Just Dance: Decades of Hits im Test (PS5) – Sechs Jahrzehnte Musik, aber nicht jeder Schritt sitzt
Manchmal braucht es nicht mehr als einen bekannten Song, ein wenig Platz vor dem Fernseher und die Bereitschaft, sich zum Affen zu machen. Genau daraus bezieht Just Dance seit Jahren seinen Reiz. Die Reihe verwandelt das Wohnzimmer in eine Tanzfläche, auf der nicht Perfektion, sondern gemeinsamer Spaß zählt. Mit Just Dance: Decades of Hits schlägt Ubisoft nun ein musikalisches Kapitel auf, das verschiedene Generationen miteinander verbinden soll. Statt sich ausschließlich an aktuellen Trends zu orientieren, führt die Playlist von den Klassikern vergangener Jahrzehnte bis zu jüngeren Chart-Erfolgen. Das klingt nach einer guten Grundlage für gesellige Abende – und tatsächlich steckt in dieser Zusammenstellung einiges an Unterhaltung. Auf der PS5 wird das Vergnügen allerdings von technischen Unzulänglichkeiten begleitet, die den positiven Eindruck immer wieder trüben.
Von Popklassikern bis zu aktuellen Hits
Die musikalische Auswahl bildet das Herzstück des Spiels. Insgesamt stehen 35 Songs sowie fünf alternative Versionen zur Verfügung, die sich über mehrere Jahrzehnte verteilen. Dabei treffen unterschiedliche musikalische Welten aufeinander: Die Spice Girls und Billy Joel stehen neben den Gorillaz, während jüngere Namen wie Sabrina Carpenter und Chappell Roan ebenfalls vertreten sind. Dadurch entsteht eine Mischung, die sich nicht allein an einer bestimmten Altersgruppe orientiert. Gerade wenn mehrere Generationen gemeinsam spielen, kann diese Bandbreite für schöne Überraschungen sorgen.
Allerdings bedeutet eine große zeitliche Spannweite nicht automatisch, dass jeder Titel gleichermaßen zum Tanzen einlädt. Manche Songs funktionieren hervorragend, andere dürften eher eine Frage des persönlichen Geschmacks sein. Hinzu kommt, dass nicht alle Stücke in ihren bekannten Originalaufnahmen enthalten sind. Einige Titel wurden neu interpretiert. Diese Versionen können durchaus überzeugen, erreichen aber nicht zwangsläufig die vertraute Wirkung der Originale. Wer bei einem bekannten Klassiker sofort die ursprüngliche Stimme erwartet, muss sich deshalb gelegentlich umstellen.
Trotz dieser Einschränkungen bietet die Playlist genügend Material für abwechslungsreiche Tanzrunden. Besonders die Mischung aus nostalgischen Erinnerungen und jüngeren Hits sorgt dafür, dass die Musikauswahl nicht ausschließlich auf ein Publikum zugeschnitten ist. Dennoch hätte ich mir bei der Zusammenstellung an manchen Stellen etwas mehr Konsequenz gewünscht. Nicht jeder Song entfaltet auf der Tanzfläche dieselbe Energie, und einige Titel bleiben weniger nachhaltig im Gedächtnis als andere.
Ein Abenteuer als musikalischer Wegweiser
Eine interessante Ergänzung ist der neue Abenteuermodus. Hier werden die Songs in eine kleine Geschichte eingebettet, in deren Mittelpunkt Lyra Gigavolt steht. Sie begibt sich auf eine Reise durch verschiedene Zeitepochen, um ihren Vater zu retten. Jede Station widmet sich einem anderen Jahrzehnt und verbindet die Musik mit kleineren Aufgaben und zusätzlichen Herausforderungen.
Die Geschichte ist bewusst einfach gehalten. Sie soll keine aufwendige Erzählung ersetzen, sondern einen Anlass bieten, die einzelnen Songs in einer bestimmten Reihenfolge zu entdecken. Neben den Tanzsequenzen sorgen kleine Quiz- und Geschicklichkeitsaufgaben für Abwechslung. Wer lieber unmittelbar zur Musik übergehen möchte, kann den erzählerischen Rahmen weitgehend umgehen.
Der Modus ist damit eine sinnvolle Ergänzung, ohne das Spielprinzip grundsätzlich zu verändern. Er verleiht der Songauswahl einen roten Faden und eignet sich besonders für Spielerinnen und Spieler, die gerne ein gemeinsames Ziel verfolgen. Die Inszenierung hätte zwar etwas umfangreicher ausfallen dürfen, doch als zusätzliche Möglichkeit, die Inhalte zu erleben, erfüllt das Abenteuer seinen Zweck. Es ist keine große spielerische Revolution, aber eine willkommene Abwechslung zum bloßen Durchstöbern der Titelliste.
Choreografien mit Unterhaltungswert
Auf der Tanzfläche zeigt sich, warum das Konzept nach wie vor funktioniert. Die Choreografien greifen den Rhythmus der jeweiligen Songs auf und bieten unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Einige Abläufe sind auch für Anfänger schnell nachvollziehbar, andere verlangen mehr Koordination und Körpereinsatz. Dadurch kann die Gruppe selbst entscheiden, ob sie es entspannt angehen lässt oder sich an anspruchsvolleren Routinen versucht.
Auch die visuelle Präsentation bietet gelungene Momente. Farbenfrohe Kulissen, auffällige Kostüme und ungewöhnliche Ideen sorgen dafür, dass die einzelnen Auftritte einen eigenen Charakter entwickeln. Einige Tänze setzen dabei stärker auf eine kreative Inszenierung als auf die vertraute Standardoptik der Reihe. Gerade solche Ausreißer bleiben positiv im Gedächtnis, weil sie zeigen, wie unterschiedlich sich Musik in Bewegung und Bilder übersetzen lässt.
Allerdings erreicht nicht jede Routine dasselbe Niveau. Bei manchen Liedern hätte ich mir eine engere Verbindung zwischen der musikalischen Identität und der Gestaltung des Tanzvideos gewünscht. Wenn ein Song einen ganz eigenen Stil mitbringt, darf sich dieser ruhig deutlicher in der visuellen Umsetzung widerspiegeln. Insgesamt bleibt die Präsentation dennoch unterhaltsam und bildet zusammen mit der Musik die größte Stärke des Spiels.
Smartphone und PS5: Die Verbindung wird zur Geduldsprobe
So schnell die Musik für gute Laune sorgen kann, so schnell wird diese Stimmung durch technische Schwierigkeiten ausgebremst. In meinem Test der PS5-Version erwies sich insbesondere die Verbindung zwischen Smartphone und Spiel als problematisch. Eigentlich soll das Mobiltelefon den Einstieg erleichtern: App öffnen, Gerät verbinden und schon kann die nächste Tanzrunde beginnen. In der Praxis lief dieser Ablauf jedoch nicht so reibungslos, wie man es von einem unkomplizierten Partyspiel erwarten darf.
Besonders enttäuschend ist die Möglichkeit, das Smartphone für eine vollständige Kameraerfassung des eigenen Körpers zu nutzen. Die Idee klingt vielversprechend, weil sie eine andere Form der Bewegungserkennung ermöglicht. Bei mir funktionierte diese Option jedoch nicht vernünftig. Die Einrichtung und Nutzung waren nicht zuverlässig genug, um daraus eine überzeugende Alternative zu machen.
Auch bei der herkömmlichen Smartphone-Steuerung zeigte sich keine durchgehend saubere Umsetzung. Die Bedienung reagierte nicht immer so zuverlässig, wie es für ein Spiel dieser Art erforderlich wäre. Gerade weil die Steuerung den direkten Kontakt zwischen Spieler und Spiel herstellen soll, fallen solche Probleme besonders stark ins Gewicht. Statt sich ganz auf den Song und die Choreografie einzulassen, muss man sich mit der Technik beschäftigen.
Das ist umso ärgerlicher, weil Just Dance von seiner unmittelbaren Zugänglichkeit lebt. Man möchte Freunde zusammenrufen, einen Titel auswählen und ohne lange Vorbereitung loslegen. Wenn bereits die Verbindung zum Smartphone zum Hindernis wird, geht ein wichtiger Teil dieses unkomplizierten Spielgefühls verloren. Die technische Umsetzung ist deshalb für mich einer der größten Kritikpunkte der PS5-Version.
Die Punktewertung ist zu leicht auszutricksen
Ein weiteres Ärgernis betrifft die Bewertung der eigenen Tanzleistung. Auch diesmal lässt sich das System mit vergleichsweise einfachen Bewegungen überlisten. Wer sich mit der Punktewertung beschäftigt, merkt schnell, dass nicht zwingend eine möglichst genaue Nachahmung der Choreografie erforderlich ist, um ein ordentliches Ergebnis zu erzielen.
Natürlich soll Just Dance Menschen ohne Tanzerfahrung nicht abschrecken. Das Spiel muss weder eine professionelle Tanzschule simulieren noch jeden Fehler gnadenlos bestrafen. Trotzdem sollte die Wertung einen nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen Bewegung und Ergebnis herstellen. Genau dieser Anspruch wird für mich nicht ausreichend erfüllt.
Das Problem ist nicht neu, weshalb es besonders schwer wiegt. Über die Jahre hätte sich die Bewegungserkennung spürbar weiterentwickeln dürfen. Wer nur zum Spaß tanzt, wird sich daran vermutlich weniger stören. Sobald man jedoch versucht, den eigenen Punktestand zu verbessern oder sich mit anderen zu messen, verliert die Wertung an Aussagekraft. Ein höheres Ergebnis ist schließlich nur dann befriedigend, wenn man das Gefühl hat, es durch die eigene Leistung verdient zu haben.
Partyspiel und Bewegungstraining
Abseits der technischen Probleme bleibt Just Dance: Decades of Hits ein Spiel, das Menschen schnell zusammenbringt. Die Regeln sind leicht verständlich, die Songauswahl bietet Gesprächsstoff, und die unterschiedlichen Choreografien sorgen für genügend Abwechslung. Besonders in einer Gruppe entstehen häufig die unterhaltsamsten Situationen nicht durch perfekte Bewegungen, sondern durch verpasste Schritte, spontane Improvisationen und den Versuch, sich irgendwie im Takt zu halten.
Darüber hinaus eignet sich das Spiel als lockere Möglichkeit, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Mehrere Songs hintereinander können durchaus anstrengend werden, und je nach Choreografie kommen unterschiedliche Muskelgruppen zum Einsatz. Wer sich eine passende Abfolge zusammenstellt, kann Musik und körperliche Aktivität miteinander verbinden, ohne dafür ein klassisches Trainingsprogramm absolvieren zu müssen.
Weniger angenehm ist die Vermischung der eigenen Songs mit weiteren verfügbaren Inhalten, die zusätzliche Käufe oder ein Abonnement voraussetzen können. Das erschwert gelegentlich die Orientierung und erinnert daran, dass Ubisoft die Reihe längst als fortlaufende Plattform betreibt. Wer einfach nur seine vorhandenen Songs auswählen möchte, würde von einer klareren Trennung zwischen enthaltenen und kostenpflichtigen Inhalten profitieren.
Fazit: Gute Unterhaltung mit vermeidbaren Schwächen
Just Dance: Decades of Hits bietet eine abwechslungsreiche musikalische Zeitreise, die Klassiker und jüngere Hits miteinander verbindet. Der Abenteuermodus bringt mehr Struktur in die Songauswahl, die Choreografien sorgen für unterhaltsame Momente, und das Grundkonzept funktioniert auch nach vielen Jahren noch. Gerade für Familien und Gruppen, die gemeinsam aktiv werden möchten, bleibt die Reihe eine attraktive Option.
Auf der PS5 verhindern allerdings technische Schwächen ein besseres Ergebnis. Die Verbindung zum Smartphone ist nicht zuverlässig genug, die Kameraerfassung des gesamten Körpers funktionierte in meinem Test nicht überzeugend, und auch die reguläre Smartphone-Steuerung ließ zu wünschen übrig. Dass sich die Punktewertung weiterhin vergleichsweise leicht umgehen lässt, verstärkt den Eindruck, dass Ubisoft bei wichtigen Bestandteilen des Spielerlebnisses mehr hätte leisten können.
So bleibt ein Tanzspiel, das durchaus Spaß macht, sich aber unnötig selbst im Weg steht. Die Musik und die Choreografien liefern eine solide Grundlage, während die technische Umsetzung und die wenig überzeugende Bewegungserkennung den Gesamteindruck schmälern. Für einen gelungenen Abend mit Freunden reicht das aus – für eine uneingeschränkte Empfehlung fehlt jedoch der letzte Schritt.
