voice-Chat waren unbeschreiblich. Diese spontane Kreativität sorgt dafür, dass selbst routinierte Strecken plötzlich neu und unvorhersehbar werden.

Der Editor – von Rampen bis Gummienten

Der Editor ist intuitiv, aber nicht ohne Tücken. Rampen, Sprungschanzen und Loopings lassen sich mühelos platzieren; komplexere Konstruktionen wie Sky Tracks über unebenes Gelände erfordern hingegen Geduld. Ein Highlight war eine selbstgebaute Strecke, die eine Reihe von Loopings, Feuerkanonen und eine finale Landung auf einem fahrenden Wagen kombinierte. Die Freude, das erste Mal heil durchzufahren, ist mit Worten schwer zu beschreiben – es fühlt sich wie ein interaktiver Stunt-Film an.

Allerdings gibt es Frustmomente: Manche Elemente verbinden sich nicht, oder das Löschen erfordert stundenlange Handarbeit. Bei hundert platzierten Rampen wird das schnell nervig. Trotzdem ist die Freiheit, kreativ zu sein, überwältigend.

Fahrphysik, Anpassung und Schaden

Die Fahrphysik ist arcade-lastig, aber präzise. Drifts sitzen, Sprünge fühlen sich solide an, und der Wagen verhält sich bei voller Geschwindigkeit sehr kontrollierbar. Die Anpassungsmöglichkeiten sind umfangreich: Lackfarben, Felgen, Boost-Flammen, Motorengeräusche und Nummernschilder – alles sofort verfügbar. Bodykits oder Spoiler fehlen, aber das stört kaum, da die Geschwindigkeit, die Kontrolle und die Crashs im Vordergrund stehen.

Das Schadensmodell ist beeindruckend: Karosserien verformen sich realistisch, Teile brechen ab, Türen fliegen auf – selbst nach mehreren Takedowns sieht mein Auto aus wie ein Wrack, was der Immersion einen enormen Schub gibt.

Spielmodi und Solo-Erfahrung

Wreckreation bietet zahlreiche Spielmodi: Rundrennen, Road Rage, Zeitfahren und Offroad-Challenges. Im Solo-Spiel sind die 150 Events solide, können auf Dauer aber repetitiv wirken. Die KI arbeitet mit Rubberbanding, was die Rennen spannend, aber gelegentlich unfair macht. Ein Crash kurz vor der Ziellinie kann eine Stunde Spielzeit zunichtemachen – frustrierend, aber typisch Arcade.

Für Solisten gibt es zudem ein Lizenzsystem: neue Autos und Bauteile werden über Erfolge freigeschaltet. Besonders motivierend ist die Kombination aus Erkunden, Rampen bauen und Fahrzeuge freischalten – selbst wenn die Welt groß und leer wirkt, findet man immer wieder versteckte Belohnungen.

Technik, Grafik und Sound

Auf der PS5 läuft Wreckreation stabil mit 60 FPS. Die Grafik ist solide, aber nicht herausragend: Landschaften wirken teils generisch, die Fahrzeuge hingegen detailreich. Das Schadenssystem glänzt besonders: Funken, deformiertes Blech und aufgewirbelte Trümmer sehen spektakulär aus.

Die Musik unterlegt jede Fahrt passend: 15 Radiosender von Rock über Elektro bis Klassik sorgen für Abwechslung, FM-Radio-Feeling inklusive. Der DualSense-Controller liefert haptisches Feedback bei jedem Aufprall, jeder Kurve und jedem Boost, was das Arcade-Erlebnis noch greifbarer macht.

Multiplayer und soziale Features

Der Multiplayer ist der Herzschlag von Wreckreation: bis zu acht Spieler können gleichzeitig bauen, Rennen fahren oder Stunts meistern. Das LiveMix-Feature erlaubt spontane Änderungen in Echtzeit, was für unerwartete Momente sorgt. Das Wreckord-System verfolgt Rekorde wie Driftlänge, höchsten Sprung oder längsten Boost – Freunde können jederzeit herausfordern und motivieren.

Leider war der Online-Modus während des Tests nur eingeschränkt nutzbar, aber das Potenzial ist enorm: spontane Chaos-Rennen, kreative Bauprojekte und kooperative Events machen Lust auf mehr.

Fazit: Chaos, Kreativität und Arcade-Spaß

7Wreckreation ist kein perfektes Rennspiel, aber eines der ehrlichsten Arcade-Erlebnisse seit langem. Die Mischung aus rasanten Rennen, kreativer Freiheit, zerstörerischem Chaos und Live-Mix-Feature macht das Spiel einzigartig. Solo-Spieler müssen sich auf Wiederholungen einstellen, Multiplayer-Fans bekommen ein Paradies für verrückte Strecken und Takedowns.

Für 39,99 Euro liefert Three Fields Entertainment ein charmantes, kreatives und nostalgisches Rennspiel, das den Geist von Burnout wieder aufleben lässt. Wer wieder das Gefühl purer Geschwindigkeit und Chaos erleben möchte, sollte Wreckreation unbedingt ausprobieren – allein oder mit Freunden.

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