Taxi Chaos 2 – Nostalgie auf dem Beifahrersitz, aber ohne Ziel im Navi | PC-Review
Es gab eine Zeit, in der Arcade-Spiele nicht erklärungsbedürftig waren. Man warf eine Münze ein, drückte auf Start und verstand innerhalb von Sekunden, worum es ging. Crazy Taxi war eines dieser Spiele – laut, schnell, kompromisslos und voller anarchischem Spaß. Taxi Chaos tritt unverhohlen in genau diese Fußstapfen und versteht sich als spiritueller Nachfolger eines längst verschwundenen Genres. Doch Nostalgie allein reicht im Jahr 2021 – und erst recht auf dem PC – nicht mehr aus, um dauerhaft zu überzeugen.
Bekanntes Konzept, wenig Weiterentwicklung
Das grundlegende Spielprinzip ist sofort vertraut: In der fiktiven Metropole New Yellow City, einer cartoonhaften Interpretation von New York, übernehmen wir als Vinny oder Cleo das Steuer eines Taxis. Fahrgäste wollen möglichst schnell von A nach B gebracht werden, riskante Fahrmanöver erhöhen die Trinkgelder, und am Ende entscheidet der Kontostand über den Platz in der Online-Bestenliste. Mehr ist da zunächst nicht – und leider bleibt es auch dabei.
Was 1999 als Arcade-Erlebnis perfekt funktionierte, wirkt heute erstaunlich unterkomplex. Taxi Chaos reproduziert das Grundgerüst von Crazy Taxi, versäumt es aber, dieses sinnvoll zu erweitern oder an moderne Erwartungen anzupassen. Es gibt kein echtes Fortschrittssystem, keine Kampagne, keine spielerischen Überraschungen. Jede Runde dauert nur wenige Minuten, nicht weil man das will, sondern weil das Spielsystem kaum längere Sessions zulässt.
Eine Stadt ohne Charakter
New Yellow City ist auf den ersten Blick ordentlich umgesetzt. Bekannte Wahrzeichen, ein großer Park, breite Straßen – alles ist vorhanden. Doch je länger man spielt, desto deutlicher wird das zentrale Problem: Die Stadt fühlt sich leblos und monoton an. Das schachbrettartige Straßennetz sorgt für Orientierungslosigkeit statt Abwechslung, insbesondere im Profi-Modus ohne Navigationspfeil. Markante Orientierungspunkte fehlen, viele Stadtteile sehen nahezu identisch aus, und die geringe Anzahl an Fußgängern und Fahrzeugen verstärkt den Eindruck einer sterilen Kulisse.
Gerade im Vergleich zur abwechslungsreichen Topografie von San Francisco im Original Crazy Taxi wirkt New Yellow City flach – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Sprünge, Rampen und vertikale Ebenen existieren zwar, sind aber so selten, dass sie eher wie verpasste Chancen wirken. Dabei sind genau diese Momente die wenigen, in denen Taxi Chaos kurzzeitig aufblitzt und zeigt, welches Potenzial hier eigentlich schlummern würde.
Spielmodi ohne Langzeitwirkung
Mit Arcade-, Profi- und Freifahrmodus ist das Angebot schnell umrissen. Der Arcade-Modus ist zugänglich, der Profi-Modus unnötig frustrierend und der Freifahrmodus eher ein Navigationshilfsmittel als ein echter Spielmodus. Es fehlt an Varianten, Herausforderungen oder Nebenaktivitäten, die das Spiel über mehrere Stunden hinweg tragen könnten.
Auch die freischaltbaren Inhalte sind enttäuschend begrenzt. Sieben Fahrzeuge, einige Achievements, ein paar versteckte Sammelobjekte – das alles ist schnell erledigt und bietet kaum Motivation, dranzubleiben. Besonders schmerzlich ist das Fehlen jeglicher Bonusmodi oder Minispiele, wie man sie aus der legendären Dreamcast-Version von Crazy Taxi kennt. Dort waren sie essenzieller Bestandteil der Langzeitmotivation – hier existieren sie schlicht nicht.
Technisch solide, künstlerisch blutleer
Technisch läuft die PC-Version überwiegend stabil, kleinere Bugs wie steckenbleibende Fahrzeuge oder unzuverlässige Navigationsanzeigen trüben jedoch den Eindruck. Die Steuerung fühlt sich präzise an, erreicht aber nie die spielerische Leichtigkeit und das „Flow-Gefühl“ des Vorbilds. Kein Fahrzeug vermittelt dieses ikonische, wilde Fahrgefühl, das Crazy Taxi so einzigartig machte.
Grafisch ist Taxi Chaos funktional, aber erschreckend generisch. Der Stil erinnert eher an ein aufgehübschtes Mobile-Game als an eine eigenständige Arcade-Interpretation. Der Soundtrack schließlich ist der größte Schwachpunkt: Er ist belanglos, energielos und verfehlt komplett die Aufgabe, das Spiel emotional zu tragen. Ohne treibende Musik fehlt dem Gameplay schlicht der Adrenalinkick.
Preis-Leistungs-Verhältnis als größtes Ärgernis
Besonders kritisch fällt das Preis-Leistungs-Verhältnis aus. Während klassische Crazy Taxi-Versionen mit deutlich mehr Inhalt für einen Bruchteil des Preises erhältlich sind, verlangt Taxi Chaos auf dem PC einen Preis, der durch den gebotenen Umfang kaum zu rechtfertigen ist. Das Spiel macht durchaus kurzfristig Spaß, rechtfertigt aber keinen Vollpreis. Hier wäre ein klarer Budgettitel-Ansatz – oder zumindest eine deutliche Preissenkung – angemessen gewesen.
Fazit: Ein gut gemeinter Versuch ohne eigenen Antrieb
Taxi Chaos ist kein schlechtes Spiel. Es ist kompetent umgesetzt, technisch weitgehend stabil und beweist, dass das klassische Taxi-Arcade-Prinzip auch heute noch funktionieren kann. Doch genau hier endet das Lob. Es fehlt an Mut, an Inhalten, an Identität – und vor allem an dem anarchischen Spaß, der das Genre einst definiert hat.
Als nostalgischer Kurztrip ist Taxi Chaos durchaus spielbar. Als vollwertiger Nachfolger von Crazy Taxi bleibt es jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Wer das Original kennt und liebt, wird hier eher an verpasste Chancen erinnert als an glorreiche Zeiten. Für ein paar Runden zwischendurch okay – für alles darüber hinaus greift man besser direkt zum Klassiker.
Wertung: solide Idee, schwache Umsetzung – ein Taxi ohne Ziel, aber mit laufendem Taxameter.
