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| Marc Heiland | Kaffeewelten

GastroVor knapp drei Jahren brachte Gastroback die „Design Espresso Advanced Duo - Siebträger-Espressomaschine“ auf den Markt. Nun steht mit der „Design Espressomaschine Advanced Urban Duo“ der Nachfolger im Handel. Die Weiterentwicklung des bereits ambitionierten All-in-One-Systems will euch als Home-Baristi den Weg zum perfekten Espresso ebnen. Ob das gelingt, klären wir im Test.

Bereits auf dem Testtisch erkennt man, dass Gastroback die Designlinie weiter geschärft hat. Die Urban Duo wirkt moderner, klarer, fast schon industriell-elegant. Mit ihren Maßen von 340 x 330 x 395 mm bleibt sie zwar kein Leichtgewicht auf der Arbeitsfläche, aber genau das vermittelt Stabilität. Rund 10 Kilogramm sorgen für einen sicheren Stand, während sauber verarbeitete Kanten und passgenaue Übergänge ein Qualitätsniveau zeigen, dass man in dieser Preisklasse nicht immer selbstverständlich erwarten darf.

Der Lieferumfang zeigt sich erfreulich komplett: Neben einem massiven Edelstahl-Tamper gehören Single- und Dual-Wall-Siebe für ein und zwei Tassen, ein Milchkännchen sowie Reinigungsutensilien zum Paket. Dass weiterhin kein Blindsieb beiliegt, ist allerdings ein kleiner, aber erwähnenswerter Kritikpunkt.

Technisch bleibt die Maschine ihrem Konzept treu, erweitert es aber sinnvoll. Herzstück ist das integrierte Kegelmahlwerk mit 30 Mahlgradstufen, kombiniert mit einem Bohnenbehälter für 260 Gramm. Die Bohnen werden zuverlässig und vergleichsweise schonend verarbeitet, ohne nennenswerte Hitzeentwicklung – ein Pluspunkt für die Aromastabilität. Gleichzeitig erlaubt die Maschine eine präzise Einstellung der Mahlmenge, wodurch sie sich klar von klassischen Einsteiger-Siebträgern absetzt.

Das eigentliche Highlight ist das Zweikreis-Thermoblock-System. In der Praxis bedeutet das: Espresso extrahieren und gleichzeitig Milch aufschäumen – ohne Wartezeit, ohne Temperaturverlust. Unterstützt wird das Ganze durch einen elektronischen PID-Regler, der die Brühtemperatur gradgenau stabil hält. Das verhindert Temperaturschwankungen und sorgt für reproduzierbare Ergebnisse – ein Feature, das man sonst eher aus deutlich höheren Preissegmenten kennt. Die 15-Bar-Pumpe liefert dabei ausreichend Druck, während das integrierte Manometer eine visuelle Kontrolle des Brühvorgangs ermöglicht.

Im Alltag zeigt sich die Maschine angenehm zugänglich. Nach dem Einschalten ist sie in etwa zwei Minuten betriebsbereit, für die Dampffunktion sollte man etwas zusätzliche Zeit einplanen. Die Programmierbarkeit der Wassermenge pro Bezug ist ein echtes Komfortmerkmal und erlaubt es, individuelle Rezepte dauerhaft zu speichern – vom klassischen Espresso bis hin zum Café Crème oder Americano über den separaten Heißwasserauslauf.

Doch wie schlägt sich die Urban Duo im entscheidenden Moment – in der Tasse?

Hier zeigt sich ein bekanntes Spannungsfeld solcher All-in-One-Systeme. Die integrierte Mühle ist zweifellos praktisch und für viele Nutzer ein echter Mehrwert. Gleichzeitig bleibt sie der limitierende Faktor. Selbst auf den feinsten Mahlgradeinstellungen fällt auf, dass das Mahlgut nicht die Feinheit und Homogenität erreicht, die für eine ideale Espressoextraktion notwendig wäre. In der Praxis führt das zu verkürzten Durchlaufzeiten – häufig unterhalb der angestrebten 25–30 Sekunden – und damit zu einer leichten Unterextraktion.

Das sensorische Ergebnis: Der Espresso wirkt in der Spitze etwas unausgewogen, mit betonter Säure und weniger Tiefe im Körper, als man es sich wünschen würde. Durch Anpassung von Mahlmenge und Wassermenge lässt sich das Ergebnis zwar verbessern, doch die physikalische Grenze der Mühle bleibt spürbar. Wer bereits mit hochwertigen externen Mühlen gearbeitet hat, wird diesen Unterschied sofort erkennen.

Positiv hervorzuheben ist hingegen die Konstanz: Hat man einmal funktionierende Parameter gefunden, liefert die Maschine reproduzierbare Ergebnisse. Auch der Bohnenbehälter überzeugt durch durchdachte Details wie einen dicht schließenden Deckel und eine saubere Entnahme ohne Bohnenverlust.

Ein zweiter Punkt betrifft die Dampflanze. Die 360° schwenkbare Milchschaumdüse bietet grundsätzlich gute Bewegungsfreiheit, arbeitet jedoch mit einer einzelnen Austrittsöffnung. Das führt dazu, dass der Dampfdruck weniger aggressiv wirkt als bei professionellen Mehrlochdüsen. Milch lässt sich durchaus feinporig aufschäumen, allerdings erfordert der Prozess mehr Zeit und Fingerspitzengefühl. Gerade Latte-Art-Einsteiger werden hier etwas Geduld mitbringen müssen.

Die beheizte Tassenablage, der großzügige 2,8-Liter-Wassertank und die insgesamt durchdachte Ergonomie runden das Gesamtbild ab. Die Maschine richtet sich klar an Nutzer, die ein möglichst vollständiges System ohne zusätzliche Investitionen suchen – und genau darin liegt ihre größte Stärke.

Unterm Strich ist die „Design Espressomaschine Advanced Urban Duo“ eine konsequente Weiterentwicklung mit klar erkennbaren Verbesserungen in Bedienkomfort, Design und Temperaturstabilität. Sie richtet sich primär an ambitionierte Einsteiger und fortgeschrittene Nutzer, die ein integriertes System bevorzugen und Wert auf einfache Handhabung legen.

8Gleichzeitig bleibt ein zentraler Kritikpunkt bestehen: Die integrierte Mühle wird dem Anspruch an echten Espresso auf höherem Niveau nicht vollständig gerecht. Wer maximale Qualität aus seinen Bohnen herausholen möchte, wird früher oder später zu einer separaten Mühle greifen müssen.

Damit ergibt sich ein klares Bild: Als komfortables Komplettpaket mit starker Ausstattung, hoher Verarbeitungsqualität und durchdachten Features überzeugt die Maschine. Als kompromisslose Lösung für Espresso-Enthusiasten bleibt sie jedoch einen Schritt hinter spezialisierten Setups zurück.

Oder anders formuliert: Die Urban Duo ist ein sehr guter Einstieg in die Welt des Siebträgers – aber nicht das Ende der Reise.

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