Switch Sports Resort im Test: Gute Unterhaltung, aber wenig echte Überraschungen
Manche Videospiele bleiben vor allem deshalb in Erinnerung, weil sie weit mehr waren als bloße Unterhaltung. Als Nintendo mit der Wii und Wii Sports eine neue Ära der Bewegungssteuerung einläutete, wurde das Wohnzimmer kurzerhand zur Bowlingbahn, zum Tennisplatz oder zum Boxring. Plötzlich konnten auch Menschen gemeinsam spielen, die mit klassischen Videospielen kaum etwas anfangen konnten. Genau darin lag seinerzeit die besondere Faszination. Mit Switch Sports Resort möchte Nintendo an dieses Erfolgsrezept anknüpfen und die nächste Runde sportlicher Unterhaltung einläuten. Das Ergebnis ist ein sympathisches Gesamtpaket, das durchaus für unterhaltsame Spielstunden sorgt, sich aber auch eine grundlegende Frage gefallen lassen muss: Wie oft kann man eine bewährte Idee neu verpacken, bevor der Überraschungseffekt endgültig verloren geht?
Die Antwort fällt durchaus differenziert aus. Nintendo liefert eine abwechslungsreiche Sammlung zugänglicher Sportspiele, die insbesondere in geselliger Runde ihre Stärken ausspielt. Die Bewegungssteuerung funktioniert überwiegend zuverlässig, einige Disziplinen entwickeln einen erstaunlichen spielerischen Ehrgeiz und die Rückkehr auf die bekannte Insel weckt angenehme Erinnerungen. Gleichzeitig fehlt es dem Gesamtpaket an jener Frische, die den ursprünglichen Wii-Titeln ihren besonderen Stellenwert verschafft hat. Statt eines konsequenten Neuanfangs erhalten wir vor allem eine erweiterte Neuauflage eines bekannten Konzepts. Das macht Switch Sports Resort keineswegs zu einem schlechten Spiel, lässt aber den Eindruck zurück, dass Nintendo die Chance auf einen wirklich großen Entwicklungsschritt nicht genutzt hat.
Wuhu Island: Ein Wiedersehen mit vertrauten Schauplätzen
Im Mittelpunkt des Geschehens steht erneut die tropische Insel Wuhu Island, die bereits in früheren Nintendo-Spielen als Schauplatz diente. Mit ihren Stränden, Gewässern, Straßen und landschaftlichen Besonderheiten bildet sie die Kulisse für einen Großteil der Aktivitäten. Neben den eigentlichen Sportwettkämpfen lädt das Spiel dazu ein, die Umgebung mit unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln zu erkunden. Ein Propellerflugzeug, ein Wasserscooter und das neue Skateboard sorgen dafür, dass wir uns zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft bewegen können.
Gerade diese zusätzlichen Möglichkeiten erweisen sich als willkommene Ergänzung. Sie lockern den Ablauf auf und bieten eine Alternative zu den klassischen Disziplinen, bei denen Geschicklichkeit, Reaktion und präzise Bewegungen gefragt sind. Die Insel selbst ist zwar keine offene Spielwelt, die mit einer Vielzahl komplexer Aktivitäten oder einer ausgefeilten Geschichte aufwartet. Sie erfüllt ihren Zweck als überschaubarer Erkundungsraum aber durchaus. Unterschiedliche Landschaften und einige versteckte Herausforderungen sorgen dafür, dass es immer wieder etwas zu entdecken gibt.
Besonders das Skateboardfahren profitiert von der Bewegungssteuerung der neuen Joy-Con-Controller. Durch entsprechende Bewegungen lassen sich Beschleunigung, Richtung und Sprünge kontrollieren. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase funktioniert das überraschend intuitiv. Die Steuerung verlangt zwar ein wenig Übung, vermittelt aber ein angenehmes Gefühl der Kontrolle. Wer sich auf die Mechanik einlässt, kann die Insel entspannt durchqueren, Zeitrennen absolvieren oder gezielt nach besonderen Orten und Sammelobjekten Ausschau halten.
Ein vollwertiges Skateboardspiel sollte man allerdings nicht erwarten. Komplexe Trickkombinationen, umfangreiche Punktemechaniken oder eine Karriere, wie sie aus spezialisierten Genrevertretern bekannt sind, fehlen. Das Skateboard dient hier in erster Linie als unterhaltsames Fortbewegungsmittel. Ähnlich verhält es sich mit dem Flugzeug und dem Wasserscooter. Die Erkundung steht im Vordergrund, während anspruchsvolle Wettkämpfe eine eher untergeordnete Rolle spielen. Als Ergänzung zum sportlichen Kern funktioniert das Konzept, als eigenständige Attraktion bleibt es überschaubar.
Zwölf Disziplinen sollen für Abwechslung sorgen
Die eigentliche Stärke von Switch Sports Resort liegt in seiner Auswahl an Sportarten. Insgesamt zwölf Disziplinen stehen bereit, die unterschiedliche Geschmäcker ansprechen und den Wechsel zwischen kurzen Partien und längeren Wettkämpfen ermöglichen. Zu den bekannten Klassikern gesellen sich neuere Ideen, sodass sowohl Gelegenheitsspieler als auch etwas ambitioniertere Teilnehmer passende Herausforderungen finden dürften.
Bowling gehört weiterhin zu den Disziplinen, bei denen das Spielprinzip besonders gut aufgeht. Die Bewegungen sind schnell verstanden, die Ausführung fühlt sich angenehm direkt an und trotzdem bleibt genügend Raum, um an der eigenen Technik zu feilen. Die richtige Ausrichtung, der passende Schwung und ein wenig Gefühl für den Wurf entscheiden darüber, ob die Kugel die Pins sauber abräumt oder am Ende doch ein enttäuschendes Ergebnis stehen bleibt. Gerade im direkten Vergleich mit anderen entwickelt sich daraus schnell ein kleiner Wettbewerb, bei dem jeder weitere Versuch zur persönlichen Revanche wird.
Auch Golf zählt zu den gelungenen Bestandteilen der Sammlung. Unterschiedliche Bahnen, verschiedene Schläger und wechselnde Windbedingungen sorgen dafür, dass nicht jeder Schlag nach demselben Muster abläuft. Hier geht es nicht allein darum, den Controller möglichst schwungvoll zu bewegen. Vielmehr kommt es auf Timing, Dosierung und die Einschätzung der jeweiligen Situation an. Dadurch besitzt Golf eine spielerische Tiefe, die über den ersten Eindruck einer simplen Bewegungssimulation hinausgeht.
Bogenschießen überzeugt ebenfalls mit einer gut umgesetzten Steuerung. Die Ausrichtung des Schusses und die Berücksichtigung äußerer Einflüsse machen den Reiz aus. Gleichzeitig bleibt die Bedienung zugänglich genug, damit auch weniger erfahrene Spieler schnell erste Erfolge feiern können. Genau diese Kombination aus einfacher Handhabung und einem gewissen Anspruch gehört zu den wichtigsten Qualitäten des Spiels.
Tischtennis und Tennis: Hier kommt echtes Wettkampffeeling auf
Wenn es um schnelle Ballwechsel geht, gehört Tischtennis zu meinen persönlichen Favoriten. Die Duelle verlangen ein gutes Gespür für den richtigen Moment und belohnen präzise Bewegungen. Besonders gegen einen anspruchsvollen computergesteuerten Gegner oder im Mehrspielermodus entsteht ein angenehmer Spielfluss. Die Partien bleiben kurzweilig, ohne beliebig zu wirken, und entwickeln gerade dann ihren Reiz, wenn beide Seiten zunehmend besser aufeinander reagieren.
Tennis verfolgt einen ähnlichen Ansatz, bietet aber durch unterschiedliche Platzbeläge und die Gestaltung der Matches zusätzliche Abwechslung. Die Spielfiguren übernehmen einen großen Teil der Bewegung auf dem Platz, während wir uns auf die Schläge und deren Timing konzentrieren. Das macht die Sportart leicht zugänglich, nimmt ihr allerdings auch einen Teil der taktischen Tiefe, die ein komplexeres Tennisspiel bieten könnte.
Trotzdem funktionieren beide Disziplinen im Rahmen der Sammlung sehr gut. Sie vermitteln das Gefühl, tatsächlich in ein sportliches Duell verwickelt zu sein, ohne die Spieler mit komplizierten Eingaben oder umfangreichen Regelwerken zu überfordern. Wer nur wenige Minuten Zeit hat, kann schnell eine Runde starten. Wer sich mit Freunden misst, findet dagegen genügend Anlass, noch eine weitere Partie anzuhängen.
Basketball und Volleyball: Spaß trotz Vereinfachung
Basketball und Volleyball ergänzen die Auswahl um zwei Mannschaftssportarten, bei denen das Zusammenspiel verschiedener Bewegungen im Mittelpunkt steht. Die Steuerung konzentriert sich auf ausgewählte Aktionen, während die Figuren viele Abläufe auf dem Spielfeld selbstständig übernehmen. Das sorgt dafür, dass die Einstiegshürde niedrig bleibt und auch Spieler ohne besondere Vorkenntnisse schnell mitmachen können.
Gleichzeitig wird hier deutlicher als bei Bowling oder Bogenschießen, dass die Bewegungssteuerung Grenzen setzt. Ein großer Teil der sportlichen Abläufe wird automatisiert, wodurch die eigene Einflussnahme auf das Spielgeschehen eingeschränkt bleibt. Wer eine realistische Umsetzung der jeweiligen Sportart erwartet, dürfte deshalb nicht vollständig auf seine Kosten kommen.
Im Mehrspielermodus fällt dieser Umstand jedoch weniger ins Gewicht. Hier geht es vor allem um schnelle Entscheidungen, das richtige Timing und den Spaß am gemeinsamen Wettkampf. Beide Disziplinen eignen sich daher gut für eine lockere Runde auf dem Sofa. Sie gehören für mich zwar nicht zu den stärksten Bestandteilen der Sammlung, erfüllen ihre Aufgabe als abwechslungsreiche Ergänzung aber zuverlässig.
Daumenringen: Eine witzige Idee mit kurzer Halbwertszeit
Mit dem Daumenringen versucht Nintendo, eine ungewöhnliche Sportart in das bekannte Bewegungssteuerungskonzept zu integrieren. Die Idee ist simpel: Zwei Kontrahenten treten gegeneinander an und versuchen, den gegnerischen Daumen zu kontrollieren. Durch das Halten bestimmter Eingaben lässt sich zusätzliche Kraft aufbauen, gleichzeitig steigt dadurch das Risiko, selbst in die ungünstige Position zu geraten.
Das sorgt zunächst für einige amüsante Duelle. Besonders im direkten Wettbewerb entsteht ein kleines psychologisches Spiel, bei dem es darum geht, den richtigen Moment abzupassen und den Gegner zu einer unüberlegten Aktion zu verleiten. Die Steuerung passt gut zur Idee, und die ungewöhnliche Darstellung sorgt für einen gewissen Unterhaltungswert.
Allerdings zeigt sich recht schnell, dass das Konzept nur begrenzt trägt. Die grundlegenden Abläufe wiederholen sich, zusätzliche Varianten fehlen weitgehend und die spielerischen Möglichkeiten bleiben überschaubar. Für ein paar kurze Partien ist das Daumenringen durchaus geeignet. Als Disziplin, zu der man regelmäßig zurückkehrt, fehlt ihm jedoch die notwendige Tiefe. Hier wäre etwas mehr Abwechslung wünschenswert gewesen.
Boxen bleibt hinter den Erwartungen zurück
Nicht jede Sportart profitiert gleichermaßen von der Bewegungssteuerung. Boxen gehört für mich zu den schwächeren Disziplinen, da die eigenen Bewegungen nicht immer das unmittelbare Spielgefühl erzeugen, das man sich von einem solchen Konzept erhofft. Gerade im Vergleich zu den früheren Wii-Spielen wirkt die Umsetzung weniger überzeugend.
Das ist besonders schade, weil Boxen eigentlich hervorragende Voraussetzungen für eine körperlich aktive Spielmechanik bietet. Die Möglichkeit, Schläge selbst auszuführen und auf die Bewegungen des Gegenübers zu reagieren, sollte für intensive Duelle sorgen. Stattdessen bleibt bei mir der Eindruck zurück, dass die Steuerung nicht dieselbe Unmittelbarkeit erreicht wie bei den stärkeren Disziplinen. Nach einigen Runden war der Reiz deshalb deutlich geringer als bei Tischtennis, Bowling oder Golf.
Das bedeutet nicht, dass Boxen grundsätzlich unspielbar wäre. Im Gesamtpaket fällt die Disziplin aber spürbar ab und hätte von einer gründlicheren Überarbeitung profitiert.
Bewegungssteuerung als größte Stärke
Unabhängig von den einzelnen Sportarten bleibt die Steuerung ein zentraler Pluspunkt. Nintendo versteht es weiterhin, Bewegungen so auf Eingaben zu übertragen, dass auch Einsteiger schnell zurechtkommen. Die meisten Disziplinen lassen sich ohne lange Einweisung ausprobieren, und die grundlegenden Abläufe sind schnell verinnerlicht.
Gerade bei einer Sammlung, die sich an Familien und Gelegenheitsspieler richtet, ist das entscheidend. Niemand möchte vor einem spontanen Bowlingduell zunächst ein ausführliches Tutorial absolvieren. Stattdessen sollen die Controller in die Hand genommen und die ersten Würfe möglichst schnell ausgeführt werden können. Dieses Ziel erreicht das Spiel in weiten Teilen.
Natürlich ersetzt die vereinfachte Steuerung keine vollwertige Simulation. Das ist allerdings auch nicht der Anspruch. Switch Sports Resort möchte sportliche Aktivitäten auf eine zugängliche und unterhaltsame Weise vermitteln. Wo die Bewegungen unmittelbar auf das Spielgeschehen Einfluss nehmen, funktioniert das Konzept besonders gut. Bei stärker automatisierten Sportarten wird dagegen sichtbar, dass die einfache Bedienung gelegentlich zulasten der spielerischen Kontrolle geht.
Gemeinsam spielen bleibt das eigentliche Herzstück
Seine größte Stärke entfaltet Switch Sports Resort im lokalen Mehrspielermodus. Wenn mehrere Personen gemeinsam vor dem Fernseher stehen, verwandelt sich die Sammlung schnell in einen unterhaltsamen Wettbewerb. Ein Bowlingduell wird zur Revanche, ein knapp verlorenes Tischtennismatch zur persönlichen Herausforderung und beim Volleyball sorgen kleine Fehler regelmäßig für Gelächter.
Dass dafür nicht bei jeder Sportart mehrere vollständige Controller-Sets benötigt werden, ist ein weiterer Pluspunkt. Viele Disziplinen lassen sich bereits mit zwei Joy-Con-Controllern in direkten Duellen spielen. Bei Sportarten, in denen die Teilnehmer abwechselnd antreten, sind auch größere Runden möglich, ohne dass für jeden Mitspieler ein eigenes Controller-Paar vorhanden sein muss. Das erleichtert spontane Spieleabende und macht den Titel gerade für Familien interessant.
Auch online können sich Spieler miteinander messen. Wer eine entsprechende Mitgliedschaft bei Nintendo Switch Online besitzt, erhält Zugang zu weiteren Wettkampfmöglichkeiten. Die Online-Angebote ergänzen das Grundkonzept sinnvoll, können den Reiz gemeinsamer Partien im selben Raum aber nur bedingt ersetzen. Ein wesentlicher Teil der Faszination entsteht schließlich daraus, dass die Reaktionen der Mitspieler unmittelbar sichtbar werden und sich kleine sportliche Rivalitäten ganz von selbst entwickeln.
Auch für Einzelspieler gibt es Beschäftigung
Wer allein spielt, muss sich nicht ausschließlich auf einzelne Trainingsrunden beschränken. Mit der Inselkrone gibt es einen zusätzlichen Modus, in dem wir uns durch eine Reihe zunehmend anspruchsvoller Gegner arbeiten und schließlich die jeweiligen Spitzenplätze angreifen. Das sorgt für eine gewisse Struktur und vermittelt das Gefühl, sich innerhalb der einzelnen Sportarten zu verbessern.
Hinzu kommen Aufgaben und Sammelziele bei den Erkundungsaktivitäten. Wer die Insel genauer unter die Lupe nimmt, kann weitere Herausforderungen entdecken und zusätzliche Belohnungen freischalten. Auch kosmetische Gegenstände für die eigenen Figuren motivieren dazu, regelmäßig neue Partien zu absolvieren.
Allerdings sollte man seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Eine umfangreiche Kampagne, eine ausgearbeitete Geschichte oder ein besonders tiefes Fortschrittssystem bietet das Spiel nicht. Die Einzelspielerinhalte dienen vielmehr als Ergänzung, damit sich auch ohne anwesende Mitspieler einige unterhaltsame Stunden verbringen lassen. Wer vor allem allein spielt und langfristige Motivation sucht, dürfte deshalb schneller an die Grenzen des Angebots stoßen.
Sportsmates statt Miis: Ein fragwürdiger Richtungswechsel
Eine der größten Schwächen liegt für mich nicht einmal bei den Sportarten selbst, sondern bei der Präsentation der Spielfiguren. Während die Miis früher einen großen Teil des Charmes ausmachten, setzt Nintendo inzwischen vor allem auf die sogenannten Sportsmates. Diese Figuren lassen sich zwar durch Kleidung, Frisuren und verschiedene Accessoires individualisieren, besitzen für meinen Geschmack aber deutlich weniger Persönlichkeit als ihre Vorgänger.
Die Miis waren bewusst einfach gestaltet, konnten durch ihre markanten Gesichter und ihre oft unfreiwillig komische Mimik aber einen ganz eigenen Charme entwickeln. Sie wirkten wie kleine Karikaturen der Menschen, die vor dem Fernseher standen. Gerade dadurch entstand eine zusätzliche Verbindung zwischen Spielern und Spielfiguren.
Die Sportsmates wirken dagegen wesentlich austauschbarer. Zwar lassen sich unterschiedliche Erscheinungsbilder erstellen, doch die Möglichkeiten, ein wirklich individuelles Gesicht zu gestalten, bleiben begrenzt. Das mag auf den ersten Blick wie ein nebensächliches Detail erscheinen, beeinflusst aber durchaus die Atmosphäre. Ein Teil jener charmanten Unbeholfenheit, die frühere Nintendo-Sportsammlungen ausgezeichnet hat, geht dadurch verloren.
Dass Miis weiterhin verwendet werden können, ist immerhin erfreulich. Ihre eingeschränkten Möglichkeiten bei der Nutzung bestimmter freischaltbarer Gegenstände zeigen allerdings, dass Nintendo die klassischen Figuren nicht mehr konsequent in den Mittelpunkt stellt. Für mich ist das eine verpasste Chance, denn gerade die Miis hätten dem Spiel eine stärkere eigene Identität verleihen können.
Freischaltbares und technische Umsetzung
Zusätzliche Motivation verspricht das Belohnungssystem. Wer regelmäßig Sport treibt, sammelt Punkte und kann diese gegen kosmetische Gegenstände eintauschen. Dazu gehören Kleidungsstücke, Accessoires und weitere Anpassungsmöglichkeiten für die eigenen Figuren. Da die verfügbaren Inhalte regelmäßig wechseln, entsteht ein kleiner Anreiz, immer wieder eine neue Partie zu absolvieren.
Positiv fällt dabei auf, dass die Individualisierung nicht auf kostenpflichtige Zusatzkäufe angewiesen ist. Die entsprechenden Gegenstände werden durch das Spielen freigeschaltet. Das passt gut zum unkomplizierten Charakter der Sammlung und sorgt dafür, dass zusätzliche Inhalte ohne weitere Ausgaben erreichbar bleiben.
Technisch präsentiert sich Switch Sports Resort solide. Die farbenfrohe Gestaltung passt zum familienfreundlichen Konzept, die Animationen wirken sauber und die Darstellung bleibt angenehm flüssig. Größere technische Probleme sind im Spielalltag nicht der prägende Eindruck. Optisch setzt Nintendo allerdings keine neuen Maßstäbe. Die Umgebungen sind zweckmäßig gestaltet, die Figuren wirken eher funktional als ausdrucksstark und auch die musikalische Untermalung bleibt überwiegend unauffällig.
Das ist für eine Sportspielsammlung dieser Art kein schwerwiegendes Problem. Dennoch hätte ich mir gerade bei der Rückkehr auf Wuhu Island etwas mehr gestalterischen Ehrgeiz gewünscht. Die Insel besitzt genügend Wiedererkennungswert, um mehr daraus zu machen, als lediglich eine hübsche Kulisse für verschiedene Aktivitäten zu sein.
Recycling statt echter Weiterentwicklung
Und damit kommen wir zum entscheidenden Punkt: Switch Sports Resort macht vieles richtig, vermittelt aber nur selten das Gefühl, dass Nintendo das ursprüngliche Konzept wirklich weitergedacht hat. Neue Disziplinen und zusätzliche Aktivitäten erweitern den Umfang, während bekannte Sportarten weiterhin zuverlässig funktionieren. Doch unter dem Strich bleibt die Sammlung eng an den etablierten Grundideen der Reihe orientiert.
Das ist insofern schade, als die ursprünglichen Wii-Spiele nicht allein durch ihre Spielmechanik überzeugten. Sie waren damals auch deshalb etwas Besonderes, weil die Bewegungssteuerung für viele Menschen eine völlig neue Art des Spielens darstellte. Heute ist dieses Prinzip längst vertraut. Umso wichtiger wäre es, die bekannten Grundlagen mit neuen Ideen, einer stärkeren Präsentation und einem eigenständigeren Spielaufbau zu verbinden.
Stattdessen entsteht der Eindruck, dass Nintendo auf Nummer sicher geht. Die bekannten Stärken bleiben erhalten, einige neue Inhalte kommen hinzu, doch ein wirklicher Generationssprung ist kaum erkennbar. Wer die Reihe bislang nicht kennt, wird das vermutlich weniger kritisch sehen. Für langjährige Fans stellt sich dagegen unweigerlich die Frage, warum es nicht für einen konsequenten Nachfolger gereicht hat.
Auch der Preis spielt bei dieser Einschätzung eine Rolle. Rund 50 Euro sind für eine Sammlung mit zwölf Disziplinen, verschiedenen Mehrspielermöglichkeiten und zusätzlichen Freischaltungen nicht grundsätzlich unangemessen. Wer allerdings bereits Nintendo Switch Sports besitzt oder mit den früheren Ablegern vertraut ist, bekommt vergleichsweise wenig geboten, das sich wirklich neu anfühlt. Die zusätzlichen Inhalte sind nett, verändern das Gesamtbild aber nicht grundlegend.
Fazit: Ein sympathisches Sportpaket ohne den Zauber von damals
Switch Sports Resort ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein bewährtes Spielprinzip auch Jahre später noch funktionieren kann. Die Bewegungssteuerung ist überwiegend gelungen, Bowling, Tischtennis, Golf und Bogenschießen machen richtig Spaß und die zusätzlichen Erkundungsmöglichkeiten sorgen für etwas mehr Abwechslung. Vor allem im lokalen Mehrspielermodus entfaltet die Sammlung ihren Charme und eignet sich hervorragend für unkomplizierte Spieleabende mit Freunden oder der Familie.
Gleichzeitig bleibt ein wenig Enttäuschung zurück. Die Sportarten sind nicht durchweg gleich überzeugend, einige Ideen wie das Daumenringen verlieren schnell ihren Reiz und die Einzelspielerinhalte bieten nur begrenzt langfristige Motivation. Auch die Sportsmates können den unverwechselbaren Charme der Miis für mich nicht ersetzen. Vor allem aber fehlt es dem Gesamtpaket an jener Frische, die aus einer guten Sammlung einen wirklich besonderen Titel machen könnte.
Nintendo setzt erneut auf ein bekanntes Erfolgsrezept, erweitert es um zusätzliche Inhalte und verzichtet weitgehend auf größere Experimente. Das funktioniert, fühlt sich aber eher nach einer behutsam ausgebauten Neuauflage als nach einem vollwertigen Nachfolger an. Wer bislang keine vergleichbare Sammlung besitzt und regelmäßig gemeinsam mit anderen spielt, erhält ein unterhaltsames Gesamtpaket. Besitzer des Vorgängers sollten dagegen genau überlegen, ob die Ergänzungen den erneuten Kauf rechtfertigen.
Unterm Strich bleibt ein wirklich nettes Spiel, das für einige vergnügliche Stunden sorgt, den Zauber des Originals aber nicht wiederbeleben kann. Switch Sports Resort ist ein angenehmer Zeitvertreib, nur eben kein neuer Meilenstein für Nintendos Bewegungssteuerung.
Wir bedanken uns bei Nintendo für das zur Verfügung gestellte Testexemplar.
Bilder: (c) Nintendo, Text: U. Sperling
