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| Marc Heiland | Konsolen

EldenRingSwitchBild1Es gibt Spiele, die funktionieren auf nahezu jeder Plattform. Und dann gibt es Spiele wie Elden Ring, bei denen man sich lange fragt, ob die technische Umsetzung auf einer deutlich schwächeren Hardware überhaupt funktionieren kann. Mit der Tarnished Edition wagt FromSoftware nun den Schritt auf die Nintendo Switch 2 – und bringt damit eines der umfangreichsten und anspruchsvollsten Action-RPGs der vergangenen Jahre erstmals in den mobilen Bereich.

Das Ergebnis fällt erstaunlich überzeugend aus. Denn die Tarnished Edition ist nicht einfach eine abgespeckte Version für unterwegs. Vielmehr bekommt ihr das komplette Elden Ring-Erlebnis inklusive der umfangreichen Erweiterung Shadow of the Erdtree. Dazu kommen einige zusätzliche Inhalte, die speziell diese Edition ergänzen. Das Paket ist damit nicht nur technisch interessant, sondern auch inhaltlich ausgesprochen umfangreich.

Wer Elden Ring bislang noch nicht gespielt hat, bekommt hier die vielleicht beste Gelegenheit, in die Welt der Zwischenlande einzutauchen. Und wer bereits hunderte Stunden auf PlayStation, Xbox oder PC verbracht hat, muss sich eine andere Frage stellen: Ist die Switch-2-Version so gut, dass sich die Reise ein zweites Mal lohnt?

Die Zwischenlande in der Hosentasche

Elden Ring hat das klassische Soulslike-Konzept bereits bei seiner Veröffentlichung deutlich erweitert. Anstatt Spieler durch weitgehend lineare Gebiete zu schicken, öffnet FromSoftware eine riesige Fantasywelt, die geradezu dazu einlädt, vom vorgesehenen Weg abzuweichen.

Die Zwischenlande gehören zu den faszinierendsten offenen Spielwelten überhaupt. Hinter nahezu jedem Hügel kann etwas Interessantes verborgen sein. Eine Ruine, eine Höhle, ein unterirdischer Bereich, ein vergessener Gegner oder ein kompletter Dungeon – wer einfach loszieht und seiner Neugier folgt, wird ständig belohnt.

Diese Freiheit ist gleichzeitig einer der größten Unterschiede zu früheren Souls-Spielen. Wenn ein Gegner oder Boss zu mächtig ist, müsst ihr euch nicht zwangsläufig stundenlang an ihm abarbeiten. Oft genügt es, das Gebiet zu verlassen und in eine andere Richtung aufzubrechen. Vielleicht findet ihr dort eine bessere Waffe, wertvolle Ressourcen oder genügend Runen, um euren Charakter weiterzuentwickeln.

Mit Torrent, eurem treuen Geisterross, wird die Erkundung zusätzlich zu einem wichtigen Bestandteil des Spiels. Was am Horizont zunächst unerreichbar erscheint, kann tatsächlich der nächste interessante Ort sein. Diese konsequente Freiheit erzeugt ein außergewöhnliches Gefühl von Größe und Entdeckung.

Soulslike bleibt Soulslike

Trotz der offenen Welt bleibt Elden Ring seinen Wurzeln treu. Wer bereits Dark Souls oder Bloodborne gespielt hat, wird sich schnell heimisch fühlen. Das Kampfsystem verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und ein gutes Verständnis für die Bewegungen der Gegner.

Unüberlegte Angriffe werden ebenso bestraft wie eine falsch eingeschätzte Distanz. Ausdauer spielt eine zentrale Rolle, und gerade bei schwierigeren Gegnern entscheidet häufig nicht die Stärke des Charakters, sondern das eigene Timing.

Gleichzeitig macht Elden Ring den Einstieg etwas zugänglicher als viele seiner Vorgänger. Das Spiel erklärt weiterhin längst nicht alles und liebt seine Geheimnisse, doch die offene Struktur sorgt dafür, dass Frust nicht zwangsläufig in einer Sackgasse endet.

Eine besonders wichtige Neuerung sind die Geisteraschen. Mit ihrer Hilfe könnt ihr bei vielen größeren Auseinandersetzungen Unterstützung herbeirufen. Ob Wölfe, Skelette oder mächtige Krieger – die beschworenen Verbündeten können einen schwierigen Kampf erheblich erleichtern.

Das verändert den Charakter des Spiels allerdings nicht grundsätzlich. Elden Ring bleibt anspruchsvoll. Es verlangt euch weiterhin einiges ab und vermittelt genau deshalb dieses besondere Gefühl, wenn nach zahlreichen gescheiterten Versuchen endlich ein Boss fällt.

Eine Welt voller Geheimnisse

Die Geschichte von Elden Ring erzählt sich nicht auf klassische Weise. FromSoftware setzt erneut stark auf Atmosphäre, Andeutungen und eine Welt, deren Hintergründe sich erst nach und nach erschließen.

Viele Informationen verstecken sich in Gegenstandsbeschreibungen, Gesprächen und den Details der Spielwelt. Dabei stammt ein Teil der Lore aus der Zusammenarbeit mit dem bekannten Fantasyautor George R. R. Martin. Trotzdem steht die eigentliche Handlung nicht unbedingt im Mittelpunkt des Spielerlebnisses.

Viel wichtiger ist das Gefühl, selbst etwas zu entdecken.

Ob die grünen Landschaften von Limgrave, das von Wasser geprägte Liurnia, das groteske Caelid oder die imposante Hauptstadt Leyndell – jede Region besitzt ihren eigenen Charakter. Gleichzeitig sind die Gebiete miteinander verbunden und stecken voller kleiner Geschichten.

Wer nur dem Hauptpfad folgt, wird deshalb einen beträchtlichen Teil dessen verpassen, was Elden Ring eigentlich ausmacht. Erst beim gründlichen Erkunden zeigt sich, wie dicht diese Welt gestaltet wurde.

Shadow of the Erdtree ist gleich mit dabei

Ein besonders großer Pluspunkt der Tarnished Edition ist ihr Umfang. Neben dem Hauptspiel ist auch Shadow of the Erdtree Bestandteil des Pakets.

Die Erweiterung fügt dem ohnehin gewaltigen Spiel noch einmal eine große Menge an Inhalten hinzu. Damit bekommt ihr auf der Switch 2 nicht lediglich die ursprüngliche Version von Elden Ring, sondern ein Gesamtpaket, das euch problemlos für viele Dutzend oder sogar mehrere hundert Stunden beschäftigen kann.

Allerdings bringt Shadow of the Erdtree auch ein System mit, das nicht bei jedem Spieler auf Begeisterung stoßen dürfte. Die Erweiterung setzt auf eine spezielle Form der Progression, die euren Charakter innerhalb des DLC-Gebiets stärker macht. Das erhöht gleichzeitig die Überlebenschancen, verändert aber auch das Gefühl des Fortschritts.

Unabhängig davon bleibt die Erweiterung eine enorme Bereicherung. Wer Elden Ring liebt, bekommt schlicht noch mehr von dem, was das Spiel so außergewöhnlich macht.

Die neuen Inhalte der Tarnished Edition

Neben Hauptspiel und Erweiterung enthält die Tarnished Edition einige zusätzliche Inhalte. Dazu gehören unter anderem neue Ausrüstungsgegenstände und vier zusätzliche Rüstungssets. Außerdem gibt es neue optische Anpassungen für Torrent, mit denen sich euer Reittier etwas individueller gestalten lässt.

Interessanter sind die beiden zusätzlichen Startklassen. Der Idus Knight setzt stärker auf Geschicklichkeit und einen schnellen Kampfstil, während der Heavy Knight deutlich schwerer gerüstet ist und auf brachiale Gewalt setzt.

Für den Einstieg sorgen die beiden Klassen durchaus für etwas Abwechslung. Wer allerdings bereits weiß, welche Charakterentwicklung er langfristig verfolgen möchte, wird vermutlich relativ schnell zu seinem bevorzugten Build wechseln.

Die zusätzlichen Inhalte sind deshalb eher nette Ergänzungen als ein entscheidender Kaufgrund. Wer Elden Ring bereits auf einer anderen Plattform besitzt, muss die Switch-2-Version also nicht allein wegen dieser Extras erwerben.

EldenRingSwitchBild2Technisch erstaunlich stark

Die größte Überraschung der Tarnished Edition ist zweifellos die technische Umsetzung.

Frühe Eindrücke der Switch-2-Version hatten durchaus Anlass zur Sorge gegeben. Die Performance wirkte teilweise so instabil, dass Zweifel aufkamen, ob Elden Ring auf Nintendos neuer Hardware überhaupt vernünftig laufen würde.

Die finale Version zeigt sich glücklicherweise von einer ganz anderen Seite.

Natürlich kann die Switch 2 nicht mit einem leistungsstarken Gaming-PC oder einer PlayStation 5 gleichziehen. Dennoch gelingt es der Tarnished Edition erstaunlich gut, die beeindruckende Optik des Originals auf die Nintendo-Hardware zu übertragen.

Die weitläufigen Landschaften, die gigantischen Gegner und die detaillierten Umgebungen sehen sowohl im Handheld-Modus als auch am Fernseher bemerkenswert gut aus. Dabei muss man mit kleineren Abstrichen leben. Gelegentlich fallen Pop-ins auf, und bei besonders hektischen Szenen mit zahlreichen großen Gegnern kann es zu kurzen Leistungseinbrüchen kommen.

Im Großen und Ganzen bleibt die Darstellung jedoch erstaunlich stabil. Gerade angesichts der Größe und Komplexität der Spielwelt ist das eine technische Leistung, die Respekt verdient.

Keine Grafikmodi, aber ein guter Kompromiss

Ein Punkt dürfte ambitionierte Spieler allerdings stören: Die Tarnished Edition bietet keine unterschiedlichen Grafik- oder Performance-Modi, zwischen denen ihr wechseln könnt.

FromSoftware verfolgt stattdessen einen festen Ansatz und versucht, einen möglichst guten Mittelweg zwischen Bildqualität und Performance zu finden. Das funktioniert insgesamt gut, lässt aber weniger Raum für persönliche Vorlieben.

Wer Elden Ring ausschließlich am großen Fernseher spielen möchte und Zugriff auf eine leistungsstärkere Plattform hat, bekommt dort zweifellos die technisch bessere Version.

Doch genau darum geht es bei der Tarnished Edition auch nicht.

Ihre eigentliche Stärke liegt darin, dass ihr das komplette Elden Ring-Erlebnis nun auch unterwegs spielen könnt.

Handheld statt High-End-TV

Und genau hier entfaltet die Switch-2-Version ihren besonderen Reiz.

Elden Ring ist ein Spiel, in dem man sich verlieren kann. Eine kurze Spielsession kann schnell zu einer mehrstündigen Expedition werden, weil hinter dem nächsten Hügel eben doch noch eine Höhle wartet oder ein neuer Dungeon entdeckt werden möchte.

Dass dieses Erlebnis nun auch mobil möglich ist, verändert die Wahrnehmung des Spiels durchaus. Auf dem Handheld-Display wirken die gewaltigen Landschaften natürlich kleiner als auf einem großen Fernseher, gleichzeitig gewinnt das Abenteuer dadurch eine enorme Flexibilität.

Die technische Umsetzung ist dabei gut genug, dass der Wechsel zwischen TV und Handheld nicht wie ein massiver Qualitätsverlust wirkt.

Allerdings sollte man den Energiebedarf nicht unterschätzen. Ein technisch derart anspruchsvolles Spiel fordert die Switch 2 ordentlich und dürfte den Akku deutlich schneller leeren als weniger aufwendige Titel.

Einsteigerfreundlicher als sein Ruf

Elden Ring genießt den Ruf eines extrem schwierigen Spiels. Dieser Ruf ist nicht unbegründet, kann aber auch abschreckender wirken, als es tatsächlich notwendig wäre.

Gerade die offene Welt macht Elden Ring zugänglicher. Ihr müsst nicht zwangsläufig immer weiter gegen denselben Boss kämpfen. Wenn ihr nicht weiterkommt, geht ihr eben woanders hin.

Dazu kommen die bereits erwähnten Geisterbeschwörungen und zahlreiche Möglichkeiten, den eigenen Charakter zu optimieren.

Das bedeutet nicht, dass Elden Ring plötzlich einfach wäre. Wer ungeduldig spielt, wird weiterhin regelmäßig auf die harte Tour lernen müssen. Aber das Spiel gibt euch wesentlich mehr Möglichkeiten, mit seinen Herausforderungen umzugehen.

Gerade für Nintendo-Spieler, die bisher noch keinen Kontakt mit FromSoftwares Soulslikes hatten, ist die Tarnished Edition deshalb eine hervorragende Gelegenheit, sich auf dieses besondere Spielprinzip einzulassen.

Unser Fazit

Elden Ring: Tarnished Edition ist ein beeindruckender Beweis dafür, was die Nintendo Switch 2 technisch leisten kann. FromSoftwares gewaltiges Action-RPG verliert beim Wechsel auf die Nintendo-Plattform erstaunlich wenig von seiner Faszination.

Natürlich gibt es kleinere technische Einschränkungen. Gelegentliche Pop-ins und kurze Performance-Einbrüche lassen sich nicht vollständig vermeiden, und wer ausschließlich am Fernseher spielt, findet auf leistungsstärkeren Plattformen weiterhin die technisch überzeugendere Variante.

Aber darum geht es bei dieser Edition letztlich nur bedingt.

Die große Stärke ist die Kombination aus Elden Ring, Shadow of the Erdtree und den zusätzlichen Inhalten in einem Paket, das ihr erstmals auch unterwegs erleben könnt. Die offene Welt, das herausragende Kampfsystem, die geheimnisvolle Lore und die unglaubliche Menge an versteckten Inhalten funktionieren auch auf der Switch 2 hervorragend.

Wer Elden Ring noch nie gespielt hat, bekommt hier ein außergewöhnlich umfangreiches Gesamtpaket. Und wer 9bereits ein großer Fan ist, erhält mit der mobilen Variante einen überzeugenden Grund, erneut in die Zwischenlande aufzubrechen.

Elden Ring bleibt eines der herausragendsten Action-RPGs seiner Generation – und die Tarnished Edition zeigt eindrucksvoll, dass dieses Abenteuer auch auf der Switch 2 nichts von seiner Magie verliert.

Bilder: (c) Bandai Namco, Text: U. Sperling

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