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| Marc Heiland | PC-Games

RIDE6Mit RIDE 6 setzt Milestone seine Motorradserie konsequent fort und feilt weiter an der zentralen Idee, ein Rennspiel zu liefern, das sowohl ambitionierte Simulationsfans als auch neugierige Einsteiger abholt. Während frühere Teile noch stärker zwischen diesen beiden Polen schwankten, wirkt der sechste Ableger deutlich selbstbewusster. Er weiß, was er sein will: ein technisch anspruchsvoller, aber fairer Motorrad-Racer, der Vielfalt, Lernkurve und Langzeitmotivation über plakative Inszenierung stellt.

Bereits die ersten Minuten machen klar, dass RIDE 6 nicht auf Effekthascherei setzt. Statt eines überladenen Intros steht direkt das Fahrgefühl im Mittelpunkt. Das gewählte Bike fühlt sich schwer, träge oder agil an – je nach Klasse – und vermittelt sofort ein glaubwürdiges Gefühl für Masse, Beschleunigung und Balance. Genau hier zeigt sich, wie sehr Milestone am Kern des Spiels gearbeitet hat.

Fahrgefühl: Fehler sind spürbar – und lehrreich

Das Herzstück von RIDE 6 ist erneut das Handling, das nun klarer denn je zwischen Arcade Experience und Pro Experience unterscheidet. Dabei geht es nicht nur um „leichter“ oder „schwerer“, sondern um eine andere Philosophie des Fahrens.

Im Arcade-Modus verzeiht das Spiel deutlich mehr. Überhastete Lenkbewegungen oder ein etwas zu später Bremspunkt lassen sich oft noch korrigieren, ohne dass das Bike sofort instabil wird. Das macht den Einstieg angenehm und verhindert Frust, gerade für Spielerinnen und Spieler ohne große Erfahrung mit Motorrad-Simulationen.

Der Pro-Modus hingegen verlangt Präzision. Kleine Fehler beim Bremsdruck, beim Runterschalten oder beim Herausbeschleunigen werden unmittelbar spürbar. Die Front wird unruhig, das Heck verliert Grip, die Linie geht verloren. Der entscheidende Unterschied zu früheren Teilen: Diese Fehler fühlen sich nachvollziehbar an. Man weiß fast immer, warum etwas schiefgelaufen ist. Dadurch entsteht ein fairer Lernprozess, der motiviert statt abschreckt.

Besonders positiv fällt auf, wie unterschiedlich sich die einzelnen Motorradklassen fahren. Schwere Tourer verlangen vorausschauendes Fahren und sauberes Einlenken, während wendige Motards auf engen Kursen ein ganz anderes Rhythmusgefühl erfordern. Supersportler, Naked Bikes, Roller, Enduros oder Ausdauer-Maschinen – jede Kategorie hat ein eigenes Fahrprofil, das sich nicht nur auf dem Papier, sondern spürbar auf der Strecke unterscheidet.

Neu hinzugekommene Klassen wie Maxi-Enduros oder Baggers sorgen zusätzlich für Abwechslung und Charakter. RIDE 6 fühlt sich dadurch weniger wie eine Sammlung ähnlicher Bikes an, sondern wie ein echtes Schaufenster der Motorradwelt.

Offroad als echte Erweiterung

Eine der wichtigsten Neuerungen ist der Offroad-Bereich. Zum ersten Mal bietet ein RIDE-Spiel eigene Dirt-Strecken – und erfreulicherweise fahren sie sich nicht wie Asphalt mit reduziertem Grip. Stattdessen verlangt Offroad ein völlig anderes Herangehen: früher bremsen, ruhiger einlenken, Balance halten. Aggressives Gasgeben oder hektische Lenkbewegungen werden gnadenlos bestraft.

Offroad-Rennen folgen weniger einer millimetergenauen Ideallinie und mehr einem sauberen Flow. Wer diesen Rhythmus findet, erlebt eine überraschend frische Spielmechanik, die das Gesamtpaket sinnvoll erweitert, ohne den Fokus des Spiels zu verwässern.

Technik: Unreal Engine 5 zeigt Wirkung

Der Wechsel auf die Unreal Engine 5 macht sich deutlich bemerkbar. RIDE 6 wirkt sichtbar moderner als sein Vorgänger, insbesondere bei Lichtstimmung und Wettereffekten. Sonnenuntergänge, Nachtfahrten oder Regenrennen profitieren von realistischeren Reflexionen und stimmungsvoller Beleuchtung, die nicht nur hübsch aussehen, sondern auch das Geschwindigkeitsgefühl beeinflussen.

Auf dem PC (wie auch auf den aktuellen Konsolen) läuft das Spiel sehr stabil. Eine konstante Bildrate sorgt dafür, dass das präzise Fahrgefühl nicht durch technische Unsauberkeiten untergraben wird. Ladezeiten bleiben angenehm kurz, kleinere Pop-ins in der Ferne fallen während der Fahrt kaum ins Gewicht. Insgesamt vermittelt RIDE 6 einen reifen, sauberen technischen Eindruck, der es erlaubt, sich voll auf das Fahren zu konzentrieren.

Auch der Sound überzeugt. Die Motorräder klingen nicht nur laut, sondern charakterstark. Unterschiedliche Hubräume, Bauarten und Maschinenkonzepte spiegeln sich akustisch klar wider. Beschleunigen, Hochschalten, Runterschalten – all das trägt spürbar zur Immersion bei. Ergänzt durch Windgeräusche und Streckenatmosphäre entsteht ein stimmiges Klangbild, das das Tempogefühl hervorragend unterstützt.

Die Steuerung mittels Controller funktioniert hervorragend. Verzögerungen gibt es keine. 

RIDE6Bild2RIDE Fest und Karriere: Funktional, umfangreich, aber nüchtern

Die Karriere ist in das sogenannte RIDE Fest eingebettet – ein Festival-Rahmen, der als zentrale Anlaufstelle dient. Menüs und Events sind in dieses Setting integriert, was dem Spiel mehr Atmosphäre verleiht als früher. Die Präsentation wirkt lebendiger, auch wenn sie nicht die emotionale Wucht vergleichbarer Arcade-Rennspiele erreicht.

Strukturell bleibt die Karriere klassisch: Rennen fahren, Sterne sammeln, neue Events freischalten, Bikes kaufen oder verbessern. Neu ist die Aufteilung in zahlreiche Bereiche mit klar definierten Herausforderungen. Statt endloser Rennserien bekommt man überschaubare Häppchen serviert – mal kurze Events, mal längere Ausdauerprüfungen, mal Zeitfahren statt Start-Ziel-Rennen. Diese Flexibilität sorgt dafür, dass sich Fortschritt selten zäh anfühlt.

Mit über 250 Motorrädern, sieben Fahrzeugklassen, 45 Strecken und mehr als 160 Events ist der Umfang beachtlich. Allein die Karriere kann problemlos 30 Stunden und mehr verschlingen. Ergänzt wird das Ganze durch Schnellmodi, Ausdauer-Rennen und weitere Einzelveranstaltungen.

Besonders gelungen sind die Legends- bzw. Boss-Chapters. Hier tritt man gegen echte Motorrad-Legenden wie Casey Stoner, Troy Bayliss oder Guy Martin an. Diese Events geben der Karriere Fokus und Druck, ohne auf eine künstliche Story zurückzugreifen – ein Ansatz, der deutlich besser zu RIDE passt als jede aufgesetzte Erzählung.

Lernen, Anpassen, Verbessern

Ein echtes Highlight bleibt die Riding School. In strukturierten Tutorials, Challenges und Wiederholungen vermittelt das Spiel grundlegende und fortgeschrittene Fahrtechniken. Das ist nicht spektakulär inszeniert, aber enorm wichtig für alle, die das Spiel ernsthaft meistern wollen. Wer Zeit investiert, spürt messbare Fortschritte auf der Strecke.

Auch beim Thema Accessibility macht RIDE 6 einen großen Schritt nach vorn. Anpassbare Spielgeschwindigkeit, Optionen für farbenblinde Spieler und sogar One-Hand-Steuerung sorgen dafür, dass deutlich mehr Menschen Zugang zum Spiel finden, ohne das Kern-Gameplay zu verwässern.

Das Customizing bleibt ebenfalls eine Stärke. Bikes, Helme und Anzüge lassen sich detailliert gestalten, Designs können plattformübergreifend geteilt werden. Wer möchte, kann hier Stunden verbringen und sein Motorrad zu einem echten Unikat machen.

Online und Langzeitmotivation

Online setzt RIDE 6 auf Full Crossplay zwischen PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S – ein großer Pluspunkt. Rennen mit bis zu zwölf Spielern, monatliche Challenges, asynchrone Wettbewerbe und Zeitvergleichssysteme sorgen für Motivation, auch ohne permanenten Online-Zwang. Das passt gut zur Philosophie des Spiels, das langfristige Verbesserung belohnt statt schnellen Dopamin-Kicks.

Fazit: RIDE 6 ist der bislang stärkste Teil der Serie. Milestone gelingt es, ein anspruchsvolles, aber faires Fahrgefühl mit enormem Umfang, sinnvoller Lernkurve und moderner Technik zu verbinden. Der Wechsel zur Unreal Engine 5 zahlt sich aus, Offroad bringt frischen Wind, und die Vielfalt an Bikes und Klassen sorgt für langfristige Abwechslung.

7Die Karriere bleibt eher funktional als emotional packend, und wer keine Geduld für sauberes, konzentriertes Fahren mitbringt, wird schnell an Grenzen stoßen. Doch genau darin liegt auch die Stärke des Spiels: Fortschritt entsteht nicht durch bloßes Weiterspielen, sondern durch besseres Fahren.

Unterm Strich ist RIDE 6 kein Motorradspiel für den schnellen Kick, sondern für Menschen, die Motorräder wirklich mögen, Vielfalt schätzen und bereit sind, an ihren Fähigkeiten zu arbeiten. Für diese Zielgruppe ist es ein exzellenter Einstieg – und gleichzeitig der neue Maßstab der Reihe.

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