BeamNG.drive (PS5) Review – Wenn aus Blech, Tempo und Physik pures Chaos wird
Manchmal braucht ein Spiel keinen spektakulären Hollywood-Auftritt, um die Aufmerksamkeit der Gaming-Community auf sich zu ziehen. Es reicht ein Auto, eine ausreichend hohe Geschwindigkeit und ein Hindernis, das dem Fahrzeug im Weg steht. Was anschließend passiert, ist bei BeamNG.drive nicht einfach eine vorgefertigte Animation, sondern das Ergebnis einer aufwendigen Physiksimulation. Verformtes Blech, zerbrochene Achsen, abgerissene Karosserieteile und Fahrzeuge, die nach einem heftigen Aufprall kaum noch als solche zu erkennen sind, gehören hier zum Alltag. Genau diese Mischung aus technischer Präzision und herrlich unvernünftigem Spieltrieb hat die Simulation über Jahre hinweg zu einem beliebten Thema in sozialen Netzwerken gemacht. Nach einer langen Entwicklungsphase auf dem PC ist der Titel nun auch auf der PlayStation 5 angekommen. Damit erhält eine bislang vor allem PC-Spielern bekannte Fahrzeug-Sandbox erstmals eine Bühne auf Sonys aktueller Konsole.
Doch was zunächst nach einem weiteren Rennspiel klingt, lässt sich nur schwer mit Genrevertretern wie Gran Turismo oder Forza Horizon vergleichen. BeamNG.drive verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz. Zwar können wir Rennen fahren, Bestzeiten aufstellen und uns in Verfolgungsjagden mit der Polizei messen, doch steht der Wettbewerb nicht grundsätzlich im Mittelpunkt. Vielmehr dreht sich alles um die Frage, wie sich Fahrzeuge unter unterschiedlichsten Bedingungen verhalten, welche Folgen Fahrfehler haben und was passiert, wenn man die Grenzen der Physik auslotet. Das Ergebnis ist eine ungewöhnlich vielseitige Simulation, die sich gleichermaßen als ernsthafte Fahrschule, experimenteller Spielplatz und Quelle spektakulärer Unfälle versteht. Die Umsetzung für die PS5 bringt diese Faszination endlich ins Wohnzimmer, muss dabei allerdings auch einige Kompromisse eingehen.
Keine klassische Rennsimulation, sondern eine riesige Spielwiese
Wer BeamNG.drive zum ersten Mal startet, sollte seine Erwartungen an ein gewöhnliches Rennspiel möglichst schnell ablegen. Statt einer klar vorgegebenen Karriere mit Meisterschaften, Fahrzeugfreischaltungen und einer stetig steigenden Schwierigkeitskurve erwartet uns eine umfangreiche Sammlung unterschiedlicher Aktivitäten. Wir können frei durch offene Spielwelten fahren, Transportaufträge übernehmen, uns an anspruchsvollen Fahrmanövern versuchen oder schlicht ausprobieren, wie lange ein Fahrzeug einen besonders unsanften Umgang übersteht. Die Möglichkeiten sind vielfältig genug, um ganz unterschiedliche Spielertypen anzusprechen.
Die Spielwelten bieten dafür abwechslungsreiche Umgebungen. Neben amerikanisch geprägten Landschaften finden sich italienisch und japanisch inspirierte Gebiete sowie tropische Regionen. Landstraßen, Schotterpisten, anspruchsvolle Streckenabschnitte und spezielle Testgelände laden dazu ein, unterschiedliche Fahrzeugtypen auszuprobieren. Insgesamt stehen zwölf offene Gebiete zur Verfügung, die genügend Raum für Erkundungstouren und eigene Experimente bieten. Dabei ist es völlig unerheblich, ob wir mit einem kleinen Stadtflitzer unterwegs sind, einen leistungsstarken Sportwagen über kurvige Straßen bewegen oder einen schweren Lastwagen durch enge Passagen manövrieren. Jedes Fahrzeug bringt seine eigenen Herausforderungen mit.
Gerade diese Freiheit macht den besonderen Reiz aus. Während andere Rennspiele versuchen, uns möglichst elegant von einem Event zum nächsten zu führen, überlässt BeamNG.drive einen erheblichen Teil der Unterhaltung unserer eigenen Neugier. Wer sich einen ungewöhnlichen Test ausdenkt, kann ihn häufig unmittelbar in die Tat umsetzen. Wer dagegen lieber klar definierte Aufgaben erledigt, findet ebenfalls zahlreiche Herausforderungen. Die Simulation bietet somit sowohl Raum für planvolles Fahren als auch für Experimente, bei denen der Weg zum Erfolg nicht selten über einen spektakulären Totalschaden führt.
Soft-Body-Physik: Hier bleibt kein Blech unversehrt
Das Herzstück von BeamNG.drive ist zweifellos seine Physik-Engine. Die sogenannte Soft-Body-Physik bildet die Verformung der Fahrzeugstruktur in einer Detailtiefe ab, die man aus herkömmlichen Rennspielen kaum kennt. Anstatt einen Unfall lediglich durch eine kurze Animation und einige sichtbare Kratzer darzustellen, berechnet das Spiel die Auswirkungen eines Aufpralls auf zahlreiche Fahrzeugkomponenten. Geschwindigkeit, Einschlagwinkel, Fahrzeuggewicht und die Beschaffenheit des Hindernisses beeinflussen das Ergebnis. Dadurch gleicht kein schwerer Unfall zwangsläufig dem anderen.
Besonders eindrucksvoll wird das bei hohen Geschwindigkeiten. Trifft ein Fahrzeug frontal auf eine massive Barriere, wird die Karosserie regelrecht zusammengeschoben. Motorhauben knicken ein, Türen werden deformiert und einzelne Bauteile können sich vollständig vom Wagen lösen. Gleichzeitig werden technische Komponenten in Mitleidenschaft gezogen. Ein beschädigtes Kühlsystem kann ebenso zum Problem werden wie eine verbogene Achse oder ein defektes Rad. Selbst vermeintlich harmlose Berührungen mit Bordsteinen können unangenehme Konsequenzen haben, wenn das Fahrzeug im falschen Winkel aufsetzt oder mit zu hoher Geschwindigkeit darüber hinwegfährt.
Diese Konsequenz unterscheidet BeamNG.drive von vielen bekannten Rennspielen. Wo ein Rempler in anderen Titeln häufig lediglich die Lackierung beschädigt, kann hier bereits ein kleiner Fehler das gesamte Fahrverhalten verändern. Plötzlich zieht das Auto zur Seite, ein Reifen verliert seine Funktion oder die Lenkung reagiert nicht mehr so, wie wir es gewohnt sind. Wer nach einem Unfall einfach weiterfahren möchte, muss deshalb zunächst prüfen, ob das Fahrzeug überhaupt noch kontrollierbar ist.
Auch die Darstellung umherfliegender Trümmer trägt zur Glaubwürdigkeit bei. Fahrzeugteile bewegen sich nicht bloß nach einer festgelegten Choreografie durch die Luft, sondern reagieren auf die simulierten Kräfte. Das sorgt für Unfälle, deren Ausgang sich nur bedingt vorhersehen lässt. Gerade für Spieler, die sich für Fahrzeugtechnik interessieren, ist diese Detailverliebtheit faszinierend. Gleichzeitig entsteht daraus ein enormer Unterhaltungswert, denn die Simulation liefert immer wieder Situationen, die ebenso spektakulär wie unerwartet ausfallen.
Die technischen Möglichkeiten beschränken sich dabei keineswegs auf die Karosserie. Wer nach einem Sprung unsanft mit dem Unterboden aufsetzt, kann wichtige Komponenten beschädigen. Auch ein scheinbar überstandener Unfall kann deshalb später noch Folgen haben. BeamNG.drive behandelt das Auto nicht als unverwüstliches Werkzeug, sondern als komplexes mechanisches System, dessen einzelne Bestandteile miteinander zusammenhängen.
Ein Fahrgefühl, das Präzision verlangt
Die realistische Schadensberechnung wäre allerdings nur halb so beeindruckend, wenn sich die Fahrzeuge nicht entsprechend glaubwürdig steuern ließen. Auch hier liefert BeamNG.drive eine überzeugende Vorstellung. Beschleunigung, Bremsverhalten und Kurvenlage unterscheiden sich spürbar zwischen den Fahrzeugklassen. Ein kleiner, leichter Wagen reagiert anders auf Lenkbewegungen als ein schwerer Geländewagen oder ein voll beladener Lastkraftwagen. Wer sein Fahrzeug beherrschen möchte, muss dessen Eigenschaften verstehen und seine Fahrweise entsprechend anpassen.
Dabei ist die Simulation durchaus anspruchsvoll. Wer mit überhöhter Geschwindigkeit in eine Kurve fährt, darf nicht darauf hoffen, dass das Spiel den Fehler durch großzügige Fahrhilfen ausgleicht. Eine zu spät eingeleitete Bremsung kann ebenso im Aus enden wie ein hektisches Gegenlenken auf losem Untergrund. Gerade auf unbekannten Strecken wird deutlich, wie schnell sich eine vermeintlich harmlose Fahrsituation in ein ernsthaftes Problem verwandeln kann.
Hinzu kommen zusätzliche Fahrzeugfunktionen, die je nach Situation sinnvoll eingesetzt werden müssen. Dazu gehören beispielsweise unterschiedliche Antriebsmodi oder Einstellungen für den Einsatz auf anspruchsvollem Untergrund. Die Bedienung geht damit über die üblichen Beschleunigungs- und Bremstasten hinaus. Wer sich auf die Simulation einlässt, wird mit einem differenzierten Fahrgefühl belohnt, muss aber auch bereit sein, sich mit den Eigenheiten der Fahrzeuge auseinanderzusetzen.
Für Einsteiger kann diese Lernkurve zunächst einschüchternd wirken. BeamNG.drive ist kein Titel, bei dem sich jede Herausforderung durch beherztes Beschleunigen lösen lässt. Wer dagegen Freude daran hat, das Verhalten eines Fahrzeugs zu verstehen und die eigene Fahrtechnik zu verbessern, findet hier eine ausgesprochen motivierende Grundlage. Besonders gelungen ist, dass die Physik nicht nur bei spektakulären Kollisionen überzeugt, sondern auch im normalen Fahrbetrieb einen wesentlichen Unterschied macht.
Karriere, Transporte und Verfolgungsjagden
Trotz seiner offenen Struktur besitzt BeamNG.drive inzwischen genügend klassische Spielinhalte, um auch Spielern mit einem ausgeprägten Sinn für Aufgaben und Fortschritt etwas zu bieten. Der Karrieremodus verbindet verschiedene Tätigkeiten mit wirtschaftlichen Konsequenzen. Wir übernehmen Aufträge, verdienen Geld und müssen darauf achten, unsere Fahrzeuge in einem brauchbaren Zustand zu halten. Beschädigungen sind hier nicht bloß ein optischer Makel, sondern können sich unmittelbar auf die weitere Karriere auswirken.
Besonders interessant ist das bei Transportaufträgen. Wer schwere Ladung von einem Ort zum anderen befördert, muss nicht nur den eigenen Lastwagen kontrollieren, sondern auch das Transportgut schützen. Ein riskantes Überholmanöver oder eine zu schnell angefahrene Kurve kann den Auftrag gefährden. Gleichzeitig gilt es, die vorgegebene Zeit im Auge zu behalten. Damit entsteht ein reizvoller Konflikt zwischen Tempo und Sicherheit: Wer zu vorsichtig fährt, verliert möglicherweise wertvolle Zeit, während ein zu aggressiver Fahrstil teure Schäden verursachen kann.
Die finanziellen Folgen eines Unfalls verleihen dem Fahrverhalten eine zusätzliche Bedeutung. Reparaturen kosten Geld, und wiederholte Beschädigungen derselben Bauteile können die Leistungsfähigkeit eines Fahrzeugs nachhaltig beeinträchtigen. Ein Ersatzfahrzeug ist nicht zwangsläufig die günstigste Lösung. Manchmal bleibt daher nur, mit einem angeschlagenen Wagen weiterzuarbeiten und das Beste aus der Situation zu machen. Gerade diese langfristigen Konsequenzen sorgen dafür, dass sich die Karriere anders anfühlt als eine gewöhnliche Sammlung isolierter Rennen.
Einen ganz anderen Ton schlagen die Polizeiverfolgungsjagden an. Hier zählen Reaktionsvermögen, Streckenkenntnis und die Fähigkeit, auch unter Druck die Kontrolle zu behalten. Wer einen Fehler macht, kann innerhalb weniger Sekunden von einem scheinbar souveränen Fahrer zum unfreiwilligen Unfallverursacher werden. Je nach Herausforderung wechseln wir zudem die Perspektive und übernehmen selbst die Rolle der Polizei. Obwohl die künstliche Intelligenz nicht in allen Situationen überzeugt, können die Verfolgungen ausgesprochen fordernd ausfallen.
Daneben gibt es Aufgaben, die eher aus einem ungewöhnlichen Ideenlabor zu stammen scheinen. Bei Sprungwettbewerben versuchen wir beispielsweise, ein Fahrzeug nach einer Rampe möglichst weit zu befördern. Andere Herausforderungen stellen die Zerstörung von Fahrzeugen in den Mittelpunkt, während Einparkaufgaben deutlich mehr Präzision als Geschwindigkeit verlangen. Auch Tätigkeiten rund um das Verladen von Autos und der Einsatz schwerer Maschinen ergänzen das Angebot. Diese Bandbreite verhindert, dass sich die Simulation auf Dauer ausschließlich um Rennen oder Unfälle dreht.
Rallye mit Konsequenzen
Eine besondere Erwähnung verdient der Rallye-Bereich. Statt lediglich einzelne Wertungsprüfungen aneinanderzureihen, verbindet BeamNG.drive die sportlichen Abschnitte mit Überführungsetappen durch die offene Spielwelt. Dabei müssen wir Verkehrsregeln und Tempolimits beachten, bestimmte Zielzeiten einhalten und gleichzeitig mit dem regulären Verkehr zurechtkommen. Das sorgt für eine andere Art von Herausforderung als bei klassischen Rallye-Spielen, in denen wir uns häufig fast ausschließlich auf die Strecke und die nächste Kurve konzentrieren.
Entscheidend ist auch hier das Schadensmodell. Ein Fehler verschwindet nicht automatisch mit dem Ende einer Prüfung. Schäden, die wir uns auf einer Etappe zuziehen, können uns auf den folgenden Abschnitten weiterhin beeinträchtigen. Wer also früh im Wettbewerb unvorsichtig fährt, kann sich damit selbst die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss nehmen. Das macht eine Rallye zu einer zusammenhängenden Prüfung aus Geschwindigkeit, Fahrzeugkontrolle und Risikomanagement.
Zusätzlich lässt sich die Begleitung durch den Beifahrer variieren. Unterschiedliche Stimmen und Ansagestile sorgen für eine persönliche Note. Auch bestimmte Regeln, etwa mögliche Zeitstrafen bei einer zu frühen Ankunft an Kontrollpunkten, können an die eigenen Vorlieben angepasst werden. Obwohl das Angebot an unterschiedlichen Rallye-Events überschaubar bleibt, entsteht dadurch ein überraschend geschlossenes Fahrerlebnis. Die abwechslungsreichen Untergründe und die direkte Rückmeldung der Physik-Engine kommen diesem Modus besonders zugute.
Gerade für Fans anspruchsvoller Rallye-Simulationen ist das eine willkommene Ergänzung. Hier geht es nicht allein darum, eine möglichst schnelle Zeit aufzustellen. Wir müssen unser Fahrzeug über mehrere Abschnitte hinweg zusammenhalten und können uns Fehler nicht ohne Weiteres leisten. Damit fügt sich der Rallye-Modus hervorragend in die grundsätzliche Philosophie des Spiels ein.
Gemeinsam fahren und gemeinsam scheitern
Auch abseits der Einzelspieleraktivitäten bietet die PS5-Fassung Möglichkeiten für gemeinsame Spielabende. Der lokale Splitscreen-Modus erlaubt es bis zu vier Personen, gleichzeitig auf derselben Konsole zu spielen. Das ist gerade im Genre der aufwendigen Fahrsimulationen keine Selbstverständlichkeit und erweitert den Unterhaltungswert erheblich. Gemeinsam durch die Spielwelt zu fahren, Herausforderungen auszuprobieren oder sich gegenseitig zu spektakulären Unfällen herauszufordern, kann für zahlreiche unterhaltsame Momente sorgen.
Ein Online-Mehrspielermodus gehört hingegen nicht zum hier beschriebenen Angebot. Das ist angesichts der komplexen Physikberechnungen nachvollziehbar, denn mehrere gleichzeitig interagierende Fahrzeuge stellen hohe Anforderungen an die Simulation. Gerade bei schweren Kollisionen müssen zahlreiche Bewegungen und Verformungen berücksichtigt werden. Ob und in welcher Form ein Online-Modus später hinzukommt, bleibt offen.
Für die PS5 ist der lokale Mehrspielermodus dennoch eine sinnvolle Ergänzung. Er passt hervorragend zum offenen Charakter der Simulation und macht aus dem technischen Experimentierkasten ein Spiel, das auch im Freundeskreis funktionieren kann. Gerade die Kombination aus ernsthaftem Fahrverhalten und unvorhersehbaren Unfällen dürfte dafür sorgen, dass die gemeinsamen Runden selten vollkommen planmäßig verlaufen.
Bedienung: Zwischen Detailverliebtheit und Menüchaos
So überzeugend die Simulation auf technischer Ebene ist, so deutlich werden bei der Konsolenumsetzung einige Schwächen. BeamNG.drive ist über viele Jahre hinweg auf dem PC gewachsen. Entsprechend umfangreich sind die Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten, die sich über zahlreiche Menüs und Untermenüs verteilen. Auf der PS5 wurde die Bedienung zwar an den DualSense-Controller angepasst, doch fühlt sich die Benutzeroberfläche weiterhin stark nach einer ursprünglich für Maus und Tastatur konzipierten Anwendung an.
Das zeigt sich besonders dann, wenn wir bestimmte Aktionen ausführen oder zwischen unterschiedlichen Funktionen wechseln möchten. Einige Befehle erfordern ungewöhnliche Tastenkombinationen, während andere Einstellungen zunächst gesucht werden müssen. Wer beispielsweise eine Herausforderung starten oder bestimmte Fahrzeugfunktionen verändern möchte, muss sich erst mit der Menüstruktur vertraut machen. Die Vielzahl der Optionen ist grundsätzlich ein Vorteil, doch ihre Präsentation wirkt nicht immer so zugänglich, wie man es von einer konsequent für Konsolen entwickelten Benutzeroberfläche erwarten würde.
Auch die Steuerung selbst verlangt Einarbeitung. Neben den grundlegenden Fahrfunktionen stehen zahlreiche zusätzliche Möglichkeiten zur Verfügung, die naturgemäß auf die vorhandenen Controller-Tasten verteilt werden müssen. Das führt stellenweise zu einer Bedienung, die unnötig kompliziert wirkt. Gerade in Situationen, in denen eine schnelle Reaktion gefragt ist, wäre eine klarere und einheitlichere Tastenbelegung wünschenswert.
Positiv bleibt, dass die Entwickler erkennbar versucht haben, den umfangreichen Funktionsapparat für die Konsole nutzbar zu machen. Angesichts der Komplexität der Simulation ist das keine triviale Aufgabe. Dennoch wäre eine konsequent überarbeitete Benutzeroberfläche ein wichtiger Schritt, um den Einstieg zu erleichtern und unnötige Hürden abzubauen.
Modding: Die größte verpasste Chance der Konsolenfassung
Ein wesentlicher Teil des langjährigen Erfolgs von BeamNG.drive ist die Modding-Community. Auf dem PC haben Spieler und Entwickler über Jahre hinweg zusätzliche Fahrzeuge, Szenarien und weitere Inhalte geschaffen. Viele der besonders ungewöhnlichen Experimente, die in sozialen Netzwerken für Aufmerksamkeit sorgen, basieren auf solchen Erweiterungen. Die Möglichkeit, die Simulation weit über das ursprüngliche Angebot hinaus zu verändern, ist deshalb ein wichtiger Bestandteil ihres Reizes.
Auf der PS5 müssen wir auf diese Freiheit vorerst verzichten. Die Konsolenfassung bietet nicht denselben Zugang zu den Modding-Möglichkeiten, die den PC-Ableger so vielseitig gemacht haben. Gerade für Spieler, die sich von spektakulären Videos mit außergewöhnlichen Fahrzeugen und absurden Testaufbauten zum Kauf inspirieren ließen, ist das eine spürbare Einschränkung. Ein erheblicher Teil der kreativen Möglichkeiten, die das Spiel über die Jahre geprägt haben, steht damit nicht in derselben Form zur Verfügung.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Konsolenversion inhaltlich leer wäre. Bereits die vorhandenen Fahrzeuge, Spielwelten und Herausforderungen bieten reichlich Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Karriere, die Rallye-Abschnitte, Transportaufträge und die zahlreichen experimentellen Aufgaben sorgen für ein solides Fundament. Dennoch bleibt der Eindruck, dass die PS5-Fassung nicht das gesamte Potenzial des ursprünglichen Konzepts ausschöpft.
Eine spätere Integration von Modding-Funktionen wäre deshalb ein wichtiger Entwicklungsschritt. Ob und wann diese Möglichkeiten auf der Konsole tatsächlich verfügbar werden, lässt sich auf Grundlage der vorliegenden Informationen jedoch nicht verbindlich sagen. Bis dahin bleibt die PS5-Version stärker auf die Inhalte beschränkt, die von den Entwicklern selbst bereitgestellt werden.
Grafik und Sound: Funktion vor Inszenierung
Optisch hinterlässt BeamNG.drive einen soliden, aber nicht durchgehend beeindruckenden Eindruck. Die Fahrzeuge sind detailliert modelliert und überzeugen insbesondere dann, wenn wir ihre Konstruktion aus der Nähe betrachten. Auch nach schweren Kollisionen bleibt die Darstellung der Verformungen ein echter Blickfang. Gerade die Kombination aus zerdrückter Karosserie, beschädigten Rädern und sichtbaren technischen Defekten zeigt, wie viel Aufwand in die Fahrzeugphysik geflossen ist.
Die Spielwelten können dagegen nicht immer dasselbe Niveau erreichen. Zwar bieten sie genügend Abwechslung für unterschiedliche Fahraktivitäten, doch wirken einzelne Bereiche teilweise wie aus wiederverwendeten Umgebungsbausteinen zusammengesetzt. Im direkten Vergleich mit aufwendig inszenierten AAA-Rennspielen fehlt es an manchen Stellen an visueller Geschlossenheit und Atmosphäre. BeamNG.drive legt seinen Schwerpunkt offensichtlich stärker auf die Simulation als auf eine möglichst spektakuläre grafische Präsentation.
Gelegentliche Schwankungen der Bildrate trüben den Eindruck zusätzlich. Diese treten nicht ständig auf, können aber den ansonsten überzeugenden Gesamteindruck beeinträchtigen. Gerade bei einer Simulation, deren Fahrgefühl stark von präzisen Rückmeldungen abhängt, wäre eine möglichst konstante Darstellung wünschenswert.
Beim Sound konzentriert sich das Spiel vor allem auf die Fahrzeuge. Motorengeräusche begleiten das Geschehen und vermitteln, abhängig vom Fahrzeug und der jeweiligen Belastung, einen Eindruck von dessen mechanischem Verhalten. Die musikalische Untermalung spielt dagegen eine deutlich untergeordnete Rolle und beschränkt sich im Wesentlichen auf einzelne Stücke in den Menüs. Eine ausgeprägte musikalische Inszenierung oder ein aufwendig komponierter Soundtrack stehen nicht im Mittelpunkt.
Das passt durchaus zum sachlichen Charakter der Simulation, sorgt aber auch dafür, dass die akustische Präsentation insgesamt weniger auffällig bleibt. Während die Physik-Engine und die Fahrzeugmodelle einen bleibenden Eindruck hinterlassen, ordnen sich Grafik und Sound eher der Funktionalität unter.
Künstliche Intelligenz und fehlende Lizenzen
Nicht alle Schwächen lassen sich allein mit dem Umfang der Simulation erklären. Insbesondere die künstliche Intelligenz des Verkehrs und anderer Fahrzeuge sorgt gelegentlich für Frust. Während wir versuchen, eine Herausforderung sauber zu absolvieren, können computergesteuerte Verkehrsteilnehmer Situationen verursachen, die sich nur schwer kontrollieren lassen. Das ist besonders ärgerlich, wenn ein Unfall nicht auf die eigene Fahrweise zurückzuführen ist, sondern auf das ungeschickte Verhalten anderer Fahrzeuge.
Die Auswirkungen fallen in BeamNG.drive stärker ins Gewicht als in vielen gewöhnlichen Rennspielen. Da Schäden tatsächlich die Funktionsfähigkeit des Fahrzeugs beeinträchtigen und im Karrieremodus mit Kosten verbunden sind, kann ein unverschuldeter Zusammenstoß weitreichende Folgen haben. Eine intelligentere und besser vorhersehbare Verkehrs-KI würde deshalb nicht nur den Realismus erhöhen, sondern auch die Fairness einzelner Herausforderungen verbessern.
Hinzu kommt, dass sämtliche Fahrzeuge fiktive Modelle sind. Offizielle Markenlizenzen fehlen, weshalb wir keine originalgetreue Auswahl realer Hersteller und Fahrzeugbezeichnungen erwarten dürfen. Dennoch orientieren sich viele Konstruktionen erkennbar an bekannten Fahrzeugtypen. Vom kleinen Alltagsauto über sportliche Modelle bis hin zu Lastwagen, Geländefahrzeugen und militärisch inspirierten Maschinen deckt das Angebot zahlreiche Kategorien ab.
Dieser Verzicht auf lizenzierte Fahrzeuge hat einen praktischen Vorteil: Die Entwickler können die Fahrzeuge und ihre Beschädigungen weitgehend unabhängig von den Vorgaben realer Automobilhersteller gestalten. Das unterstützt den kompromisslosen Ansatz der Simulation. Wer allerdings besonderen Wert auf offiziell lizenzierte Marken, authentische Modellnamen und eine entsprechende Fahrzeugauswahl legt, wird hier nicht vollständig auf seine Kosten kommen.
Fazit: Eine beeindruckende Simulation mit Ecken und Kanten
Mit BeamNG.drive erhält die PlayStation 5 eine ungewöhnliche Fahrzeug-Simulation, die sich wohltuend von den üblichen Genrevertretern abhebt. Anstatt ausschließlich auf schnelle Rundenzeiten, spektakuläre Rennen und eine möglichst makellose Präsentation zu setzen, konzentriert sich das Spiel auf die glaubwürdige Darstellung von Fahrzeugen und deren Verhalten. Die Soft-Body-Physik bildet dabei das unangefochtene Herzstück. Kaum ein anderer Titel vermittelt so eindrucksvoll, wie unterschiedlich sich Unfälle auswirken können und wie schnell selbst kleine Fahrfehler schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.
Gleichzeitig überzeugt der Umfang. Zwölf offene Spielwelten, eine vielseitige Karriere, anspruchsvolle Rallye-Etappen, Transportaufträge, Polizeiverfolgungsjagden und zahlreiche ungewöhnliche Herausforderungen bieten genügend Abwechslung, um über längere Zeit zu motivieren. Der lokale Vier-Spieler-Splitscreen erweitert das Angebot um eine willkommene Möglichkeit, die Simulation gemeinsam zu erleben. Wer sich auf die Eigenheiten des Spiels einlässt, findet hier eine enorme Bandbreite an Aktivitäten, die weit über das reine Fahren hinausgeht.
Allerdings ist die Umsetzung für die PS5 nicht frei von Problemen. Die Benutzeroberfläche wirkt teilweise unnötig kompliziert, die Bedienung verlangt Einarbeitung und die künstliche Intelligenz kann in ungünstigen Momenten für Frust sorgen. Auch die gelegentlichen Bildratenschwankungen und die nicht immer überzeugende Gestaltung der Spielwelten verhindern, dass die technische Faszination durchgehend von einer ebenso hochwertigen Präsentation begleitet wird. Der größte Wermutstropfen bleibt jedoch der fehlende Zugang zu den Modding-Möglichkeiten der PC-Version. Gerade die Freiheit, eigene Fahrzeuge und Szenarien einzubinden, hat BeamNG.drive über Jahre hinweg geprägt.
Trotz dieser Einschränkungen ist die Konsolenumsetzung ein bemerkenswerter Schritt. Sie macht eine technisch anspruchsvolle Simulation auf der PlayStation zugänglich, ohne ihren grundlegenden Charakter aufzugeben. Wer ein klassisches
Rennspiel mit lizenzierten Fahrzeugen, aufwendiger Inszenierung und einer leicht zugänglichen Karriere sucht, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen. Wer dagegen Freude an realistischer Fahrphysik, glaubwürdigen Schäden und einer offenen Spielwiese voller Möglichkeiten hat, findet in BeamNG.drive eine faszinierende Alternative.
Die PS5-Version erreicht zwar noch nicht die inhaltliche Freiheit des PC-Originals, bietet aber bereits genügend Substanz, um sich als eigenständige Fahrzeug-Sandbox zu behaupten. Ihr größter Erfolg besteht darin, eine Simulation auf die Konsole zu bringen, deren technische Grundlagen eigentlich eine enorme Herausforderung darstellen. Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber ausgesprochen reizvoll – und manchmal braucht es eben keine Ziellinie, um eine Menge Spaß hinter dem Steuer zu haben.
