Hitster Wacken Open Air im Test – Metal trifft Musikquiz
Metalheads aufgepasst: Bei der Hitster Wacken Open Air Edition könnt ihr zeigen, was ihr über die Bands, die in den vergangenen 35 Jahren auf dem Holy Ground gespielt haben, so alles wisst. Als jemand, der seit vielen Jahren Rock, Hard Rock und die unterschiedlichsten Spielarten des Metal hört, war die Spannung entsprechend groß. Bereits die Rock-Edition konnte mich überzeugen, und irgendwann kam unweigerlich die Frage auf: Wann bekommt Hitster eigentlich eine Ausgabe für die härteren Klänge?
Die Antwort liegt nun auf dem Tisch – und trägt den Namen Wacken. Passend zum legendären Festival wurde die musikalische Auswahl gemeinsam mit Wacken Radio beziehungsweise RADIO BOB! zusammengestellt. Dabei beschränkt sich das Spiel keineswegs auf Künstler, die irgendwann einmal auf dem Wacken Open Air auf der Bühne standen. Vielmehr soll die Edition das musikalische Lebensgefühl des Festivals widerspiegeln und damit auch Bands berücksichtigen, die niemals Teil des Wacken-Line-ups waren. Entscheidend ist nicht der Festivalauftritt, sondern die Musik.
Und genau deshalb war für mich vor allem eine Frage interessant: Ist die Wacken-Edition lediglich eine härtere Variante der bekannten Rock-Ausgabe oder tatsächlich ein anspruchsvolles Musikquiz für eingefleischte Metal-Fans?
Das bekannte Hitster-Prinzip bleibt unangetastet
Wer Hitster bereits kennt, muss sich auf keine grundlegenden Veränderungen einstellen. Das Spielprinzip entspricht den bisherigen Ausgaben: Die Songs werden über die App abgespielt und anschließend müssen die Spieler versuchen, die Titel zeitlich richtig in die eigene Musik-Zeitleiste einzuordnen.
Dabei geht es eben nicht ausschließlich darum, einen Song zu erkennen. Viel wichtiger ist die Frage, wann er erschienen ist und wo er chronologisch zwischen den bereits ausliegenden Karten eingeordnet werden muss. Genau daraus entsteht der eigentliche Reiz von Hitster. Ein Lied zu kennen, bedeutet nämlich noch lange nicht, sein Erscheinungsjahr korrekt einschätzen zu können.
Wer Hitster noch nicht kennt, sollte sich daher zunächst mit dem Grundprinzip vertraut machen. An dieser Stelle möchte ich das eigentliche Spielsystem deshalb nicht noch einmal ausführlich erklären. Interessanter ist ohnehin die Frage, wie sich das bewährte Konzept mit einer derart spezialisierten Musikauswahl schlägt.
308 Karten voller Rock- und Metal-Geschichte
Auf dem Tisch landen insgesamt 308 Musikkarten sowie 37 Token, mit denen sich die eigenen Chancen im Spiel beeinflussen lassen. Gespielt werden kann mit zwei bis zehn Personen, wobei eine Partie laut Hersteller ungefähr 30 Minuten dauert. Wie bei den anderen Hitster-Ausgaben lässt sich auch die Wacken-Edition problemlos mit weiteren Versionen kombinieren.
Musikalisch konzentriert sich die Edition auf einen Zeitraum von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart. Damit fällt der zeitliche Rahmen etwas enger aus als bei manchen anderen Hitster-Ausgaben. Das ist allerdings konsequent, denn die musikalischen Wurzeln des Spiels liegen klar im Rock- und Metalbereich. Die ganz frühen Wegbereiter des Rock aus den 1950er- und 1960er-Jahren spielen deshalb keine große Rolle.
Dafür geht es bei der musikalischen Härte deutlich weiter.
Classic Rock, Hard Rock, Punk, Alternative Rock, Grunge und deutschsprachige Rockmusik finden ebenso ihren Platz wie Heavy Metal, Industrial Metal, Nu Metal, Speed Metal, Thrash Metal, Death Metal, Black Metal, Power Metal oder Post-Core. Schon diese Aufzählung zeigt, dass die Verantwortlichen nicht versucht haben, Metal auf ein einziges Klangbild zu reduzieren.
Und das ist auch gut so. Wacken steht schließlich nicht für eine bestimmte Metal-Spielart, sondern für die enorme Bandbreite einer Szene.
Nicht jede Band muss in Wacken gespielt haben
Eine wichtige Besonderheit der Edition liegt in der Zusammenstellung der Künstler. Wer erwartet, dass ausschließlich ehemalige Wacken-Acts auf den Karten zu finden sind, wird schnell eines Besseren belehrt.
Das ist auch historisch logisch. Einige der Bands, die heute untrennbar mit der internationalen Rock- und Metalgeschichte verbunden sind, existierten beispielsweise bereits nicht mehr, als das Wacken Open Air Anfang der 1990er-Jahre erstmals stattfand.
Die Macher haben deshalb einen anderen Ansatz gewählt: Entscheidend ist, ob die Musik zum Wacken-Publikum passt. Dadurch entsteht eine deutlich größere musikalische Spielwiese, auf der etablierte Festivalgrößen ebenso auftauchen wie Künstler, die man eher aus anderen Bereichen der Rock- und Metalwelt kennt.
Viele Bands sind zudem mit mehr als einem Song vertreten. Das bedeutet zwar, dass nicht jede der 308 Karten für eine völlig andere Band steht, wirklich problematisch ist das aber nicht. Die ausgewählten Stücke stammen in der Regel aus unterschiedlichen Phasen der jeweiligen Bandgeschichte und sorgen damit trotzdem für unterschiedliche Herausforderungen.
Die neue Hitster-App macht einen guten Eindruck
Für das eigentliche Spielerlebnis ist die App inzwischen ein wichtiger Bestandteil. Positiv fällt auf, dass die Anwendung im Vergleich zu früheren Versionen nochmals etwas angenehmer zu bedienen ist.
Gerade bei einem Spiel, bei dem die Musik möglichst schnell und unkompliziert gestartet werden soll, ist eine übersichtliche Bedienung entscheidend. Kleine Schwächen, die in der Vergangenheit beispielsweise nach Android-Updates bei der Darstellung aufgetreten waren, sind inzwischen behoben.
Das mag auf den ersten Blick nach einer Nebensache klingen. Im Spielbetrieb merkt man allerdings schnell, wie störend technische Probleme sein können. Wenn erst minutenlang nach einem Song gesucht werden muss, verpufft ein Teil der Dynamik. Hier macht die aktuelle Version einen deutlich runderen Eindruck.
Warum die Wacken-Edition tatsächlich schwierig ist
Jetzt kommen wir zum entscheidenden Punkt: dem Schwierigkeitsgrad.
Und der hat es in sich.
Ich habe die Edition nicht nur mit gelegentlichen Rockhörern ausprobiert, sondern mich bewusst mit der Frage auseinandergesetzt, wie sie sich aus Sicht eines langjährigen Rock- und Metal-Hörers schlägt. Mein persönlicher musikalischer Hintergrund ist dabei durchaus breit gefächert. Rock, Hard Rock und Metal begleiten mich seit meiner Kindheit, dazu kommen regelmäßig Konzertbesuche und eine entsprechend große Zahl an Bands, mit denen ich mich über die Jahre beschäftigt habe.
Man könnte deshalb zunächst vermuten, dass die Wacken-Edition für mich kaum eine Herausforderung darstellen dürfte.
Genau das ist allerdings ein Trugschluss.
Das Problem beginnt bereits damit, dass viele Metal-Bands auf eine jahrzehntelange Geschichte zurückblicken. Wer eine Gruppe seit 30 oder 40 Jahren verfolgt, kennt vielleicht zahlreiche Songs – aber das bedeutet noch lange nicht, dass man deren Erscheinungsjahre sauber auseinanderhalten kann.
Genau hier schlägt Hitster gnadenlos zu.
Ein bekannter Song ist noch lange kein sicherer Punkt
Besonders interessant wird es, wenn nicht der größte Hit einer Band auf der Karte landet. Bei einem absoluten Klassiker reicht es oft aus, einen bestimmten Lebensabschnitt oder ein persönliches Ereignis mit dem Song zu verbinden. Man weiß beispielsweise noch genau, wann man das Album gekauft hat oder in welchem Jahr man die Band erstmals live gesehen hat.
Bei weniger bekannten Stücken funktioniert dieser Trick nicht.
Man hört den Song, erkennt vielleicht nach wenigen Sekunden die Band und denkt: „Den kenne ich!“ Doch dann kommt die entscheidende Frage: Ende der 1980er? Mitte der 1990er? Schon Anfang der 2000er?
Und plötzlich wird aus vermeintlicher Sicherheit pures Raten.
Gerade dadurch funktioniert die Wacken-Edition erstaunlich gut. Selbst wer eine große Metal-Sammlung besitzt oder regelmäßig Konzerte besucht, wird immer wieder ins Grübeln kommen.
Das ist meiner Meinung nach eine der größten Stärken dieser Ausgabe. Sie belohnt nicht ausschließlich das Erkennen von Bands, sondern tatsächlich das Wissen über deren musikalische Entwicklung.
Der Härtetest für Metalheads
Um die Edition möglichst umfassend einschätzen zu können, haben wir sie in einer besonders unterhaltsamen Variante über ein komplettes Wochenende hinweg gespielt. Dadurch bekommt man natürlich einen deutlich besseren Eindruck von der tatsächlichen Songauswahl, als wenn man lediglich ein paar Karten aus einer Partie betrachtet.
Das Ergebnis hat mich überrascht.
Rund 55 Prozent der enthaltenen Bands hatten wir bereits einmal live erlebt. Bei weiteren Künstlern kannten wir zumindest mehrere Songs. Dazu kamen zahlreiche Namen, die uns zwar bekannt waren, deren Musik wir aber bislang nicht intensiver verfolgt hatten.
Nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Bands war uns tatsächlich völlig unbekannt.
Das klingt zunächst nach einem Heimspiel für Metalheads.
Ist es aber nicht.
Denn selbst bei bekannten Bands ist das richtige Einordnen der Songs teilweise erstaunlich schwierig. Gerade bei Künstlern mit einer langen Diskografie liegen zwischen den einzelnen Alben häufig viele Jahre. Dazu kommt, dass musikalische Entwicklungen innerhalb einer Band dazu führen können, dass zwei Songs völlig unterschiedlich klingen, obwohl sie nur wenige Jahre auseinanderliegen.
Wer dann noch versucht, das Erscheinungsjahr anhand des Sounds zu bestimmen, kann sich schnell gewaltig verschätzen.
Wacken-Feeling statt Best-of-Playlist
Besonders positiv empfinde ich, dass die Zusammenstellung nicht einfach den Eindruck einer klassischen „Best of Metal“-Playlist vermittelt.
Natürlich finden sich zahlreiche große Namen und bekannte Songs. Gleichzeitig gibt es aber genügend Stücke, bei denen man sich zunächst fragt, warum ausgerechnet dieser Titel ausgewählt wurde.
Genau das macht die Edition interessant.
Denn Wacken war und ist musikalisch nie nur eine Ansammlung der größten Hits. Das Festival lebt von der Mischung aus bekannten Größen, Szene-Acts, unterschiedlichen Metal-Spielarten und Bands, die man vielleicht erst dort oder durch andere Festivalbesucher entdeckt.
Diese Vielfalt findet sich auch im Spiel wieder.
Wer ausschließlich auf klassischen Heavy Metal steht, wird genauso seine Lieblingskarten finden wie Freunde von Thrash, Death oder Black Metal. Auch modernere Spielarten kommen nicht zu kurz.
Persönlich hätte ich auf den einen oder anderen Thrash-Vertreter verzichten können, da dieses Subgenre nicht unbedingt zu meinen Favoriten gehört. Das ist allerdings eine Geschmacksfrage und kein objektiver Kritikpunkt an der Zusammenstellung.
Kleine redaktionelle Patzer
Bei aller Begeisterung gibt es allerdings auch Dinge, die angesprochen werden müssen.
So haben sich in der Ausgabe zwei doppelte Titel eingeschlichen. Das ist zunächst kein Drama, schließlich verändert es das Spielprinzip nicht grundlegend. Bei einer komplett durchgespielten Edition fällt so etwas allerdings natürlich auf.
Für den normalen Spieleabend dürfte der Fehler kaum ins Gewicht fallen. Dennoch wäre eine fehlerfreie Zusammenstellung bei einem derart großen und professionell vermarkteten Produkt natürlich wünschenswert gewesen.
Auch die auf dem Spielkarton abgebildete Zeitleiste ist nicht ganz stimmig. Dort beginnt die historische Einordnung bereits Mitte der 1960er-Jahre, während die eigentliche Songauswahl erst in den 1970ern einsetzt.
Beides sind Kleinigkeiten. Trotzdem sind es genau solche Details, die bei einem Produkt dieser Größenordnung nicht unbedingt sein müssten.
Das Spielmaterial bleibt gewohnt unspektakulär
Beim Material gibt es ebenfalls keine Überraschungen. Karten, Token und sonstige Bestandteile entsprechen weitgehend dem bekannten Hitster-Standard.
Das funktioniert zwar hervorragend, verschenkt meiner Meinung nach aber eine kleine Chance.
Gerade bei einer Edition mit einem so starken Markenbezug hätte man die Token beispielsweise optisch an das Wacken-Thema anpassen können. Ein entsprechendes Festival- oder Metal-Design hätte der Ausgabe durchaus einen zusätzlichen Wiedererkennungswert gegeben.
Notwendig ist das natürlich nicht. Die Funktionalität bleibt unverändert. Es wäre lediglich eine schöne Möglichkeit gewesen, die Sonderedition auch haptisch stärker von den anderen Hitster-Versionen abzugrenzen.
Für wen eignet sich Hitster Wacken?
Hier fällt mein Urteil ziemlich eindeutig aus.
Wer gelegentlich Rockmusik hört, ein paar bekannte Metal-Klassiker kennt und ansonsten hauptsächlich Radio-Rock konsumiert, dürfte mit der Wacken-Edition relativ schnell an seine Grenzen kommen.
Das ist nicht unbedingt schlecht – man sollte lediglich wissen, worauf man sich einlässt.
Für diese Zielgruppe halte ich die klassische Rock-Edition für den besseren Einstieg. Dort ist die musikalische Basis breiter und die Wahrscheinlichkeit höher, dass man Songs über persönliche Erinnerungen oder bekannte Radiohits zeitlich einordnen kann.
Die Wacken-Edition richtet sich dagegen ziemlich klar an Menschen, die sich intensiver mit Rock und Metal beschäftigen. Festivalbesucher, Konzertgänger, langjährige Metalheads und Fans großer Rockbands werden hier deutlich mehr Freude haben.
Und selbst diese Zielgruppe wird regelmäßig ins Schwitzen kommen.
Solo, in der Gruppe oder als Metal-Marathon
Wie bei Hitster üblich, funktioniert auch diese Edition in unterschiedlichen Konstellationen. Wer gerne alleine knobelt, kann sich ebenso mit der eigenen Musikkartei beschäftigen wie eine größere Gruppe.
Am meisten Spaß macht das Spiel meiner Meinung nach allerdings gemeinsam mit anderen Musikfans. Gerade bei Metal entstehen schnell Diskussionen: Wann erschien der Song? War das Album wirklich schon 1994? Oder kam der Sänger erst später zur Band? Und war das nicht eigentlich die Phase, in der sich der Sound der Gruppe komplett verändert hat?
Solche Diskussionen gehören für mich zum eigentlichen Charme von Hitster.
Bei der Wacken-Edition wird dieser Effekt noch verstärkt, weil viele Spieler ihre eigenen musikalischen Schwerpunkte mitbringen. Der eine kennt jede Thrash-Metal-Platte, der nächste ist bei Power Metal unschlagbar und ein anderer erkennt bereits nach den ersten Sekunden jede große Hard-Rock-Hymne.
Dadurch entstehen immer wieder überraschende Situationen.
Fazit: Ein Muss für Metalheads?
Die Hitster Wacken Open Air Edition macht vieles richtig. Vor allem die musikalische Bandbreite überzeugt. Statt Metal auf die bekanntesten Namen zu reduzieren, bietet die Ausgabe einen erstaunlich umfangreichen Streifzug durch mehrere Jahrzehnte Rock- und Metalgeschichte.
Dabei ist die Edition deutlich anspruchsvoller, als man zunächst vermuten könnte. Selbst wer viele der Bands kennt und zahlreiche Songs bereits gehört hat, muss beim chronologischen Einordnen immer wieder passen oder zumindest kräftig überlegen.
Genau das macht für mich den Reiz aus.
Die kleinen redaktionellen Unsauberkeiten mit den doppelten Titeln und der nicht ganz passenden Zeitleiste verhindern zwar die Höchstwertung, fallen im eigentlichen Spielbetrieb aber kaum ins Gewicht. Auch bei der Ausstattung wäre mit etwas mehr Wacken-spezifischer Gestaltung noch Luft nach oben gewesen.
Musikalisch liefert die Edition dagegen genau das, was sie verspricht: Rock, Hard Rock und Metal in einer enormen stilistischen Bandbreite.
Für Gelegenheitshörer ist Hitster Wacken deshalb wahrscheinlich nicht die beste Wahl. Für Metalheads sieht die Sache ganz anders aus.
Wer regelmäßig Konzerte besucht, sich durch die Diskografien seiner Lieblingsbands hört oder auf Festivals wie Wacken zu Hause ist, bekommt hier ein Musikquiz, das den eigenen Anspruch durchaus ernst nimmt.
Und genau deshalb hat uns diese Ausgabe so viel Spaß gemacht.
Hitster Wacken Open Air ist kein gemütliches Zurücklehnen und „den Song kenne ich doch“-Spiel. Es ist ein musikalischer Härtetest, bei dem selbst eingefleischte Metalheads regelmäßig ins Grübeln kommen. Für die Zielgruppe ist das allerdings kein Problem, sondern der eigentliche Spaß.
