Zum Hauptinhalt springen
| Marc Heiland | Konsolen

CarpenterMit John Carpenter’s Toxic Commando bringt Saber Interactive einen Koop-Shooter auf den Markt, der sich ganz bewusst an Fans klassischer Zombie-Ballereien richtet. Wer Spiele wie Left 4 Dead oder Back 4 Blood liebt, dürfte sich hier sofort heimisch fühlen. Schon nach wenigen Minuten wird klar: Dieses Spiel will kein revolutionärer Genre-Neustart sein, sondern ein brachialer Spaßgarant für Vierer-Teams, die sich gemeinsam durch gigantische Zombiehorden kämpfen. Die Inszenierung erinnert dabei stark an die Massenschlachten aus World War Z – kein Wunder, schließlich stammt auch dieses Spiel aus der Feder desselben Studios. Dass zudem Horror-Legende John Carpenter an Story und Atmosphäre beteiligt war, verleiht dem Titel einen zusätzlichen Kultfaktor.

Die Handlung ist schnell erzählt, passt aber perfekt zum bewusst überdrehten B-Movie-Charakter des Spiels. In einer nahen Zukunft ist ein wissenschaftliches Experiment spektakulär schiefgegangen. Tief im Inneren der Erde wurde ein monströses Wesen freigesetzt, das die Umwelt mit einer schwarzen, klebrigen Substanz verseucht – dem sogenannten „Sludge“. Diese toxische Masse verwandelt Menschen in aggressive Zombies und lässt einige von ihnen sogar zu grotesken Monstrositäten mutieren. Der Wissenschaftler Leon Dorsey versucht verzweifelt, das Chaos wieder einzudämmen, und heuert eine Gruppe Söldner an, um eine spezielle Energiequelle zu beschaffen, mit der sich das Monster möglicherweise stoppen lässt. Natürlich läuft dieser Plan nicht ganz so reibungslos wie erhofft: Die Truppe wird selbst infiziert und kämpft fortan nicht nur gegen die Zombiehorden, sondern auch gegen ihre eigene drohende Verwandlung.

Spielerisch setzt Toxic Commando voll auf Koop-Action. Eine Mission bestreitet man idealerweise mit bis zu vier Spielern, wobei jeder Charakter eine von vier Klassen übernehmen kann. Zur Auswahl stehen der offensive Strike-Soldat, der heilende Mediziner, der defensive Tank-ähnliche Defender und der technisch versierte Operator. Jede dieser Rollen bringt einzigartige Fähigkeiten mit. Der Strike-Soldat etwa glänzt mit hoher Feuerkraft und kann als Spezialangriff sogar explosive Feuerbälle entfesseln. Der Mediziner wiederum unterstützt das Team mit Heilkreisen und besitzt als einzige Klasse die Möglichkeit zur Selbstheilung. Der Defender steckt besonders viel Schaden ein und schützt seine Kameraden mit einer Plasmakuppel, während der Operator mit einer Drohne Gegner lahmlegt oder gefallene Teammitglieder wiederbelebt.

Diese Klassenmechaniken sorgen dafür, dass sich das Spiel im Koop deutlich taktischer anfühlt, als man zunächst erwarten würde. Zwar besteht ein Großteil der Action aus hektischem Dauerfeuer auf Zombiehorden, doch die richtige Kombination aus Fähigkeiten entscheidet häufig über Sieg oder Niederlage. Gerade in den großen Verteidigungssequenzen, wenn Wellen von Untoten auf das Team zustürmen, wird klar, wie wichtig koordinierte Teamarbeit ist. Ein falsch platzierter Heilkreis oder eine zu spät aktivierte Verteidigungsdrohne kann schnell das Ende einer Mission bedeuten.

Eine Besonderheit von Toxic Commando ist die halb offene Struktur der Levels. Statt streng linearer Missionen bewegt man sich durch große Sandbox-Gebiete, in denen mehrere Ziele und Nebenaktivitäten verteilt sind. Insgesamt umfasst die Kampagne drei Akte mit neun Missionen, die jeweils rund 40 bis 50 Minuten dauern können. Die Aufgaben reichen von klassischen Verteidigungsmissionen – etwa dem Schutz einer Kirche gegen Zombiehorden – bis hin zu Transportmissionen, bei denen man eine Batterie oder andere wichtige Ressourcen durch feindliches Gebiet bringen muss.

Dabei lohnt es sich selten, direkt zum nächsten Missionsmarker zu sprinten. Überall in den Levels verstecken sich verlassene Camps, Gebäude oder Versorgungspunkte, in denen wertvolle Ressourcen liegen. Munition, Heiltränke, Auto-Revives oder Reparaturkits können im späteren Verlauf einer Mission den entscheidenden Unterschied machen. Besonders wichtig sind sogenannte Ersatzteile, die man bei der Erkundung findet. Diese lassen sich später einsetzen, um zerstörte Fahrzeuge zu reparieren, Verteidigungsanlagen aufzubauen oder besonders mächtige Waffen freizuschalten. Wer diese optionalen Orte ignoriert, wird spätestens bei den finalen Verteidigungssequenzen merken, dass ihm wichtige Ressourcen fehlen.

Apropos Fahrzeuge: Sie sind ein zentraler Bestandteil des Spiels und verleihen Toxic Commando eine überraschende Dynamik. Statt ausschließlich zu Fuß durch die Apokalypse zu laufen, kapert man regelmäßig Autos, Krankenwagen, Taxis oder militärische Transportfahrzeuge. Diese dienen nicht nur dazu, große Entfernungen schneller zu überbrücken, sondern fungieren gleichzeitig als mobile Waffenplattformen. Während ein Spieler am Steuer sitzt, können die anderen Passagiere aus den Fenstern feuern oder montierte Geschütze bedienen. Einige Fahrzeuge besitzen sogar Spezialfähigkeiten wie Flammenwerfer, EMP-Explosionen oder Seilwinden, mit denen man sich aus tiefem Schlamm befreien kann.

Gerade diese Fahrpassagen geben dem Spiel einen eigenen Rhythmus. Man rast mit einem LKW durch schlammige Landschaften, überfährt Zombies oder schießt aus den Fenstern auf heranstürmende Gegner. Gleichzeitig muss man stets ein Auge auf den Benzinvorrat haben. Bleibt der Tank leer, bleibt auch das Fahrzeug stehen – und plötzlich befindet sich das Team mitten in einer Zombiehorde. Beschädigte Autos lassen sich zwar reparieren, doch dafür muss ein kleines Timing-Minispiel erfolgreich absolviert werden.

JohnCarpenter2Auch solo lässt sich Toxic Commando spielen. In diesem Fall wird das Team durch KI-Begleiter ergänzt, die zwar nicht perfekt agieren, aber immerhin zuverlässig auf Gegner feuern und einfache Befehle ausführen. Ein kleiner Nachteil: Die KI kann Fahrzeuge nicht selbstständig steuern. Trotzdem funktioniert das Spiel auch allein überraschend gut, weil die NPC-Partner zumindest im Kampf sehr aggressiv auftreten und damit das Gefühl eines echten Teams vermitteln.

Im Laufe des Spiels sammeln Spieler Kristalle als Währung, mit denen neue Waffen, Mods oder kosmetische Items gekauft werden können. Das Arsenal reicht von klassischen Sturmgewehren über Scharfschützengewehre bis hin zu Granatwerfern oder schweren Maschinengewehren. Besonders motivierend ist das umfangreiche Mod-System: Laserpointer, Zielfernrohre, Griffe oder Armstützen verändern Werte wie Rückstoß, Reichweite oder Präzision. Zusätzlich existiert ein Fähigkeitsbaum für jede Klasse, in dem man etwa größere Heilungsradien, mehr Munition oder verbesserte Drohnenfähigkeiten freischalten kann.

Allerdings hat dieses Fortschrittssystem auch seine Schattenseiten. Viele Upgrades sind relativ teuer und erfordern große Mengen der Ressource „Sludgite“. Dadurch entsteht ein gewisser Grind-Faktor, der nicht unbedingt zum schnellen, unkomplizierten Charakter eines Horde-Shooters passt. Wer wirklich alle Waffen und Klassen vollständig ausbauen möchte, muss deutlich mehr Zeit investieren als die etwa zehn Stunden, die man für den Abschluss der Kampagne benötigt.

Technisch hinterlässt Toxic Commando einen sehr soliden Eindruck. Besonders beeindruckend sind die gigantischen Zombiehorden, die gleichzeitig über den Bildschirm strömen. Selbst wenn Hunderte Untote gleichzeitig angreifen, bleibt die Bildrate stabil. Das Gunplay fühlt sich wuchtig und befriedigend an, Headshots haben ordentlich Impact, und Explosionen sorgen regelmäßig für spektakuläre Momente. Ein kleiner Wermutstropfen sind allerdings die teilweise langen Ladezeiten vor Missionsbeginn, die etwas aus der Zeit gefallen wirken.

Atmosphärisch lebt das Spiel stark von seinem bewusst überdrehten 80er-Jahre-Feeling. Titel, Soundtrack und Story vermitteln das Gefühl eines verlorenen Action-Horrorfilms aus der VHS-Ära. Man hat fast den Eindruck, Toxic Commando könnte tatsächlich auf einem alten Kultfilm basieren – ähnlich wie etwa Killer Klowns from Outer Space. Dieser leicht trashige Ton passt hervorragend zum Spielgeschehen und verhindert, dass sich das Gemetzel jemals zu ernst nimmt.

Am Ende bleibt jedoch der Eindruck, dass Toxic Commando selten über die Summe seiner Einzelteile hinausgeht. Viele Mechaniken erinnern stark an andere Titel aus dem Portfolio von Saber Interactive oder ähnlichen Spielen des Genres. Die riesigen Zombiehorden wecken Erinnerungen an World War Z, die Fahrzeugpassagen erinnern stellenweise an Offroad-Simulationen, und das grundlegende Gameplay folgt dem bekannten Muster aus Fahren, Ballern, Looten und wiederholen.

Das muss allerdings nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein. Denn trotz dieser Familiarität macht Toxic Commando über weite Strecken schlicht enorm viel Spaß. Vor allem im Koop entfaltet das Spiel seine größte Stärke. Gemeinsam mit Freunden durch eine offene Karte zu rasen, Zombies zu überfahren, Geschütztürme aufzubauen und sich gegen gigantische Angriffswellen zu verteidigen, sorgt für viele spektakuläre und oft auch chaotische Momente.

Fazit: Unterm Strich ist John Carpenter’s Toxic Commando ein klassischer Koop-Shooter alter Schule. Das Spiel erfindet das Genre nicht neu, 7liefert aber genau das, was Fans erwarten: wuchtiges Gunplay, riesige Zombiehorden, ein paar interessante taktische Elemente und jede Menge explosive Action. Ein größerer Umfang oder zusätzliche Modi – etwa ein klassischer Horde-Mode – hätten dem Spiel zwar gutgetan, doch mit angekündigten Erweiterungen und einem Season Pass könnte sich das Angebot in Zukunft noch erweitern.

Wer also Lust auf unkomplizierte Koop-Ballerei mit starkem B-Movie-Charme hat, wird mit Toxic Commando sehr wahrscheinlich eine gute Zeit verbringen. Es ist vielleicht kein Meilenstein des Genres, aber definitiv ein Titel, der zeigt, dass man das Rad nicht neu erfinden muss, um Spieler stundenlang vor den Bildschirm zu fesseln.

Impressum - Datenschutz

Copyright 2016 © Inn-Joy.de All Rights Reserved. 

Joomla! © name is used under a limited license from Open Source Matters in the United States and other countries.