Quarantine Zone: The Last Check | Review (PC)
Zombie-Apokalypsen kennen wir zur Genüge: Die Welt liegt in Trümmern, Infizierte streifen durch verlassene Städte und der letzte Rest der Menschheit klammert sich an militärisch kontrollierte Sicherheitszonen. Genau hier setzt Quarantine Zone: The Last Check an und versetzt uns nicht in die Rolle eines Soldaten an der Front, sondern an den Kontrollpunkt davor – dort, wo entschieden wird, wer noch gerettet werden kann und wer bereits verloren ist.
Alltag am Ende der Welt
Als Leiter einer Quarantänestation übernehmen wir die Verantwortung für eine scheinbar einfache, in Wahrheit aber folgenreiche Aufgabe: Wir untersuchen Überlebende, die sich vor den Toren unserer Basis anstellen, und sortieren sie nach ihrem Gesundheitszustand aus. In regelmäßigen Abständen verlangt das Militär eine bestimmte Anzahl gesunder Personen zur Evakuierung. Wer dieses Soll nicht erfüllt oder Fehler macht, riskiert den Zusammenbruch der gesamten Station.Zwischen diesen Fixpunkten kümmern wir uns um Vorräte, bauen unsere Anlage aus und überwachen Verdachtsfälle in separaten Zellen. Der Verwaltungsaspekt bleibt dabei bewusst überschaubar: Essen, Medizin und Ausrüstung werden per Klick nachgekauft, Upgrades erhöhen Kapazitäten, und Geld fließt großzügig, solange wir halbwegs korrekt arbeiten. Tiefgreifende Management-Entscheidungen bleiben die Ausnahme.
Diagnose per Tablet
Der eigentliche Kern des Spiels ist die Untersuchung der Ankommenden. In der Ego-Perspektive holen wir Person für Person in den Kontrollraum und prüfen sie mit verschiedenen Werkzeugen. Zu Beginn beschränkt sich das auf sichtbare Verletzungen oder Hautveränderungen, später kommen Thermometer, Röntgengerät, Stethoskop, UV-Licht und schließlich Scanner hinzu, die selbst versteckte Auffälligkeiten offenlegen.Alle Befunde werden auf einem Tablet erfasst, das Symptome farblich kennzeichnet. Grün bedeutet Entwarnung und Zugang zum Wohnbereich. Orange signalisiert Unsicherheit – diese Personen landen vorerst in Quarantäne und werden über mehrere Tage beobachtet. Rot hingegen ist ein Todesurteil: Wer eindeutige Anzeichen einer Infektion zeigt, wird aussortiert und liquidiert, bevor er andere gefährden kann.Das klingt brutal, wird vom Spiel aber mit einer gewissen makabren Leichtigkeit präsentiert. Skurrile Charaktere, absurde Fundstücke im Gepäck der Überlebenden und augenzwinkernde Referenzen sorgen dafür, dass die Stimmung eher zwischen schwarzem Humor und B-Movie pendelt als zwischen Horror und Drama.
Mehr Show als Entscheidungsspiel
Trotz der düsteren Prämisse bleibt Quarantine Zone spielerisch erstaunlich harmlos. Letztlich arbeiten wir eine stetig wachsende Checkliste ab und markieren das, was die Geräte anzeigen. Wirkliche Graubereiche gibt es kaum, denn das Spiel nimmt uns die moralische Verantwortung weitgehend ab: Die Farbkennzeichnung sagt ziemlich eindeutig, was zu tun ist.Zwar existieren Situationen, in denen unbekannte Symptome zunächst falsch eingeschätzt werden können, doch selbst diese Konsequenzen verpuffen schnell. Charaktere bleiben weitgehend anonym, Hintergrundgeschichten sind selten und beschränken sich auf optionale Nebenaufträge wie das Aufspüren von Schmugglern oder gesuchten Personen. Emotionale Bindung entsteht dabei kaum.Auch das restliche Spielgeschehen bietet wenig Überraschungen. Größere Zwischenfälle wie Ausbrüche oder Angriffe von Zombies werden meist nur abstrakt abgehandelt. Zwar gibt es gelegentliche Actioneinlagen mit einer bewaffneten Drohne, diese verlieren jedoch rasch ihren Reiz.
Technik, Bugs und Balance
Optisch macht das Spiel dank Unreal Engine 5 einen soliden Eindruck, auch wenn Animationen und Details das begrenzte Budget nicht verbergen können. Problematischer sind kleinere technische Schwächen: Manchmal wirken Bewertungen inkonsistent, Nebenaufträge funktionieren nicht korrekt oder Texte sind missverständlich übersetzt. Spielblockierende Fehler traten in unserem Durchlauf zwar nicht auf, ganz rund läuft die Erfahrung aber nicht.Dazu kommt eine sehr großzügige Balance. Geldmangel oder Ressourcenknappheit sind praktisch kein Thema, Strafen lassen sich leicht ausgleichen, und selbst Fehler haben selten gravierende Folgen. Für ein Szenario am Rand des Weltuntergangs fehlt es schlicht an Druck.
Kurzlebiger, aber ungewöhnlicher Reiz
Was Quarantine Zone: The Last Check dennoch trägt, ist sein ungewöhnliches Grundkonzept. Die schrittweise freigeschalteten Werkzeuge und Symptome sorgen für Motivation, und das genaue Untersuchen der Überlebenden hat einen eigenwilligen Reiz. Die medizinische Simulation steht klar im Vordergrund und funktioniert erstaunlich gut – zumindest solange Neues dazukommt.Nach acht bis zehn Stunden ist jedoch alles gesehen, und das repetitive Abarbeiten verliert spürbar an Spannung. Für den Preis von rund 20 Euro bietet das Spiel
solide Unterhaltung, bleibt aber weit davon entfernt, ein Langzeit-Hit zu sein.
Fazit: Quarantine Zone: The Last Check lebt von seiner Idee und der ungewöhnlichen Perspektive. Als Zombie-Szenario abseits von Daueraction und Survival-Kämpfen funktioniert es überraschend gut, leidet aber unter fehlender Tiefe, wenig Abwechslung und zu geringem Anspruch. Wer für ein Wochenende Lust auf einen morbiden Simulator mit schwarzem Humor hat, kann hier zugreifen. Für den großen Durchbruch bräuchte das Spiel jedoch deutlich mehr Konsequenz, Spannung und Mut zu echten Entscheidungen.
