Enshrouded im Test (PS5): Ein Fantasy-Abenteuer, das uns immer wieder vom Feierabend abhält
Mit „Enshrouded“ bringt das deutsche Entwicklerstudio Keen Games eine Mischung aus Action-Rollenspiel, Survival-Abenteuer und kreativer Aufbausandbox auf die PlayStation 5, die sich als erstaunlich vielseitiges Gesamtpaket entpuppt. Die geheimnisvolle Welt Embervale lockt mit gefährlichen Dungeons, spannenden Entdeckungen und einem außergewöhnlich flexiblen Bausystem. Doch wie gut funktioniert die Mischung auf der Konsole, und können die unterschiedlichen Spielmechaniken dauerhaft motivieren? Wir haben uns in die Nebelschwaden gewagt und verraten euch, warum aus einer kurzen Erkundungstour schnell ein ganzer Spieleabend wird.
Willkommen in einer Welt voller Geheimnisse
Eigentlich wollten wir nur schnell ein paar Materialien sammeln. Schließlich fehlt für die neue Werkbank noch etwas Metall, und das Dach unseres bescheidenen Unterschlupfs könnte ebenfalls eine Überarbeitung vertragen. Doch schon nach wenigen Minuten entdecken wir in der Ferne einen Aussichtsturm. Der Aufstieg lohnt sich, denn von dort oben eröffnet sich ein Blick auf bislang unbekannte Täler. Ein kurzer Gleitflug später stehen wir vor einem verlassenen Gemäuer, dessen Geheimnisse unbedingt erforscht werden wollen. Und wenn wir schon einmal hier sind, können wir auch gleich den Dungeon nebenan erkunden.
Genau solche Situationen machen den besonderen Reiz von Enshrouded aus. Das Spiel versteht es hervorragend, unsere Aufmerksamkeit immer wieder auf neue Ziele zu lenken. Aus einem kleinen Vorhaben wird eine ausgedehnte Expedition, aus einer spontanen Erkundung ein gefährlicher Ausflug und aus dem geplanten Feierabend eine weitere Stunde in Embervale. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer ausgesprochen gelungenen Verzahnung unterschiedlicher Spielsysteme.
Entwickelt wurde Enshrouded vom deutschen Studio Keen Games, das bereits mit dem Early Access im Jahr 2023 die Grundlage für sein ambitioniertes Fantasy-Projekt gelegt hatte. Das fertige Spiel führt diese Ideen zusammen und verbindet die Freiheit einer offenen Welt mit der Charakterentwicklung eines Action-Rollenspiels, den Gefahren eines Survival-Abenteuers und den kreativen Möglichkeiten einer Bausimulation.
Dabei versucht Enshrouded nicht einfach, möglichst viele Genremerkmale nebeneinanderzustellen. Die einzelnen Bestandteile greifen ineinander und erzeugen einen Spielfluss, der uns immer wieder zum Weiterspielen verleitet. Wir erkunden die Welt, entdecken neue Rohstoffe, verbessern unsere Ausrüstung und bauen unsere Heimat aus. Anschließend ziehen wir in gefährlichere Regionen, um dort weitere Materialien und Geheimnisse aufzuspüren.
Eine verlorene Zivilisation und ein geheimnisvoller Nebel
Die Geschichte führt uns nach Embervale, ein Land, dessen einstige Zivilisation durch das sogenannte Miasma zugrunde gegangen ist. Der unheimliche Nebel breitet sich über weite Teile der Welt aus und verwandelt Lebewesen in aggressive Kreaturen. Zurück bleiben verlassene Siedlungen, zerfallene Bauwerke und die Spuren einer Gesellschaft, deren Untergang wir nach und nach rekonstruieren.
Wir erwachen als einer der wenigen Überlebenden in einer Krypta und machen uns daran, die zerstörte Welt zurückzuerobern. Die Handlung liefert dafür einen nachvollziehbaren Rahmen, steht aber nicht ständig im Mittelpunkt. Enshrouded setzt vielmehr darauf, dass wir selbst herausfinden möchten, was hinter der nächsten Ruine, dem nächsten Berg oder einem verdächtigen Höhleneingang wartet.
Über die Spielwelt verteilte Bücher, Briefe und andere Schriftstücke geben Einblicke in die Vergangenheit Embervales. Zusammen mit den zahlreichen Nebenquests entsteht ein Hintergrund, der den verlassenen Orten zusätzliche Bedeutung verleiht. Die Geschichte gehört zwar nicht zu den außergewöhnlichsten Fantasy-Erzählungen, sorgt aber dafür, dass wir die Umgebung nicht nur als Ansammlung von Ressourcen und Gegnern wahrnehmen.
Besonders positiv fällt die Vertonung auf. Die deutsche Sprachausgabe verleiht den gefundenen Texten eine zusätzliche Qualität und macht es angenehmer, sich mit der Hintergrundgeschichte auseinanderzusetzen. Statt ständig stehen bleiben und längere Passagen lesen zu müssen, können wir den Erzählungen lauschen und dabei weiter durch die Welt ziehen oder unsere Basis ausbauen. Auch die Figuren, die wir im Verlauf des Abenteuers retten und bei uns aufnehmen, werden durch ihre Stimmen lebendiger.
Erkundung, die immer wieder überrascht
Die größte Stärke von Enshrouded ist seine Weltgestaltung. Embervale ist weitläufig, abwechslungsreich und so angelegt, dass wir fast überall einen Grund finden, vom eigentlichen Weg abzuweichen. Mal entdecken wir einen Turm auf einem Bergrücken, mal eine verlassene Siedlung oder einen unscheinbaren Zugang zu einem unterirdischen Komplex. Selbst wenn wir bereits ein konkretes Ziel verfolgen, fällt es schwer, interessante Orte einfach links liegen zu lassen.
Die sogenannten Warten spielen dabei eine wichtige Rolle. Wer ihre Höhen erklimmt und die dortige Flamme aktiviert, erschließt weitere Bereiche der Karte und erhält zusätzliche Möglichkeiten zur Schnellreise. Gleichzeitig dienen die Türme als hervorragende Aussichtspunkte. Von oben erkennen wir neue Landschaften und bekommen einen Eindruck davon, welche Gebiete wir als Nächstes erkunden könnten.
Ein unverzichtbares Hilfsmittel ist der Gleiter. Mit ihm schweben wir von hohen Felsen hinab, überqueren Täler und erreichen Orte, die zu Fuß deutlich schwieriger zugänglich wären. Die ersten Flugversuche sind noch vergleichsweise bescheiden, doch mit besseren Varianten und der Nutzung von Aufwinden werden immer längere Strecken möglich. Das Fortbewegungsmittel verändert damit nicht nur das Reisetempo, sondern wird selbst zu einem wichtigen Bestandteil des Spielerlebnisses.
Wenn wir über dichte Wälder und zerklüftete Felsformationen gleiten, während sich in den tiefer gelegenen Tälern das Miasma sammelt, entfaltet Enshrouded eine beeindruckende Atmosphäre. Die Landschaft lädt zum Entdecken ein, ohne uns ständig mit Markierungen und Aufgabenlisten in eine bestimmte Richtung zu drängen. Wir entscheiden selbst, ob wir dem nächsten Questziel folgen, einen Umweg wagen oder einfach einen bislang unbekannten Landstrich erkunden.
Dabei erinnert das Grundgefühl durchaus an The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Enshrouded kopiert dessen Spielprinzip allerdings nicht einfach, sondern verbindet die Freude an der freien Erkundung mit deutlich stärker ausgeprägten Rollenspielmechaniken, ausgedehnten Dungeons und kooperativem Spielen. Das Ergebnis besitzt eine eigene Identität und vermittelt das angenehme Gefühl, eine Welt zu entdecken, deren interessanteste Geheimnisse noch vor uns liegen.
Das Miasma: Zeitdruck statt gemütlichem Spaziergang
So einladend die Landschaft außerhalb der verseuchten Gebiete sein mag, im Miasma verändert sich der Charakter des Spiels spürbar. Der gefährliche Nebel begrenzt die Zeit, die wir in seinem Inneren verbringen können. Wer zu lange bleibt, gerät in ernsthafte Schwierigkeiten und riskiert, die gesammelten Ressourcen bei einem Tod zurücklassen zu müssen.
Damit wird jede Expedition zu einer kleinen Planungseinheit. Welche Ausrüstung nehmen wir mit? Sind genügend Heilmittel vorhanden? Welchen Weg wollen wir einschlagen, und wie gelangen wir rechtzeitig zurück? Während wir außerhalb des Nebels entspannt durch Wälder streifen oder nach Baumaterial suchen können, verlangt das Miasma ein deutlich zielgerichteteres Vorgehen.
Das funktioniert deshalb so gut, weil die gefährlichen Gebiete nicht einfach nur zusätzliche Schadenszonen sind. Dort warten besondere Gegner, wertvolle Materialien und wichtige Aufgaben. Zudem müssen wir uns mit verwinkelten Anlagen, Fallen und Hindernissen auseinandersetzen. Wer sich von einer Schatztruhe oder einem weiteren Gegner ablenken lässt, kann schnell den Überblick über die verbleibende Zeit verlieren.
Ein wichtiges Ziel sind die Miasma-Wurzeln. Zerstören wir eine dieser Quellen, wird das entsprechende Gebiet vom Nebel befreit. Gleichzeitig erhalten wir Erfahrungspunkte, die wir für die Weiterentwicklung unseres Charakters benötigen. So verbindet Enshrouded Erkundung, Fortschritt und Risikomanagement auf eine überzeugende Weise.
Wer mit anderen spielt, profitiert zusätzlich von der Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen und im Notfall wiederzubeleben. Die Expeditionen gewinnen dadurch eine soziale Komponente, ohne dass die Bedrohung ihre Wirkung verliert.
Ein Zuhause, das ständig größer wird
Während die Welt zum Abenteuer einlädt, bildet unsere eigene Basis den ruhenden Mittelpunkt des Geschehens. Anfangs reicht eine einfache Unterkunft mit einem Flammenaltar, einer Werkbank und einer Feuerstelle. Schon bald benötigen wir jedoch mehr Platz für Lagertruhen, Produktionsstationen, Betten und weitere Einrichtungen.
Das Bausystem gehört zu den überzeugendsten Bestandteilen von Enshrouded. Wir können Häuser errichten, Dächer gestalten, mehrere Etagen miteinander verbinden und unsere Bauwerke mit zahlreichen Materialien und Dekorationen versehen. Dank der Voxel-Technik lassen sich Baustrukturen zudem nachträglich verändern. Wer ein Fenster in eine bestehende Wand integrieren oder einzelne Bauteile entfernen möchte, ist nicht ausschließlich auf vorgefertigte Gebäudeelemente angewiesen.
Dadurch entsteht eine kreative Freiheit, die über das bloße Platzieren einiger Fertiggebäude hinausgeht. Wir können unsere Umgebung bearbeiten, Gelände abtragen und verändern sowie unsere Basis Schritt für Schritt an die eigenen Vorstellungen anpassen. Das Ergebnis muss keineswegs eine funktionale Hütte bleiben. Mit genügend Zeit und den passenden Materialien entstehen weitläufige Anwesen, kleine Dörfer oder beeindruckende Festungsanlagen.
Allerdings benötigt das Bausystem auch etwas Einarbeitung. Die benötigten Baublöcke müssen zunächst hergestellt werden, bevor wir sie verbauen können. Das kostet Zeit und erfordert eine gewisse Planung. Wer sich darauf einlässt, erhält dafür aber eine bemerkenswert flexible Grundlage für kreative Projekte.
Auch funktional ist der Ausbau wichtig. Im Verlauf des Abenteuers retten wir verschiedene Handwerker und weitere Überlebende, die sich anschließend in unserer Basis niederlassen. Der Schmied ermöglicht zusätzliche Waffen und Metallgegenstände, während Jäger, Alchemist und weitere Fachleute neue Ausrüstungs- und Herstellungsmöglichkeiten freischalten. Mit jeder geretteten Figur wächst das Angebot an Rezepten, Aufgaben und Verbesserungen.
Die Bewohner benötigen Unterkünfte und Arbeitsplätze. Gleichzeitig müssen wir Produktionsstationen aufstellen, Materialien lagern und die Versorgung organisieren. Später kommen unter anderem Landwirtschaft und Tierhaltung hinzu. Unsere Basis entwickelt sich dadurch von einem einfachen Unterschlupf zu einem funktionierenden Zentrum, das unsere Abenteuer vorbereitet und den Fortschritt des gesamten Spiels ermöglicht.
Besonders gelungen ist, dass der Ausbau nicht nur eine optionale Beschäftigung darstellt. Eine gut organisierte Heimat erleichtert das Crafting, verbessert die Versorgung und bietet einen Ort, an dem wir unsere nächsten Schritte planen können. Wer Freude daran hat, etwas Eigenes zu erschaffen, findet in Enshrouded eine nahezu eigenständige Aufbausimulation.
Crafting mit enormen Möglichkeiten – und einigen Umwegen
Die große Vielfalt hat allerdings ihren Preis. Enshrouded verlangt uns im Verlauf der Spielzeit einiges an Ressourcenmanagement ab. Neue Ausrüstungsgegenstände, Werkstätten und Bauelemente benötigen unterschiedliche Materialien, die wir häufig in bestimmten Regionen sammeln müssen. Fehlt nur eine einzelne Zutat, kann das einen zusätzlichen Ausflug erforderlich machen.
Gelegentlich wirkt dieses System unnötig kleinteilig. Manche Herstellungsketten bestehen aus mehreren Zwischenschritten, und bestimmte Materialien lassen sich nur an passenden Orten beschaffen. Dadurch kann sich eine eigentlich spannende Erkundung in eine gezielte Sammelaktion verwandeln. Wer zum wiederholten Mal dieselbe Region aufsuchen muss, um eine Handvoll fehlender Rohstoffe zu finden, dürfte die Motivation zeitweise schwinden sehen.
Immerhin erleichtern praktische Komfortfunktionen die Verwaltung. Magische Truhen können Materialien für die Herstellung bereitstellen, ohne dass wir jeden Gegenstand ständig manuell zwischen verschiedenen Inventaren verschieben müssen. Das ist bei der Vielzahl an Ressourcen eine willkommene Unterstützung.
Trotzdem bleibt Enshrouded komplex. Neue Spielerinnen und Spieler müssen sich zunächst mit zahlreichen Rezepten, Werkstätten und Abhängigkeiten vertraut machen. Das Spiel erklärt zwar viele Grundlagen, vermittelt aber nicht immer unmittelbar, welche Produktionsschritte langfristig sinnvoll sind. Gerade in den ersten Stunden kann es deshalb passieren, dass wir uns in Einzelheiten verlieren, anstatt das Abenteuer in unserem eigenen Tempo zu genießen.
Die Freiheit, die Enshrouded bietet, ist also gleichzeitig Stärke und Schwäche. Wer gerne sammelt, plant, herstellt und optimiert, wird sich schnell wohlfühlen. Wer dagegen möglichst ohne Umwege von einer spannenden Begegnung zur nächsten gelangen möchte, könnte sich an den umfangreichen Produktionsketten stören.
Ein Rollenspiel ohne starre Klassen
Auch bei der Charakterentwicklung lässt uns Enshrouded viele Freiheiten. Erfahrungspunkte erhalten wir durch Kämpfe, Quests und Erkundung. Mit jedem Fortschritt kommen neue Fertigkeitspunkte hinzu, die wir in einem umfangreichen Talentbaum investieren können.
Ein festes Klassensystem gibt es nicht. Stattdessen entscheiden wir selbst, in welche Richtung sich unsere Figur entwickeln soll. Wer bevorzugt in den Nahkampf geht, kann auf robuste Waffen, hohe Widerstandsfähigkeit und kräftige Angriffe setzen. Fernkämpfer konzentrieren sich auf Bögen und passende Spezialfähigkeiten, während Magier auf Zauber und magische Ausrüstung zurückgreifen.
Darüber hinaus lassen sich unterschiedliche Spielweisen kombinieren. Wir müssen uns nicht endgültig auf eine einzige Rolle festlegen und können unsere Fähigkeiten bei Bedarf neu verteilen. Dadurch bleibt Raum zum Experimentieren, ohne dass eine frühe Fehlentscheidung den weiteren Spielverlauf dauerhaft beeinträchtigt.
Die Auswahl ist umfangreich und bietet zahlreiche Möglichkeiten, den eigenen Charakter an den persönlichen Spielstil anzupassen. Allerdings sind nicht sämtliche Spezialisierungen zu jedem Zeitpunkt gleich komfortabel. Gerade Magier müssen zu Beginn mit vergleichsweise geringer Widerstandsfähigkeit, begrenzten Ressourcen und längeren Zauberzeiten zurechtkommen. Ein Nahkämpfer mit solider Rüstung kann sich dagegen deutlich mehr Fehler erlauben.
Im späteren Spielverlauf verschieben sich die Anforderungen. Fliegende Gegner und anspruchsvollere Begegnungen erhöhen den Wert von Fernkampfangriffen und gezielter Vorbereitung. Insgesamt motiviert das Entwicklungssystem dazu, neue Kombinationen auszuprobieren und die eigene Ausrüstung regelmäßig zu verbessern.
Kämpfe mit Tempo und taktischen Möglichkeiten
Das Kampfsystem ist erfreulich direkt. Enshrouded setzt nicht auf eine überladene Steuerung mit zahllosen Spezialkommandos, sondern auf das Zusammenspiel aus Waffen, Ausrüstung, Ausdauer und freigeschalteten Fähigkeiten.
Schwerter, Äxte, Bögen und Zauberstäbe unterscheiden sich deutlich in ihrer Handhabung. Je nach Gegner und Situation lohnt es sich, die passende Waffe auszuwählen. Auch besondere Pfeile und magische Angriffe erweitern die Möglichkeiten. Explosivmunition kann beispielsweise ganze Gegnergruppen treffen, während Nahkämpfer mit kräftigen Angriffen mehrere Feinde gleichzeitig unter Druck setzen können.
Blocken und Ausweichen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Wer gegnerische Attacken richtig einschätzt und im passenden Moment pariert, kann die Betäubung seiner Gegner vorantreiben. Sobald diese ausreichend geschwächt sind, eröffnen sich Gelegenheiten für besonders wirkungsvolle Angriffe.
Damit erinnert das Kampfsystem in einzelnen Elementen an Soulslikes, bleibt aber insgesamt zugänglicher und stärker auf den flüssigen Ablauf der Expeditionen ausgerichtet. Die Begegnungen fühlen sich unmittelbar an, ohne dass wir ständig komplizierte Tastenkombinationen lernen müssen.
Die Gegnerschaft fällt abwechslungsreich genug aus, um die verschiedenen Regionen voneinander abzugrenzen. Neben Untoten und Skeletten treffen wir auf weitere Kreaturen, die sich in Aussehen und Verhalten unterscheiden. Dazu kommen größere Gegner und Bossbegegnungen, die ein genaueres Beobachten ihrer Angriffsmuster erfordern.
Nicht jeder Boss überzeugt dabei gleichermaßen. Einzelne Animationen wirken weniger ausgearbeitet als der Rest des Spiels, und manche Angriffe erreichen nicht die Wucht, die wir angesichts der Größe und Erscheinung eines Gegners erwarten würden. Das fällt insbesondere bei bestimmten Begegnungen in den späteren Gebieten auf. Insgesamt bleibt das Kampfsystem aber eine der gelungenen Komponenten des Abenteuers.
Eine beeindruckende Fantasy-Welt auf der PS5
Optisch setzt Enshrouded weniger auf Fotorealismus als auf eine stimmige künstlerische Gestaltung. Die Voxel-Technik bildet die Grundlage für die veränderbare Umgebung, während Beleuchtung, Farben und Landschaftskomposition für die Atmosphäre verantwortlich sind.
Die verschiedenen Biome sorgen für Abwechslung. Auf grüne Wiesen und dichte Wälder folgen karge Felslandschaften, trockene Gebiete und frostige Höhen. Die Vegetation, die Lichtstimmungen und die unterschiedlichen Geländeformen verleihen den Regionen einen eigenen Charakter.
Besonders schön sind die Übergänge zwischen Tag und Nacht. Sonnenstrahlen brechen durch die Baumkronen, Nebelschwaden ziehen durch die Täler, und bei Dunkelheit setzen leuchtende Pflanzen und kleine Lichtquellen zusätzliche Akzente. Im Miasma entsteht durch die ungewöhnliche Farbgebung eine bedrohliche Stimmung, die sich deutlich von den freundlicheren Landschaften abhebt.
Auch die Möglichkeit, die Umgebung zu verändern, trägt zur visuellen Qualität bei. Wir können unsere Bauwerke in die Landschaft integrieren, Gelände modellieren und so Orte schaffen, die sich von den vorgegebenen Strukturen unterscheiden. Diese Verbindung aus handgearbeiteter Spielwelt und kreativer Freiheit ist ein wesentlicher Teil des Reizes.
Technisch ist das Gesamtbild überzeugend, auch wenn nicht alle Details auf demselben Niveau liegen. Einzelne Animationen und Charaktermodelle wirken weniger ausgefeilt, und manche Bereiche der Spielwelt erreichen nicht ganz die gestalterische Qualität der besonders gelungenen Landschaften.
Auf der PS5 Pro lief die von uns in der zugrunde liegenden Testvorlage beschriebene Konsolenfassung während der dortigen Testzeit mit einem insgesamt stabilen Eindruck und rund 60 Bildern pro Sekunde. Die technische Umsetzung bewahrt damit einen großen Teil der Atmosphäre, die bereits die PC-Version auszeichnet.
Allerdings werden die Grenzen der Darstellung auf der Konsole sichtbar. Objekte und kleinere Details können in der Entfernung plötzlich erscheinen, während Gräser und Dekorationen beim Annähern teilweise nachgeladen wirken. Solche Pop-ins stören nicht permanent, fallen in einer ansonsten liebevoll gestalteten Welt aber auf.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen der PS5 Pro und dem Standardmodell der PlayStation 5: Die genannten konkreten Beobachtungen zur Bildrate beziehen sich auf die in der Vorlage beschriebene PS5-Pro-Version und lassen sich nicht ohne Weiteres als Messwerte für jede PS5-Variante übernehmen.
Controller-Steuerung mit Licht und Schatten
Die Steuerung mit dem DualSense funktioniert grundsätzlich gut. Erkundung, Sprünge und Gleitflüge lassen sich angenehm ausführen, und auch im Kampf reagiert die Spielfigur direkt auf unsere Eingaben. Gerade bei schnellen Auseinandersetzungen entsteht nicht der Eindruck, dass die Konsolenfassung lediglich eine umständliche Portierung eines PC-Spiels wäre.
Anders sieht es bei der Inventarverwaltung aus. Enshrouded besitzt zahlreiche Gegenstände, Materialien, Ausrüstungsoptionen und Herstellungsmenüs. Am PC lassen sich diese Elemente mit Maus und Tastatur deutlich direkter bedienen. Auf der PlayStation sind häufiger zusätzliche Menüschritte erforderlich, um bestimmte Gegenstände auszuwählen oder die gewünschte Ausrüstung zusammenzustellen.
Das klingt zunächst nach einem kleinen Komfortproblem, macht sich im Alltag aber bemerkbar. Wer vor einer Expedition sein Inventar sortieren, mehrere Ausrüstungsgegenstände überprüfen und die richtigen Verbrauchsmaterialien auswählen möchte, benötigt auf der Konsole mehr Zeit. Besonders ungünstig ist das, wenn innerhalb des Miasmas der Countdown läuft oder eine gefährliche Begegnung unmittelbar bevorsteht.
Hier wäre eine noch konsequentere Anpassung der Menüs an die Controller-Bedienung wünschenswert. Das grundsätzliche Spielgefühl bleibt davon weitgehend unberührt, doch die Verwaltung gehört zu den Bereichen, in denen die PC-Fassung ihre Vorteile ausspielt.
Gemeinsam macht Embervale noch mehr Spaß
Enshrouded lässt sich allein erleben, gewinnt im Mehrspielermodus aber spürbar an Dynamik. Gemeinsam mit Freunden können wir die Welt erkunden, Dungeons bewältigen und unsere Basis ausbauen. Während ein Teil der Gruppe Materialien sammelt, können andere neue Gebiete erschließen oder sich um die Herstellung benötigter Gegenstände kümmern.
Vor allem gefährliche Expeditionen profitieren von der Zusammenarbeit. Gegnergruppen lassen sich koordinierter angehen, und wenn jemand in Schwierigkeiten gerät, kann die Gruppe unter bestimmten Voraussetzungen helfen. Gleichzeitig entstehen jene spontanen Situationen, die kooperative Spiele besonders unterhaltsam machen: ein unerwarteter Umweg, eine missglückte Landung mit dem Gleiter oder ein Dungeon, dessen Fallen wir zunächst unterschätzen.
Der Mehrspielermodus macht aus dem ohnehin motivierenden Gameplay-Kreislauf ein gemeinsames Projekt. Wir planen Bauvorhaben, teilen Aufgaben auf und freuen uns über Fortschritte, die allen zugutekommen. Dabei bleibt die Welt trotz der gemeinsamen Abenteuer geheimnisvoll und vermittelt weiterhin den Eindruck einer verlassenen Zivilisation.
Auch allein bietet Enshrouded reichlich Beschäftigung. Wer lieber in Ruhe baut, die Umgebung erkundet oder die Geschichte Stück für Stück entdeckt, kann das Abenteuer an die eigenen Vorlieben anpassen. Umfangreiche Welteinstellungen ermöglichen es außerdem, den Schwierigkeitsgrad und verschiedene Survival-Parameter zu verändern. So lässt sich das Spielerlebnis stärker auf Erkundung und Kreativität oder auf einen anspruchsvolleren Überlebenskampf ausrichten.
Langzeitmotivation ohne endlosen Grind
Ein großer Pluspunkt ist die Art, wie Enshrouded seine Langzeitmotivation organisiert. Das Spiel setzt nicht ausschließlich auf eine endlose Reihe immer besserer Ausrüstungsgegenstände oder auf ständig wiederholte Aufgaben. Stattdessen ergeben sich neue Ziele aus dem Zusammenspiel seiner Systeme.
Wir möchten eine bessere Rüstung herstellen, müssen dafür bestimmte Materialien beschaffen und entdecken bei der Suche ein neues Gebiet. Dort wartet ein Dungeon, in dem wir einen weiteren Handwerker finden. Dieser eröffnet neue Herstellungsoptionen, die wiederum den Ausbau unserer Basis ermöglichen. Und während wir eigentlich nur unsere Ausrüstung verbessern wollten, steht plötzlich ein neues Bauprojekt auf dem Plan.
Werden die zentralen Ziele erreicht und die wichtigen Gebiete erschlossen, kann das Abenteuer tatsächlich zu einem Abschluss kommen. Enshrouded versucht also nicht um jeden Preis, seine Spielerinnen und Spieler dauerhaft an einen endlosen Fortschrittskreislauf zu binden. Gleichzeitig gibt es genug Möglichkeiten, sich auch danach weiter kreativ zu beschäftigen.
Gerade das Bausystem bietet langfristig viel Potenzial. Wer Freude am Gestalten hat, kann zusätzliche Gebäude errichten, seine Basis erweitern und sich an immer ambitionierteren Bauprojekten versuchen. Die Möglichkeit, die eigene Welt mit anderen zu teilen, verstärkt diesen Aspekt zusätzlich.
Die Kehrseite ist der hohe Zeitaufwand. Wer sämtliche Herstellungsoptionen freischalten, seltene Materialien finden und größere Bauvorhaben verwirklichen möchte, sollte sich auf zahlreiche zusätzliche Erkundungstouren einstellen. Nicht jede davon ist gleichermaßen spannend. An einigen Stellen wäre eine etwas großzügigere Ressourcenverteilung sinnvoll gewesen.
Fazit: Ein außergewöhnliches Abenteuer mit kleinen Schwächen
Enshrouded ist eine beeindruckende Mischung aus Action-Rollenspiel, Erkundungsabenteuer und Aufbausandbox, die auf der PlayStation 5 einen großen Teil ihrer Faszination bewahrt. Keen Games gelingt es, unterschiedliche Spielmechaniken so miteinander zu verbinden, dass aus fast jeder Tätigkeit ein sinnvoller Bestandteil des Gesamtfortschritts wird. Wir erkunden die Welt, kämpfen gegen gefährliche Kreaturen, sammeln Materialien, verbessern unsere Ausrüstung und kehren schließlich in eine Heimat zurück, die mit jedem Abenteuer ein Stück größer wird.
Besonders die offene Gestaltung Embervales überzeugt. Die abwechslungsreichen Landschaften, die Aussichtstürme und der Gleiter machen die Erkundung zu einem echten Vergnügen. Das Miasma sorgt für zusätzliche Spannung, während die Dungeons mit Gegnern, Fallen und Rätseln für Abwechslung sorgen. Gleichzeitig gehört das Bausystem zu den größten Stärken des Spiels. Die Möglichkeiten, Gebäude und Gelände individuell zu gestalten, bieten eine kreative Freiheit, die im Genre ihresgleichen sucht.
Auch die Charakterentwicklung und das actionorientierte Kampfsystem tragen dazu bei, dass Enshrouded weit mehr ist als eine reine Survival-Sandbox. Die unterschiedlichen Waffen, der flexible Talentbaum und die zahlreichen Ausrüstungsoptionen ermöglichen verschiedene Spielweisen, ohne die Bedienung unnötig kompliziert zu gestalten. Gemeinsam mit Freunden entfaltet das Abenteuer seine Stärken besonders deutlich, doch auch Einzelspielerinnen und Einzelspieler finden mehr als genug Beschäftigung.
Ganz ohne Kritik kommt das Spiel allerdings nicht davon. Das Crafting fällt stellenweise unnötig kleinteilig aus, manche Materialien erfordern wiederholte Sammelaktionen, und die Menüführung auf der Konsole könnte komfortabler sein. Hinzu kommen sichtbare Pop-ins und einzelne Animationen, die nicht ganz das Niveau der ansonsten gelungenen Weltgestaltung erreichen. Wer mit umfangreichem Ressourcenmanagement wenig anfangen kann, sollte sich zudem bewusst sein, dass ein erheblicher Teil des Fortschritts auf Sammeln, Herstellen und Ausbauen beruht.
Diese Schwächen verhindern jedoch nicht, dass Enshrouded über weite Strecken begeistert. Es ist ein Spiel, das Neugier belohnt und uns immer wieder dazu bringt, den ursprünglich geplanten Weg zu verlassen. Die Mischung aus gefährlichen Expeditionen, kreativer Freiheit und stetigem Fortschritt funktioniert ausgesprochen gut. Besonders erfreulich ist, dass sich das Abenteuer nicht auf einen einzigen Spielstil festlegt, sondern sowohl actionorientierten Rollenspiel-Fans als auch leidenschaftlichen Baumeistern etwas zu bieten hat.
Enshrouded ist damit eine klare Empfehlung für alle, die sich gerne in umfangreichen Fantasy-Welten verlieren. Wer ein unkompliziertes Actionspiel ohne Crafting und Ressourcenverwaltung sucht, wird weniger glücklich. Wer dagegen Spaß daran
hat, gemeinsam mit Freunden eine geheimnisvolle Welt zu erkunden und sich Schritt für Schritt ein eigenes Zuhause aufzubauen, sollte Embervale unbedingt eine Chance geben.
Denn am Ende ist es genau dieses Gefühl, das Enshrouded so besonders macht: Wir wollen eigentlich nur noch schnell eine Kleinigkeit erledigen. Doch irgendwo am Horizont wartet bereits das nächste Abenteuer.
Unsere Empfehlung: Enshrouded gehört zu den interessantesten Genre-Mischungen für die PlayStation 5 und überzeugt vor allem durch seine Erkundung, den flexiblen Basisbau und den motivierenden Spielfortschritt. Kleine technische und spielmechanische Schwächen ändern nichts daran, dass hier ein Abenteuer wartet, das uns problemlos für viele Spielabende beschäftigen kann.
